Notfallkontrazeptiva

PiDaNa interessiert ABDA nicht

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Berlin -

Im Gesundheitsausschuss des Bundestages wird heute diskutiert, ob es Notfallkontrazeptiva künftig ohne Rezept geben sollte. Eigentlich ein Thema, das die Apotheker interessieren sollte. Anders als alle anderen großen Fachverbände aus dem Gesundheitswesen hat die ABDA jedoch keine schriftliche Stellungnahme zu den entsprechenden Anträgen eingereicht. „Das Thema eignet sich nicht für Verbandspolitik“, erklärt Dr. Andreas Kiefer, der neue Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK). Auch aus finanzieller Sicht sei ein OTC-Switch für die Apotheker ohne Auswirkungen.

Konkret geht es im Gesundheitsausschuss heute um zwei ähnlich lautende Anträge der SPD und der Linken. Die SPD verweist auf andere Länder, in denen die „Pille danach“ rezeptfrei erhältlich ist. Unter anderem hatten sich der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zu dem Vorhaben geäußert. Die ABDA wird bei der Sitzung zwar teilnehmen, falls Fragen gestellt werden. Eine schriftliche Stellungnahme habe man jedoch nicht eingereicht.

„Aus unserer Sicht besteht zu einer Stellungnahme auch kein Anlass: Es ist schon heute laut Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) unsere Pflicht, umfassend zu beraten“, erklärt Kiefer. Wenn der Gesetzgeber für dieses Medikament die Verschreibungspflicht aufhebe, würden die Apotheker auch in Zukunft ihren Job machen.

Im Raum stehen auch Vorschläge, denen zufolge Notfallkontrazeptiva zwar von der Rezeptpflicht befreit werden, für Apotheker aber eine besondere Beratungspflicht eingeführt werden soll. Kiefer ist aber dagegen: „In Deutschland ist das Risiko nicht größer als in anderen Ländern weltweit. Erweiterte Dokumentationspflichten über die Beratung und Abgabe in Apotheken halte ich für unnötig.“ Allerdings würden die Apotheker sich auch daran halten, wenn der Gesetzgeber eine solche Regelung einführe. Zusatzkosten müssten aber vergütet werden.

Auch aus finanzieller Sicht sei eine Stellungnahme der ABDA nicht nötig gewesen, so Kiefer. „Das Thema hat absolut keinen finanziellen Aspekt für die Apotheker. Ein OTC-Switch ändert nicht das Sexualverhalten der Menschen und somit auch nicht die Nachfrage nach Notfallkontrazeptiva.“

Dass die ABDA zu dem Thema schweigt, überrascht. Schließlich hatte Fritz Becker, Chef des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), dafür geworben, für die „Pille danach“ eine neue, gesonderte Arzneimittelkategorie einzuführen. Demnach sollten die Präparate in den OTC-Bereich überführt werden, aber nicht beworben werden dürfen.

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