Streik am 23. März

Protest: Hier schließen alle Apotheken im Ort

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Berlin -

Am 23. März sollen sich an den vier Protestveranstaltungen in Deutschland die Apothekenteams geschlossen beteiligen. In bayerischen Vilsbiburg und im nordrhein-westfälischen Dorsten nimmt man den Aufruf ernst: In beiden Städten schließen alle Apotheken ohne Ausnahme.

Im niederbayerischen Landkreis Landshut ist man sich zumindest in der Stadt Vilsbiburg einig. „Am 23. März bleiben alle vier Apotheken geschlossen“, bestätigt Apothekeninhaber Mathias Schwinghammer. Seine Löwen-Apotheke sowie die St.Josef-Apotheke, die Lothar-Mayer‘sche Apotheke und die Marien-Apotheke machen am übernächsten Montag dicht. „Wir haben uns alle abgesprochen“, so Schwinghammer.

Wichtig sei die Geschlossenheit der Apotheken. „Denn nur so können wir ein starkes Signal setzen“, betont er. Schwinghammer wird selbst auch nach München zur großen Kundgebung fahren. „Uns steht das Wasser bis zum Hals. Die langausstehende Honorarerhöhung wurde uns versprochen, das muss jetzt endlich eingehalten werden“, macht er klar. Man habe die prekäre Situation der Apotheken lange genug ertragen, so Schwinghammer.

Geschlossenheit in Dorsten

Auch im nordrhein-westfälischen Dorsten herrscht Einigkeit in Sachen Apothekenprotesttag. „Wir stehen alle geschlossen dahinter – und das ist wirklich ein gutes Gefühl“, berichtet Judith Pollmann, Inhaberin der Apotheke im Viertel. Sie hatte am Dienstagabend alle Kolleg:innen in ihre Apotheke zur Beratschlagung eingeladen.

Alternativ zur Abda-Kampagne haben sich die Apotheken in Dorsten für eigene Plakate entschieden, „die etwas freundlicher aussehen“, berichtet Pollmann. Das Konzept sei bei allen Inhaberinnen und Inhabern gut angekommen. „Wir haben uns auch eindeutig dagegen entschieden, auch nicht über die Notdienstklappe zu bedienen, sondern wirklich zuzumachen und alle Apotheken gleichmäßig mit den Plakaten am Protesttag zu bestücken.“ Notdienst hat in Dorsten am Protesttag niemand.

Eine rasche Einigung sei auch deshalb notwendig gewesen, um die Bevölkerung schnellstmöglichst über den bevorstehenden Protesttag zu informieren. „Wir haben jetzt die ganze nächste Woche Zeit. Ab morgen legen wir außerdem Flyer aus.“

Im Ort habe man untereinander ein gutes kollegiales Verhältnis. „Es werden bestimmt noch andere Krisen auf uns zukommen, in denen wir zusammenstehen müssen. Warum also immer gegeneinander?“, fragt sich Pollmann. „Wir haben alle unsere Kundschaft und wollen alle unsere Apotheken voranbringen.“

Keine Ausreden

Angst vor Einbußen hat Pollmann nicht. „Es hat sich bereits beim letzten Protesttag gezeigt: Wenn wir die Kundschaft im Vorfeld gut informieren – und da kann ich nur an alle Apotheken, die immer noch zögern, appellieren – dann ist das stemmbar.“ Zur Vorbereitung hätten die Apotheken noch eine Woche Zeit. „Am letzten Protesttag kamen die Leute auch einen Tag vorher – und am Tag danach war die Bude gerammelt voll. Einfach, weil die Kundschaft gut informiert war.“

Zwar hole man den Umsatz vom Schließungstag nicht vollständig rein, „aber man verliert ihn auch nicht komplett“. Angst vor Einbußen sollten Kolleg:innen ihrer Meinung nach nicht haben. „Nein, das ist für mich ein vorgeschobener Grund.“

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) steht nach Ansicht Pollmanns für die Apotheken vor Ort ein. „Sie will das Fixum, und nicht alles, aber vieles, was in der Apothekenreform steht, ist auch schon gut.“

Pollmann führt noch zwei weitere Apotheken; eine in Herne und eine weitere in Recklinghausen. Auch hier plädiere sie für Geschlossenheit. „In Herne schließe ich zu 100 Prozent, in Recklinghausen wahrscheinlich auch, ich gehe noch in weitere Gespräche mit den Kollegen vor Ort. Ich gebe nicht auf.“

Karlsruhe beteiligt sich

In Karlsruhe wollen sich am Protesttag etwa 50 Apotheken beteiligen und schließen. Die Motivation ist auch nach der eigentlichen Untersagung noch da: Die Landesapothekerkammer hatte unterrichtet, dass die Schließungen laut Sozialministerium nicht berechtigt sind. Zunächst gab es Sorge, dass nun viele Inhaber:innen von einer Protestbeteiligung absehen würden. „Dem ist nicht so, fast alle von den 61 in Karlsruhe ansässigen Apotheken beteiligen sich“, so ein Inhaber der aufgrund der rechtlich wackeligen Situation lieber anonym bleiben möchte.

Er habe sich mit seinen Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht: „Wir wissen alle, wie kompliziert eine solche ganztägige Schließung für jeden ist. Aber man sollte geschlossen Solidarität zeigen“, erklärt er. „Wer nicht zu den Kundgebungen gehen kann, der sollte vor seiner Apotheke mit Informationsständen, Flyern und Plakaten Aufmerksamkeit erregen und seine Kollegen unterstützen.“

Die Apotheken gebe es schließlich nicht zum Nulltarif. „Man muss allen klarmachen, dass geschlossene Apotheken die Zukunft sind, wenn uns die Politik weiter verhungern lässt. Ohne die Honoraranpassung ist ein Weiterbestehen nicht möglich.“

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