In-vitro-Fertilisation

Lactobacillen steigern Erfolgsquote

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Berlin -

Für etwa 15 bis 20 Prozent der deutschen Paare bleibt der Kinderwunsch unerfüllt. In vielen Fällen kommt dann die In-vitro-Fertilisation (IVF) zum Einsatz. Dass die Vaginalflora Einfluss auf den Erfolg der Reproduktionstechnik nehmen kann, konnte eine Studie zeigen.

Der dänische Mediziner Thor Haahr hat den Zusammenhang zwischen einer abnormalen bakteriellen Vaginalflora und schlechten Reproduktionsergebnissen untersucht. Veröffentlicht wurde die Studie im National Center of Biotechnology Information (NCBI).

Die Forscher untersuchten 130 unfruchtbare Frauen, die zwischen April und Dezember 2014 in zwei unterschiedlichen dänischen Kliniken vorstellig wurden. Im Vorfeld wurde das vaginale Mikrobiom per quantiativer Echtzeit-Polymerase-Kettenreaktion (qPCR) untersucht. Eine intakte Flora ist durch Lactobacillen gekennzeichnet, im Falle einer Störung ist eine erhöhte Anzahl an anaeroben Bakterien wie Gardnerella vaginalis oder Atopobium vaginae nachweisbar.

Eine Störung im vaginalen Mikrobiom konnte für etwa 28 Prozent der Frauen festgestellt werden. 84 Frauen unterzogen sich einer künstlichen Befruchtung. Während von den Frauen mit Normalbefund 35 Prozent schwanger wurden, waren es in der Gruppe der Frauen mit gestörter Flora nur 9 Prozent.

Somit konnten die Forscher belegen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Erfolg einer IVF und der Scheidenflora besteht. Weitere Studien seien jedoch notwendig, um feste Schlussfolgerungen treffen zu können, so die Wissenschaftler.

Wird im Vorfeld einer künstlichen Befruchtung per qPCR die Vaginalflora überprüft, können im Falle eines Ungleichgewichtes entsprechende Vorbehandlungen durchgeführt werden. Diese könnten dann den Erfolg der Reproduktionstechnik erhöhen. Im Handel sind verschiedene Präparate, die die Flora aufbauen können, darunter Vaginalzäpfchen und Kapseln.

Milchsäure kommt zum Einsatz, wenn noch genügend Milchsäurebakterien vorhanden sind und die Vaginalflora durch Ansäuerung unterstützt werden soll. Milchsäurebakterien hingegen werden verwendet, wenn die Scheidenflora gestört ist und wieder aufgebaut werden soll. Zu dieser Gruppe gehören auch Döderlein-Bakterien. Diese gram-positiven Stäbchen sind natürlicher Bestandteil der Vaginalflora.

Für eine IVF werden der Frau befruchtungsfähige Eizellen entnommen und in einem Glasschälchen mit den Samenzellen des Mannes zusammengebracht. Bis zu drei befruchtete Eizellen werden nach 24 bis 48 Stunden in die Gebärmutter eingesetzt. Die Erfolgsrate liegt für den ersten Versuch bei 20 bis 25 Prozent. Die Erfolgsquote steigt auf 70 Prozent für den dritten Versuch.

In Deutschland nutzt man bislang das Follitropin Alpha (Gonal-F) und Follitropin Beta (Puregon) für die IVF. Sie sind als Pen auf dem Markt und werden gentechnologisch hergestellt. Frauen spritzen die Lösung zur Follikelstimulation während der IVF, um einen FSH-Mangel auszugleichen, oder in Kombination mit Lutropin Alpha, um einen Eisprung zu forcieren. Der Wirkstoff findet bei Männern zur Anregung der Spermatogenese Anwendung. Ferring hat seit diesem Jahr mit Rekovelle ein Folliotropin delta-Präparat auf dem Markt.

Seit 2003 übernehmen die Krankenkassen 50 Prozent der Kosten für Medikation und Behandlung. Vorausgesetzt das Paar ist verheiratet und älter als 25 Jahre, jedoch darf der Mann nicht älter als 50 und die Frau nicht älter als 40 Jahre sein. In Deutschland sind bereits 100.000 Neugeborene durch künstliche Befruchtung entstanden. Die IVF profitiert von der Stimulation der Entwicklung vieler reifer Follikel. Patientinnen beschreiben Nebenwirkungen wie Kopfschmerz, Müdigkeit, Schwindel, Beckenschmerzen und ein ovarielles Hyperstimulierungssyndrom (OHSS).

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