Nackenverspannungen, Rückenschmerzen, Periodenbeschwerden: Die gezielte Applikation therapeutischer Wärme kann in der lokalen Schmerztherapie eine Alternative zur Tabletteneinnahme sein. Moderne Wärmepflaster greifen direkt in die physiologische Schmerzverarbeitung ein und können von Apothekenteams aktiv im Beratungsgespräch empfohlen werden. Dabei kommt es jedoch auf die genaue Abgrenzung von Kontraindikationen und Red Flags an. Ein Überblick.
Apothekenteams beraten fast täglich Patient:innen mit Schmerzen. In der Selbstmedikation können Wärmepflaster eine Alternative zur Tabletteneinnahme darstellen.
Wärmepflaster kann man nach unterschiedlichen Wirkprinzipien einteilen. Chemische Wärmepflaster mit Wirkstoffen wie Capsaicin oder Nonivamid stimulieren die TRPV1-Rezeptoren, sprich die Hitze- und Schmerzrezeptoren in der Haut. Dies führt zur Ausschüttung des körpereigenen Botenstoffs Substanz P und zu einer starken Gefäßerweiterung, was die Durchblutung fördert. Bei längerer Anwendung kommt es zur Desensibilisierung der Nervenenden. Die Pflaster werden direkt auf die Haut geklebt.
Physikalische exotherme Pflaster enthalten Eisenpulver. Das Feingranulat aus Eisen, Aktivkohle, Wasser und Salz reagiert nach dem Öffnen der Schutzverpackung mit dem Luftsauerstoff; es wird eine exotherme Oxidation ausgelöst. Somit kann über acht bis zwölf Stunden hinweg eine konstante Tiefenwärme von etwa 40 °C aufrechterhalten werden. Für empfindliche Haut gibt es auch Varianten zum Aufkleben auf die Kleidung.
Gegenüber oralen NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac gibt es durch Wärmepflaster keinerlei Belastung für Magen, Darm oder Nieren. Es besteht kein Risiko für systemische oder kardiovaskuläre Nebenwirkungen.
Gegenüber Wärmflaschen und Kirschkernkissen haben die Pflaster eine deutlich geringere Verbrühungsgefahr, eine hohe Alltagstauglichkeit und die Mobilität unterwegs ist ebenfalls gegeben. Vorteile gegenüber Wärmesalben: Reizstoffe verbleiben abgedeckt unter dem Pflaster und werden nicht unabsichtlich auf Schleimhäute oder Kontaktpersonen übertragen.
Die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) empfiehlt die Wärmetherapie zur Unterstützung der körperlichen Aktivität bei akutem und subakutem LWS-Syndrom. Denn: Klinische Studien zeigen, dass eine achtstündige kontinuierliche Wärmeabgabe bei akuten Lendenwirbelsäulenschmerzen die Muskelspannung und Schmerzintensität effektiver senken kann als Standarddosierungen von Paracetamol oder Ibuprofen.
Der kontinuierliche thermische Reiz überlagert im Rückenmark die Weiterleitung von Schmerzsignalen und lenkt das Gehirn zentral ab. Durch die Hyperämie werden Entzündungsmediatoren wie beispielsweise Laktat schneller abtransportiert.
Zunächst sollte die Schmerzursache abgeklärt werden, beispielsweise ob es sich um muskuläre Verspannungen handelt.
Bei der Wirkstoffwahl gibt es folgende Möglichkeiten:
Anwendungshinweise:
In der Selbstmedikation von Schmerzen sollten folgende Red Flags beachtet und möglichst ärztlicher Rat eingeholt werden:
Schmerzen nach Stürzen, Unfällen oder bei bekannter Osteoporose
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