Im kommenden Jahr soll es bei dm neben Angeboten zur Früherkennung von Haut- und Augenerkrankungen sowie zur Blutwertanalyse auch Messungen von Herz-Kreislauf-Parametern in den Märkten geben. Der Berufsverband der niedergelassenen Kardiologen (BNK) warnte bereits vor der Einführung. Auch auf dem Deutschen Ärztetag (DÄT) habe man sich klar gegen solche Angebote positioniert. „Das sagen nun gerade die Richtigen“, kritisiert Michael Janßen, Vorstand im Verein Demokratischer Ärzt:innen (vdää).
„Seit den 1990er Jahren werden Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) von den Praxen als vermeintlich nützliche Leistungen beworben und den Patient:innen nicht selten im Wartezimmer als ‚Menükarte‘ angeboten oder aufgedrängt – eben auch unstrukturiert und nicht im fachlichen Zusammenhang, sondern einfach, um zusätzlich Geld zu verdienen“, so Janßen.
Dabei handele es sich bei den allermeisten IGeL um Leistungen, die nach den Regeln der wissenschaftlichen Medizin als mindestens zweifelhaft, nicht selten auch als schädlich gelten würden. Das sei auch der Grund, weshalb sie nicht in den Leistungskatalog der GKV aufgenommen werden. Gleichwohl habe die verfasste deutsche Ärzteschaft im Rahmen von Budgetierungen immer wieder zum „IGeLn“ animiert und etliche Ratgeber herausgegeben. „Ärzt:innen verkaufen aus kommerziellem Interesse medizinisch nicht notwendige Leistungen ohne hinreichende Indikationsstellung. Genau so ist es bei dm und wird von der Ärzt:innenschaft kritisiert, weil es die Konkurrenz anbietet“, so der vdää.
„IGeL gehören verboten – egal, wer sie anbietet“, so Michael Janßen. „Die Äußerungen des BNK und des DÄT sind bigott. Unter den anstehenden Honorarkürzungen in den Praxen durch das Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist zudem zu erwarten, dass IGeL-Angebote eher zunehmen als zurückgenommen werden.“
Wenn man die Medizin so kommerzialisiere, wie das die niedergelassenen Ärzt:innen und ihre Standesorganisationen zusammen mit den jeweiligen Regierungen in den letzten Jahrzehnten gemacht hätten, dürfe man sich nicht wundern, wenn auch andere kommerzielle Akteure auch in den Markt gehen wollten.
„Abhilfe schafft hier nicht verlogene Kritik, die angeblich um die Patient:innen besorgt ist, sondern einzig die Entkommerzialisierung der ambulanten Medizin, wie sie in einem Nonprofit-Primärversorgungssystem mit angestellten Beschäftigten gewährleistet werden könnte und eine bedarfsgerechte Versorgung ermöglichen würde“, so der vdää.
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