Dienstjubiläum

Zweimal ein halbes Jahrhundert: PTAs gefeiert

, Uhr
Berlin -

50 Jahre im selben Betrieb, das ist gerade in heutigen Zeiten eher eine Ausnahme. Noch seltener ist es, wenn gleich zwei Kolleginnen beinahe zur selben Zeit ihr 50-jähriges Dienstjubiläum feiern. In der Cuxhavener West-Apotheke von Inhaber Wolfgang Kuhn sorgen seit einem halben Jahrhundert die beiden PTA Jutta Rose und Walburg Hinck dafür, dass die Kunden stets gut beraten werden.

Lange suchen mussten Rose und Hinck 1969 nicht. In der gerade vom Pharmazeuten Jürgen Alpen eröffneten West-Apotheke waren verschiedene Lehrstellen frei. Rose entschied sich zunächst für eine PKA-Ausbildung, Hinck wurde Apothekenhelferin. Später ließen sie sich zum damals neu geschaffenen Beruf der PTA weiterbilden. Die Gewöhnung an die neuen Aufgaben fiel nicht beiden leicht: „Ich habe Frau Rose immer für ihren Umgang mit den Kunden bewundert. Ich musste mich erst an den täglichen Kontakt gewöhnen. Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe“, berichtet Hinck von kleineren Anlaufschwierigkeiten.

Ohnehin habe sie sich anfangs nicht vorstellen können, dass sie 50 Jahre in einer Apotheke arbeiten würde. „Mit 15 macht man sich aber auch nicht so viele Gedanken über die Zukunft. Ich wusste nur, dass ich keinen Bürojob machen will“, sagt sie. Für Rose hingegen war schon früh klar: „Die Tätigkeit in der Apotheke ist mein Traumberuf.“ Auch wenn dieser durchaus fordernd war: „Ich habe stets viel gearbeitet. PTA war für mich immer deutlich mehr ein als ein Job.“

Dass der Spaß auch in stressigen Situationen nicht verloren ging, hing vor allem mit den Inhabern der West-Apotheke und den Kollegen zusammen, da sind sich beide einig. „Herr Alpen war ein wirklich besonderer Mensch“, erinnert sich Hinck. Auch von Kuhn, der die Apotheke 1990 übernahm, weiß sie nur Gutes zu berichten: „Er ist ein toller Chef, sehr sozial und bemüht sich sehr um ein tolles Betriebsklima. Das spüren auch die Kunden.“ Rose ergänzt: „Herr Kuhn ist nicht nur unser Chef, sondern auch Nachbar und Freund.“

Auch untereinander haben sich in der Belegschaft enge Freundschaften gebildet. Auch deswegen arbeitet Rose, obwohl sie schon seit drei Jahren Rentnerin ist, noch ab und zu in der Apotheke mit: „Mir würde etwas fehlen, wenn ich gar nicht mehr zur Arbeit ginge. Deswegen mache ich das gerne noch eine Weile“. Auch Hinck ist noch bis Jahresende mit vollem Eifer in der West-Apotheke dabei, danach geht es in den wohlverdienten Ruhestand. Die Zeit möchte die PTA dann vor allem mit ihrer Enkeltochter verbringen.

In den 50 Jahren ihrer Tätigkeit haben sie viele Änderungen erlebt. Auch das Verhältnis zum Kunden sei anders als früher. „Der Kontakt zum Kunden ist etwas unpersönlicher geworden. Vor allem, weil wir mittlerweile viel am Computer zu tun haben“, sagt Hinck. Rose fügt hinzu: „Viele junge Menschen haben zudem keine Stammapotheke mehr.“ Dennoch kennen die beiden PTA viele ihrer Kunden noch persönlich, ihre Familie, ihre Krankheiten. Schade finden sie es, dass ihnen durch die zunehmende bürokratische Arbeitsbelastung Zeit für die Kunden genommen wird.

Unter anderem darin sehen die beiden PTA auch den Grund für die heutigen Nachwuchsprobleme im Job. Auch die Ausbildung sei heutzutage anspruchsvoller geworden: „Es ist schon viel Stoff in kurzer Zeit. Vielleicht sollte die Ausbildungszeit verlängert werden“, meint Hinck. „Und für den Aufwand ist es den jungen Kollegen vermutlich zu schlecht bezahlt“, mutmaßt Rose. Dennoch wollen die beiden niemandem vom Beruf abraten: „Schon gar nicht, wenn man Spaß am Umgang mit Menschen hat“, so Rose. „In einem tollen Team wie unserem macht der Job auch heute noch viel Freude“, pflichtet Hinck bei.

Ambitionen, die West-Apotheke oder Cuxhaven zu verlassen, hatten die beiden PTA nie. „Dafür war der Bezug zu Familie und Freunden hier viel zu eng“, erklärt Rose. Auch Hinck schlug familiäre Wurzeln in der niedersächsischen Stadt an der Nordsee. „Ich habe früh geheiratet und zwei Söhne bekommen“. Dankbar sei sie ihren beiden Chefs, dass sie Familie und Beruf immer unter einen Hut bringen konnte. „PTA ist ein recht flexibler Job. Ich konnte auch mal aussetzen und weniger arbeiten, das ließ sich gut mit der Familie in Einklang bringen“, erinnert sich Hinck.

Auch ihre langjährige Kollegin hat einen Sohn und kümmert sich in ihrer Freizeit um ihre siebenjährige Hündin. Außerdem pflegt die PTA ihren Garten oder unternimmt Radtouren mit Freunden und der Familie. Alles andere als geruhsam verlief ihr Start in den Beruf, im Winter 1969 grassierte eine schwere Grippewille in Cuxhaven: „Da habe ich viele Stada-Präparate angefertigt, Pillen gedreht und Zäpfchen gegossen“, erinnert sich Rose. Geschätzt habe sie dabei, dass sie schon früh „sehr selbstständig arbeiten“ durfte.

Hinck machte die Arbeit im Labor mit chemischen und galenischen Formen am meisten Freude, wenngleich sie auch nach den Anlaufschwierigkeiten den Kundenkontakt sehr schätzt. Geschätzt wird sie ihrerseits vom Chef, der ihr 50-jähriges Dienstjubiläum würdig mit einem kleinen Empfang ehrte. Und auch für seine zweite Jubilarin, die im kommenden Monat das 50-Jährige begeht, wird sich der Apotheker sicher etwas Passendes überlegen.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
“Ich will Lauterbach überleben”
Filiale als Apotheken-Back-up
1 Prozent Nachlass pro Tor
Apotheken locken mit EM-Rabatten
Mehr aus Ressort
„Kritischer Blick auf das Konstrukt Apotheke“
PTA will geteilte Apothekenleitung übernehmen

APOTHEKE ADHOC Debatte