„Es war keine leichte Entscheidung“

Generationswechsel: Erst PTA, jetzt Leiterin von drei Apotheken

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Berlin -

Die Pharmazie hat Miriam Tripp schon lange begleitet, denn ihr Vater Claus Pfeiffer war Inhaber von drei Apotheken in Dormagen. Trotzdem hat sich Tripp erst spät dazu entschieden, nach ihrer PTA-Ausbildung das Pharmaziestudium anzutreten und schließlich die Apotheken ihres Vaters zu übernehmen. Am 1. April war es nun soweit – „es war keine leichte Entscheidung“, gibt sie zu.

Bei vielen Generationswechseln ist schon früh klar, dass die Kinder einmal in die Fußstapfen treten und den elterlichen Betrieb irgendwann übernehmen. Bei Tripp war es jedoch anders: Erst im letzten Jahr hat sie ihr Studium mit Staatsexamen abgeschlossen, zuvor stand sie der Kundschaft mit Rat und Tat als PTA zur Seite. „Mir war lange Zeit nicht klar, dass ich die Apotheken irgendwann übernehmen möchte“, meint sie. Doch während ihrer Tätigkeit als PTA wurde ihr klar: „Da kann noch mehr sein!“

Pfeiffer freut sich über den Werdegang seiner Tochter. „Natürlich sehen Eltern immer gern, wenn ihre Kinder in die Fußstapfen treten – das sah bei uns lange Zeit jedoch nicht so aus“, lacht er. „Wir wollten sie zu nichts drängen.“ Der ausschlaggebende Input kam dann durch eine befreundete Apothekerin, die Tripp zum Studium motivierte. „Außenstehende haben dann manchmal doch mehr Einfluss als die eigenen Eltern“, meint Pfeiffer.

Erster Notdienst mit neun Jahren

„Es war keine leichte Entscheidung“, gibt Tripp zu. Dennoch ist sie mittlerweile froh, den Schritt gewagt zu haben und nun die Sonnen-, Pfeiffer- und Augustinus-Apotheke ihres Vaters leiten zu dürfen. „Die drei Apotheken sind wirklich sehr vielfältig – ich kann mich hier ausleben und den Arbeitsplatz selbst gestalten“, schwärmt sie. Bereits im Studium hat sie im elterlichen Betrieb ausgeholfen. Die „Karriere“ begann jedoch viel früher: „Mit 14 habe ich mit dem Fahrrad den Botendienst gemacht, mit 18 dann mit dem Auto. Meinen ersten Notdienst habe ich mit neun Jahren erlebt.“

Die drei Apotheken kamen nach und nach „in die Familie“: 1990 übernahm Pfeiffer die Sonnen-Apotheke. 2006 folgte die Pfeiffer-Apotheke, welche sich in einem Ärztehaus befindet. Erst seit vergangenem Jahr gehört auch die Augustinus-Apotheke dazu, welche ebenfalls an ein Ärztehaus grenzt. In Zukunft will sich Tripp an der Philosophie ihres Vaters orientieren: „Mir wurde schon damals beigebracht, dass neben dem fachlichen Wissen das Wichtigste die menschliche Zuwendung ist.“

Die junge Apothekerin möchte in naher Zukunft noch einiges verändern. „Die Zeit ist grade sehr schnelllebig und es gibt immer neue Herausforderungen.“ Schon bald sollen die Apotheken über einen Online-Shop verfügen, um auch jüngere Generationen abzuholen. Seit ein paar Wochen betreibt sie außerdem zwei Testzentren. Noch will sich ihr Vater jedoch nicht komplett aus der Apothekenwelt zurückziehen. „Ich freue mich, die gemeinsame Zeit in der Apotheke zu genießen – allerdings in reduzierter Form.“

Apotheken haben sich in der Pandemie behauptet

Obwohl die Pandemie viele Apotheken vor Herausforderungen stellt, sieht Pfeiffer die positiven Aspekte: „Viele haben meine Tochter gefragt, warum sie das alles macht. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass Apotheken eine Zukunft haben.“ Man habe in den letzten Monaten festgestellt, welche Aufgaben Apotheken übernehmen und meistern können – und dass sie ein zuverlässiger Partner der Politik sein können. „Das sollten Apotheken aufgreifen und nutzen“, findet er.

 

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