In Kombination mit Xylometazolin

Rezepturfrage: Gentamycin zur nasalen Anwendung

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Berlin -

Es gibt kein Fertigarzneimittel mit Gentamycin zur nasalen Anwendung. Ärzt:innen verordnen das Reserveantibiotikum zuweilen als Rezeptur, dann häufig in Kombination mit abschwellenden Wirkstoffen wie Xylometazolin-Hydrochlorid. Angewendet werden soll die Mischung beispielsweise bei chronischer Sinusitis. Doch ist die nasale Anwendung eines Reserveantibiotikums ohne weiteres möglich?

Gentamycin gehört zu den Aminoglycosid-Antibiotika und zählt zu den Reserveantibiotika. In der Apotheke wird Gentamycin vor allem in Tropfen- und Salbenform zur ophthalen Anwendung abgegeben. Dermal soll der Einsatz nur noch in Ausnahmefällen erfolgen, da eine starke Resistenzproblematik besteht. Eine orale Einnahme ist aufgrund der stark eingeschränkten Resorption nicht möglich. Das Antibiotikum kann auch nasal angewendet werden. Da hier keine passenden Fertigarzneimittel zur Verfügung stehen, erfolgt die patientenindividuelle Herstellung in der Rezeptur.

Nicht selten wird dann eine Verordnung über Gentamycin in Kombination mit einem abschwellenden Wirkstoff vorgelegt. Die Lösung soll erneut als Nasenspray abgegeben werden. Das Problem hierbei: Es liegen keine validen Daten zur Dosierung von Gentamyicin im nasalen Bereich vor. Auch das NRF verweist darauf, dass keine Empfehlungen vorliegen. Das NRF hält den nasalen Einsatz von Gentamycin darüber hinaus für fraglich, da es sich um ein Reserveantibiotikum handelt, welches nur im Ausnahmefall verordnet werden soll. Die in der Praxis vorkommenden Kombinationen aus abschwellenden Nasentropfen und Gentamicinsulfat sind nicht geprüft.

Der Wirkstoff gilt in wässrigen Lösungen bei einem pH von 7,8 als stabil. Das leicht basische Milieu sorgt für eine ausreichende Wirksamkeit. Bei pH-Werten unter 6 kann es zur verminderten Wirksamkeit kommen. Rezeptierbar ist Gentamycin im Bereich von pH 4,5 bis 8.

Das Problem mit dem Verdünnen

Es kommt nicht selten vor, dass Fertigarzneimittel in Rezepturen verarbeitet werden sollen. Oftmals werden sie hierbei runterverdünnt und unterdosiert. Soll Gentamycin beispielsweise nicht als Ausgangssubstanz, sondern als Fertigarzneimittel verarbeitet werden, kann auch hier dieses Problem auftreten. Aus der Praxis ist die Nutzung von Gentamycin Augentropfen bekannt. Diese enthalten 5 mg Gentamycin pro ml. Wird dieses Fertigarzneimittel nun mit abschwellenden Nasentropfen gemischt, so kommt es zu starken Verdünnungseffekten. Da keine Daten zu wirksamen Dosierungen vorliegen, wird die Plausibilitätsprüfung erschwert. Auch die Wechselwirkungen zwischen eventuell enthaltenen Hilfsstoffen müssen berücksichtigt werden.

Abschwellende Wirkstoffe wie Xylometazolin sollen nicht länger als fünf bis sieben Tage angewendet werden. Oftmals verordnen Ärzt:innen die Kombination aus α-Sympathomimetikum und Antibiotikum im Rahmen einer Sinusitis oder chronischen Sinusitis. Die Bestimmung eines bakteriellen Befalls sollte vor dem Einsatz dieser Rezeptur auf jeden Fall erfolgen. Gegebenenfalls sollte eine orale antibiotische Therapie bevorzugt werden.

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