Obsolete Rezeptursubstanzen: Chloramphenicol, Steinkohlenteer und Bufexamac

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Berlin - Einst Mittel der Wahl, heute aufgrund des ungünstigen Nebenwirkungsprofils bedenklich: Die Anwendung des Antibiotikums Chloramphenicol gilt als überholt. Einzelne Inhaltsstoffe von Steinkohlenteer stehen im Verdacht krebserregend zu sein, darunter Naphthalin und Phenole. Der antientzündliche Wirkstoff Bufexamac wurde aufgrund von schweren allergischen Kontaktekzemen verboten. 2010 hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) alle Zulassungen mit sofortiger Wirkung widerrufen, auch als Rezeptursubstanz ist der Arzneistoff nicht mehr verkehrsfähig.

Chloramphenicol

Chloramphenicol ist ein Breitbandantibiotikum und wirkt gegen grampositive und gramnegative Erreger. Aufgrund seines ungünstigen Nebenwirkungsprofils wird es heute nur noch angewendet, wenn andere Optionen versagen. Bereits 1985 wurde von der topischen Anwendung abgeraten. Bis heute wird der Wirkstoff von einigen Dermatologen nach wie vor verschrieben. Er findet Verwendung in Ohrentropfen, Augentropfen und -salben und Cremes.

Im NRF exsistiert nur noch eine Rezepturvorschrift mit Chloramphenicol: NRF 15.10. Chloramphenicol-Augentropfen 0,25 Prozent/ 0,5 Prozent. Die Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker und die Kommission NRF haben die Erarbeitung von Rezepturvorschriften mit dem Reserveantibiotikum abgelehnt. Sie kritisieren die Anwendung über den seltenen Einzelfall hinaus. Insofern in der Apotheke eine Verordnung über eine Chloramphenicol-haltige rezeptur vorgelegt wird, sollte Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden – häufig stehen Therapiealternativen zu Verfügung.

Chloramphenicol wurde früher oft als Aknetherapeutikum verschrieben. Topische Antibiotika haben eine anti-inflammatorische Wirkung und eliminieren bestimmte Bakterien aus den Komedonen. Als Alternative zu Chloramphenicol kann Erythromycin dienen, das NRF liefert verschiedene Rezepturvorschriften, darunter Lösungen, Gele und Cremes. Eine Langzeitanwendung von Antibiotika sollte im Rahmen der Aknebehandlung nicht erfolgen. Neben der Schädigung der körpereigenen Hautflora wurden Resistenzbildungen beschrieben.

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