Abgrenzung zum Versandhandel

Philippi: Apotheken light verhindern!

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Berlin -

So ganz einig sind sich die Gesundheitsminister der Länder und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) doch nicht, wenn es um die inhabergeführte Apotheke geht. Zwar soll diese erhalten bleiben, aber bei der Ausgestaltung der Rahmenbedingungen weichen die Vorstellungen voneinander ab. Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi (SPD) spricht sich klar gegen Apotheken ohne Approbierte aus und fordert eine Dynamisierung des Honorars.

Die inhabergeführte Apotheke muss aus Sicht der Gesundheitsminister der Länder gestärkt werden. Und zwar schnell. Denn: Viele Apotheken stehen unter wirtschaftlichem Druck. Die Gründe sind verschieden – steigende Betriebskosten, Inflation und vor allem Abgabepreise auf gleichbleibendem geringem Niveau. Die Minister sehen die Versorgungsstruktur mit Arzneimitteln und kompetenter Gesundheitsberatung in Gefahr.

„Insbesondere für ländlich geprägte Regionen muss eine stabile Apothekenlandschaft gefördert werden“, appelliert Philippi und sendet eine klare Botschaft an Lauterbach. „Von Apotheken light, die die Versorgung ohne approbierte Apothekerinnen und Apotheker übernehmen, soll die Bundesregierung hingegen Abstand nehmen.“

Honoraranpassung muss sein

„Es ist ganz richtig, dass Bundesgesundheitsminister Lauterbach die Rahmenbedingungen für Apotheken verbessern möchte“, so Niedersachsens Gesundheitsminister. „Insbesondere die Anpassung des Apothekenhonorars begrüßen wir, fordern aber auch eine zügige Umsetzung. Zudem müssen die gesetzlich vorgegebenen Abgabepreise für Arzneimittel rückwirkend nach oben angepasst werden. Eine Dynamisierung der Vergütung mit Blick auf die Inflation muss – wie in anderen Bereichen auch – automatisch erfolgen.“ Hier sei der Bund in der Pflicht.

Der Referentenentwurf zur Apothekenreform sieht eine Umverteilung beim Honorar vor. Vorgesehen ist eine stufenweise Absenkung des prozentualen Anteils der Apothekenvergütung von 3 Prozent auf 2 Prozent und eine gleichzeitige Erhöhung des Fixums. Ab 2025 soll der prozentuale Anteil der Apothekenvergütung auf 2,5 Prozent angepasst und das Fixum von 8,35 Euro auf 8,66 Euro angehoben werden. 2026 folgt eine Anpassung auf 2 Prozent und eine weitere Erhöhung des Fixums auf 9 Euro. „Die durch die Anpassungen freigewordenen finanziellen Mittel werden 1:1 für eine entsprechende Erhöhung des Fixums verwendet.“

Keine Apotheke ohne Apotheker

„Wir warnen aber dringend davor, das System der inhabergeführten Apotheke auszuhöhlen“, so Philippi. „Apotheken ohne Apothekerinnen und Apotheker können ihren Versorgungsauftrag nicht angemessen erfüllen. Filialapotheken ohne apothekerliche Aufsicht lehnen wir daher ab.“ Der Grund: „Der Mehrwert zu einer Online-Apotheke wäre damit für die Kundinnen und Kunden nicht mehr erkennbar. Die Bürgerinnen und Bürger gehen in ihre Apotheke vor Ort, weil hier menschennahe und kompetente Beratung stattfindet.“ Philippi: „Diese Stärke müssen wir stärken, auch um den Beruf der Apothekerin und des Apothekers attraktiv zu halten.“

„Wir brauchen ein klares Bekenntnis zur inhabergeführten Apotheke, Bürokratieabbau und finanzielle Entlastung durch einen rückwirkenden Inflationsausgleich im Apothekenhonorar, sowie eine gesetzlich verankerte Dynamisierung. Unsere nachdrückliche Bitte an den Bund lautet, diesen Weg gemeinsam mit den Ländern zu gehen.“

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