Zukunft der Arbeit

ARD: Maschinen können PTA ersetzen

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Berlin -

Knapp 64.000 PTA arbeiten in den 21.000 deutschen Apotheken. Geht es nach der ARD, dann können zwei Drittel durch Roboter und Computer ersetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt der „Job-Futuromat“, den die öffentlich-rechtliche TV-Anstalt in ihrer Themenreihe „Zukunft der Arbeit“ einsetzt. Wer dort PTA eingibt, erfährt Erstaunliches: „67 Prozent der Tätigkeiten in diesem Beruf könnten schon heute Maschinen übernehmen.“ Apotheker schneiden deutlich besser ab: Ihre Arbeit ist demnach nur zu 17 Prozent automatisierbar. Die Arbeit der Krankenhausapotheker zu 43 Prozent. Adexa und der Bundesverband PTA widersprechen gegenüber APOTHEKE ADHOC dieser Betrachtung energisch.

Der Arbeitsalltag des PTA-Berufs bestehe „im Wesentlichen“ aus neun verschiedenen Tätigkeiten, weiß die ARD. Sechs davon könnten Maschinen übernehmen. Welche Tätigkeiten damit gemeint sind, verrät die ARD nicht. Stattdessen verlinkt sie auf die Seite der Bundesagentur für Arbeit. Dort heißt es, PTA unterstützten Apotheker bei der Prüfung und Herstellung sowie beim Verkauf von Arzneimitteln sowie Wirk- und Hilfsstoffen. „Darüber hinaus führen sie einfache physiologisch-chemische Untersuchungen durch und übernehmen Verwaltungsaufgaben.“

Arbeiten können PTA laut Bundesagentur in den „typischen Branchen“, also in öffentlichen Apotheken, Krankenhausapotheken oder Versandapotheken. Darüber hinaus fänden sie auch Beschäftigung in der pharmazeutischen Industrie. Wer die Bildergalerie der Bundesagentur für Arbeit durchklickt, sieht eine PTA in einem Beratungsgespräch in einer Apotheke, im Labor bei der Rezepturherstellung, beim Sortieren von Arzneimitteln, beim Einlagern von Betäubungsmitteln im Safe, beim Verblistern, beim Blutdruckmessen, beim Abwiegen von Wirkstoffen, beim Umfüllen toxischer Flüssigkeiten und beim Einlesen von Rezeptdaten. Welche Tätigkeiten davon automatisierbar sind, erfährt der Betrachter nicht.

Dafür lässt sich am „Job-Futuromat“ herumspielen. Dort sind neun Tätigkeitsbereiche aufgelistet, deren Anteil an der Gesamttätigkeit mit Schiebern variiert werden kann. Erhöht man die Beratungsfunktion, sinkt der Automatisierungsanteil. PTA, die hauptsächlich Arzneimittelprüfungen durchführen sind demnach leicht wegzurationalisieren. Das gilt auch für chemische Untersuchungen und Messverfahren, Laborarbeiten und Labortechnik.

PTA im Verkauf oder mit Schwerpunkt Pharmakologie haben tendenziell einen sicheren Job. Wer mit Rezepturen oder in der Arzneimittelabgabe und der Qualitätssicherung arbeitet, muss hingegen den Kollegen Computer stärker fürchten. Nach Angaben der ARD basieren die Ergebnisse auf Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB der Bundesagentur für Arbeit.

Adexa-Vorsitzende Barbara Stücken-Neusetzer widerspricht der ARD-Sicht: „Dass von den Tätigkeiten der PTA 67 Prozent schon heute von Maschinen übernommen werden könnten, trifft zumindest für den Bereich der öffentlichen Apotheken nicht zu. Ein Beispiel: Die vom ARD-Futuromaten als automatisierbar bezeichnete Arzneimittelabgabe ist gesetzlich mit einer Beratung gekoppelt. Und das ist auch gut so! Auch die Rezeptur in der öffentlichen Apotheke kann nicht ohne menschlichen Arbeitseinsatz verlaufen, genauso wenig wie die Prüfung von Arzneimitteln. Hier sind offenbar PTA aus der pharmazeutischen Industrie und der Apotheke in einen Topf geworfen worden – mit dem Resultat eines wenig aussagekräftigen Mischergebnisses. Da hilft auch der Schieberegler vermutlich wenig, mit dem man den Anteil seiner Tätigkeiten und damit auch den Grad der Automatisierbarkeit ändern kann. Schade, für die Imagewerbung des PTA-Berufes ist das nicht glücklich.“ Und auch der Vergleich mit den Apothekern (zu 17 Prozent automatisierbar) sei aus Sicht der Berufsgruppe PTA weder realistisch noch wertschätzend.

Bettina Schwarz, Geschäftsführerin des Bundesverbandes PTA (BVPTA), hält von der Aktion ebenfalls nichts: „Die Ergebnisse des ARD-Jobfuturomats zur Automatisierung des PTA-Berufes zeugen von einem ähnlichen Unverständnis der Situation in deutschen Apotheken, das offenkundig auch dem EuGH unterlaufen ist. Bis zu 80 Prozent aller Arzneimittelabgaben werden inklusive Beratung und Betreuung der Patienten durch PTA geleistet. Wie man dies ohne Qualitätsverluste automatisieren will, ist uns ein Rätsel“, kommentierte sie gegenüber APOTHEKE ADHOC.

Laut ARD-Angaben arbeiten insgesamt 72.377 „Fachkräfte in der pharmazeutisch-technischen Assistenz“ als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Damit belegen sie Rang 102 von 1097 Berufsgruppen. Seit 2012 sei die Zahl der PTA-Beschäftigten um 9,6 Prozent überdurchschnittlich gestiegen im Vergleich zum Zuwachs aller Berufe von insgesamt nur 5,5 Prozent.

Das mittlere monatliche Bruttogehalt in der PTA-Berufsgruppe lag danach Ende 2015 mit 2369 Euro um 23,2 Prozent unter dem mittleren Gehalt aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 3084 Euro. Das individuelle Gehalt könne aber stark vom Mittelwert abweichen. 2015 habe es für die Hälfte aller Beschäftigten in dieser Gruppe zwischen 2031 Euro und 2730 Euro gelegen. Seit 2012 sei das mittlere PTA-Gehalt um 8,1 Prozent gestiegen und damit stärker als der Zuwachs aller Berufe mit insgesamt 6,9 Prozent.

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