„Dafür wollen Sie frei haben?“

Geht den Chef die Freizeit etwas an? APOTHEKE ADHOC, 19.07.2018 08:52 Uhr

Berlin - Urlaubszeit ist die schönste Zeit des Jahres. Jeder erholt und entspannt sich anders. Da stellt sich die Frage, ob der Chef nach dem Urlaubsziel oder dem Grund für einen freien Tag fragen darf. Weil dem Apothekeninhaber die Begründung einer PTA nicht passte, sollte der freie Tag nicht gewährt werden. Die Betroffene berichtet.

Michelle* arbeitet in einer größeren Apotheke. Die PTA möchte gerne Urlaub nehmen, um am Wochenende mit ihren Freunden auf ein Festival zu gehen. Doch der Chef hat Einwände: Ein Urlaub sei schließlich dazu da, sich zu erholen und nicht um feiern zu gehen. Außerdem hat ihre Kollegin Kim* sich eingereiht und möchte über das Wochenende mit ihrer Familie ans Meer fahren. Ihr wird der freie Tag gewährt.

Michelle fühlt sich ungerecht behandelt – geht es den Chef etwas an, wofür man seinen Urlaub verplant, oder was man in seiner Freizeit unternimmt? Und darf er deshalb den Urlaubsantrag ablehnen? Ganz unrecht hat der Chef nicht: Im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) heißt es wörtlich: „Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub.“ Der Urlaub ist also tatsächlich dazu gedacht, sich zu erholen. Allerdings will der Gesetzgeber damit vor allem ausschließen, dass der Arbeitnehmer an seinen freien Tagen einer anderen Beschäftigung nachgeht.

Generell gilt laut Artikel 2 Grundgesetz die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Das bedeutet auch, man darf seine Freizeit gestalten, wie man möchte. Selbst gefährliche Hobbys, die eine hohe Verletzungsgefahr mit sich bringen und so zu einem längeren krankheitsbedingten Ausfall für den Arbeitgeber führen könnten, darf er nicht pauschal verbieten. Allerdings kann der Arbeitgeber nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) den Anspruch auf Lohnfortzahlung verlieren, wenn eine Verletzung selbstverschuldet eintritt. Dazu zählt, wenn der Angestellte leichtsinnig gegen die Regeln seiner Sportart verstößt oder sich selbst massiv überschätzt, beispielsweise vollkommen ungeübt eine Klettertour veranstaltet. Risikosportarten können zudem im Arbeitsvertrag ausgeschlossen werden.

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