Fresh-up: Herzmuskelentzündung

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Berlin - Seit den Meldungen über mögliche Herzmuskelentzündungen nach der Impfung von Biontech/Pfizer suchen viele Menschen nach Orientierung, auch in der Apotheke: Welche Symptome können auftreten? Kann eine Myokarditis durch Impfungen ausgelöst werden? Und wie gefährlich ist sie? Ein Überblick.

Grundsätzlich kann eine Herzmuskelentzündung akut oder chronisch verlaufen. Über die aktuellen Fälle, die eventuell mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer zusammenhängen, ist bislang wenig bekannt. Derzeit werden die Fälle vom israelischen Gesundheitsministerium untersucht. Demnach sind die Fälle vor allem bei jungen Männern nach der zweiten Impfdosis aufgetreten. Biontech und Pfizer erklärten bereits, man habe bei regelmäßigen Überprüfungen von Nebenwirkungen keine höhere Myokarditis-Rate beobachtet, als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten wäre.

Die Bewertung eines kausalen Zusammenhangs dürfte schwierig sein: Denn genaue Zahlen zur Myokarditis gibt es nicht, da sie häufig nicht bemerkt wird und ohne große Symptome oder Komplikationen abläuft. Die Dunkelziffer ist daher sehr hoch. Oft wird sie nur diagnostiziert, weil bereits Vorerkrankungen des Herzens bestehen. Grundsätzlich kann eine Myokarditis in jedem Alter auftreten.

Bei einer Herzmuskelentzündung kommt es, wie der Name sagt, zu einer Entzündung der Herzmuskelzellen. Sie ist klar abzugrenzen von einer Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut und der Herzklappen) und einer Perikarditis (Entzündung des Herzbeutels). Besonders häufig werden Herzmuskelentzündungen durch Viren oder Bakterien ausgelöst, es kommen aber auch Parasiten und Pilze in Frage. Zu den nichtinfektiösen Auslösern zählen zudem verschiedene System- und Autoimmunerkrankungen wie rheumatische Krankheitsbilder oder Gefäßerkrankungen. Außerdem zählen Alkohol- und Drogenmissbrauch, toxische Medikamente oder auch die koronare Herzkrankheit (KHK) zu den Ursachen.

Impfung als Auslöser – ist das möglich?

Die nun in Israel aufgetretenen Fälle könnten nach ersten Einschätzungen mit der Verabreichung des Corona-Vakzins von Biontech/Pfizer zusammenhängen. Impfungen gelten allgemein jedoch nicht als Auslöser einer Myokarditis. Denkbar wäre am ehesten eine Immunreaktion – ähnlich wie bei den aufgetretenen Nebenwirkungen der Vektor-Impfstoffe. Diese könnte dazu führen, dass die Herzmuskelzellen angegriffen werden und eine Entzündung entsteht. Auch bei den aufgetretenen Thrombosen bei AstraZeneca und J&J scheint nach bisherigen Erkenntnissen eine Reaktion des Immunsystems zugrunde zu liegen: Als möglicher Pathomechanismus wird derzeit eine „vakzineinduzierte prothrombotische Immunthrombozytopenie“ (VIPIT) vermutet: Dabei werden durch die Impfung immunvermittelt Antikörper gegen Thrombozytenantigene gebildet.

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