Wirkprinzipien der Gadgets

Stichheiler: Lokale Hyperthermie im HV

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Berlin -

In den Sommermonaten gehören Insektenstiche und der damit verbundene Juckreiz zu den regelmäßigen Themen in der Apothekenberatung. Neben klassischen Gels mit Antihistaminika kommen zunehmend thermische Insektenstichheiler zum Einsatz. Eine Anwendungsstudie der Charité Berlin liefert klinische Daten zur Wirkung im Alltag bei verschiedenen Insektenarten. 

Die Wirksamkeit von Stichheilern, die mit konzentrierter Wärmeapplikation arbeiten, wurde in einer dezentralisierten Untersuchung analysiert. Unter der Leitung von Professor Dr. Martin Metz und Professor Dr. Marcus Maurer wurden Behandlungen dokumentiert. Hierfür wurde die Kombination des Medizinprodukts „Heat it“ des Herstellers Kamedi mit einer Smartphone-App genutzt.

Rund 1750 Teilnehmer erfassten darin mehr als 12.000 Behandlungen. „Unsere Studie liefert Daten für den Nutzen der Hyperthermie-Behandlung durch Stichheiler“, bilanziert Professor Dr. Maurer, Direktor des Instituts für Allergieforschung an der Charité. Für die Beratung am HV-Tisch zeigt die Auswertung folgende Ergebnisse:

  • Innerhalb der ersten Minute nach der Wärmeanwendung ging der mückenstichbedingte Juckreiz im Schnitt um 57 Prozent zurück.
  • Nach fünf bis zehn Minuten wurde eine Reduktion des Juckreizes um 81 Prozent gemessen.

Wirkung bei verschiedenen Insektenarten und verzögerter Anwendung

Für die pharmazeutische Beratung ist relevant, dass die thermische Wirkung nicht auf Mückenstiche beschränkt ist. Eine Linderung von Juckreiz und Schmerzen wurde für alle untersuchten Insektenarten nachgewiesen – neben Stechmücken auch für Bremsen, Bienen und Wespen. Zudem zeigt die Arbeit, dass der Nutzen nicht zwingend an die unmittelbare Anwendung direkt nach dem Stich gebunden ist: Selbst wenn der Stich zum Behandlungszeitpunkt bereits mehr als sechs Stunden zurücklag, berichteten die Anwender noch von einer Symptomlinderung.

Der dreifache zelluläre Mechanismus der Juckreizstillung

Dass eine kurzzeitige Erhitzung der betroffenen Hautstelle auf circa 51 Grad Celsius zu einer Linderung führt, basiert auf einem Zusammenspiel neurobiologischer und immunologischer Prozesse:

  1. Denaturierung von Fremdepitopen: Die Hitzeeinwirkung trägt dazu bei, dass thermolabile Reizstoffe und Proteine aus dem Insektenspeichel direkt in der Einstichstelle strukturell verändert werden. Zudem wird die lokale Ausschüttung des Entzündungsmediators Histamin gehemmt.
  2. Aktivierung von Hitzeschockproteinen: Durch den thermischen Reiz bilden die betroffenen Hautzellen spezifische Hitzeschockproteine. Diese fungieren als molekulare Signalgeber, die den Abbau verbliebener fremder Proteine stimulieren.
  3. Gegenirritation über Wärmerezeptoren: Ab einer Temperatur von 42 Grad Celsius werden neuronale Wärmerezeptoren in der Haut aktiviert. Die Weiterleitung dieses thermischen Reizes überlagert im zentralen Nervensystem das Juckreizsignal.

Verträglichkeit und Sicherheit

Ein wichtiger Aspekt für das HV-Gespräch ist die Verträglichkeit. Die Auswertung der Charité-Daten zeigt ein günstiges Nebenwirkungsprofil: Bei den mehr als 12.000 dokumentierten Anwendungen lag die Rate an unerwünschten Wirkungen – wie etwa einer vorübergehenden Hautrötung – bei unter 1 Prozent. Ernsthafte Risiken für die Anwender traten nicht auf.

Beratungshinweise und Kontraindikationen

Trotz der positiven Datenbasis erfordert die Abgabe im HV eine differenzierte Aufklärung:

  • Kontraindikationen: Bei offenen Wunden, blutig aufgekratzten Hautstellen sowie großflächigen, entzündlichen Hauterkrankungen darf das Gerät nicht angewendet werden, da durch die Hitze zusätzliche Gewebeschäden drohen.
  • Individuelle Dosierung: Da eine Temperatur von circa 51 Grad Celsius je nach Hautareal unterschiedlich intensiv wahrgenommen wird, erlauben appgesteuerte Stichheiler eine Anpassung über zwölf verschiedene Modi. So können eine kürzere Behandlungsdauer oder eine geringere Temperatur gewählt werden, was insbesondere für die Anwendung bei Kindern sinnvoll ist.
  • Abgrenzung von reinen Unterdruckgeräten: Mechanische Pumpen, die das Gift aus der Wunde saugen sollen, fielen in Untersuchungen der Stiftung Warentest mangels Wirksamkeit durch. Für eine evidenzbasierte physikalische Reizlinderung ist daher das thermische Prinzip vorzuziehen.

Dieses und weitere Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Apotheken Umschau. Für weitere Beiträge besuchen Sie gern die APOTHEKE ADHOC-Rubrik „Apotheken Umschau“.

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