In den Sommermonaten gehören Insektenstiche und der damit verbundene Juckreiz zu den regelmäßigen Themen in der Apothekenberatung. Neben klassischen Gels mit Antihistaminika kommen zunehmend thermische Insektenstichheiler zum Einsatz. Eine Anwendungsstudie der Charité Berlin liefert klinische Daten zur Wirkung im Alltag bei verschiedenen Insektenarten.
Die Wirksamkeit von Stichheilern, die mit konzentrierter Wärmeapplikation arbeiten, wurde in einer dezentralisierten Untersuchung analysiert. Unter der Leitung von Professor Dr. Martin Metz und Professor Dr. Marcus Maurer wurden Behandlungen dokumentiert. Hierfür wurde die Kombination des Medizinprodukts „Heat it“ des Herstellers Kamedi mit einer Smartphone-App genutzt.
Rund 1750 Teilnehmer erfassten darin mehr als 12.000 Behandlungen. „Unsere Studie liefert Daten für den Nutzen der Hyperthermie-Behandlung durch Stichheiler“, bilanziert Professor Dr. Maurer, Direktor des Instituts für Allergieforschung an der Charité. Für die Beratung am HV-Tisch zeigt die Auswertung folgende Ergebnisse:
Für die pharmazeutische Beratung ist relevant, dass die thermische Wirkung nicht auf Mückenstiche beschränkt ist. Eine Linderung von Juckreiz und Schmerzen wurde für alle untersuchten Insektenarten nachgewiesen – neben Stechmücken auch für Bremsen, Bienen und Wespen. Zudem zeigt die Arbeit, dass der Nutzen nicht zwingend an die unmittelbare Anwendung direkt nach dem Stich gebunden ist: Selbst wenn der Stich zum Behandlungszeitpunkt bereits mehr als sechs Stunden zurücklag, berichteten die Anwender noch von einer Symptomlinderung.
Dass eine kurzzeitige Erhitzung der betroffenen Hautstelle auf circa 51 Grad Celsius zu einer Linderung führt, basiert auf einem Zusammenspiel neurobiologischer und immunologischer Prozesse:
Ein wichtiger Aspekt für das HV-Gespräch ist die Verträglichkeit. Die Auswertung der Charité-Daten zeigt ein günstiges Nebenwirkungsprofil: Bei den mehr als 12.000 dokumentierten Anwendungen lag die Rate an unerwünschten Wirkungen – wie etwa einer vorübergehenden Hautrötung – bei unter 1 Prozent. Ernsthafte Risiken für die Anwender traten nicht auf.
Trotz der positiven Datenbasis erfordert die Abgabe im HV eine differenzierte Aufklärung:
Abgrenzung von reinen Unterdruckgeräten: Mechanische Pumpen, die das Gift aus der Wunde saugen sollen, fielen in Untersuchungen der Stiftung Warentest mangels Wirksamkeit durch. Für eine evidenzbasierte physikalische Reizlinderung ist daher das thermische Prinzip vorzuziehen.
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