Nacht- und Notdienstfonds

Apotheker müssen Geld verbrennen

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Berlin -

Rund 112 Millionen Euro hat der Nacht- und Notdienstfonds (NNF) für das Jahr 2014 an die Apotheken ausgeschüttet. Die Apotheker kämpfen politisch noch für eine Erhöhung des Zuschusses. Doch es könnte auch heute schon mehr sein, müsste der NNF das Geld nicht per Gesetz zu ungünstigen Konditionen parken. Teilweise zahlen die Apotheker sogar Negativzinsen.

In den Fonds fließen monatlich im Durchschnitt 9,5 Millionen Euro. Die konkrete Höhe des Betrags hängt davon ab, wie viele verschreibungspflichtige Arzneimittel in den Apotheken abgegeben wurden. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 713 Millionen Packungen. Die Rechenzentren übernehmen die Abwicklung für die GKV, für Privatrezepte müssen die Apotheker die Packungszahl selbst melden.

Um den Aufwand bei der Ausschüttung gering zu halten, wird die Notdienstpauschale quartalsweise berechnet und ausgezahlt. Daher liegt das Geld vorübergehend beim NNF. Laut dem Apothekennotdienstsicherstellungsgesetz (ANSG) muss der Deutsche Apothekerverband (DAV) den Fonds getrennt von seinem sonstigen Vermögen verwalten.

Der Gesetzgeber hat allerdings genaue Vorgaben gemacht: „Die Finanzmittel sind bei der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH anzulegen“, heißt es im ANSG. Die Finanzagentur mit Sitz in Frankfurt übernimmt für den Staat die Aufgabe des Kredit- und Schuldenmanagements. Zwischen 2006 und 2012 gab es auch ein Privatkundengeschäft.

In der Beratung zum ANSG hatte dem Vernehmen nach das Bundesfinanzministerium (BMF) darauf gedrängt, das Geld der Apotheker möglichst sicher anzulegen. Die Zinsen sind entsprechend äußerst gering, je nach Kurs muss der NNF sogar Verluste verbuchen. „Es ist ärgerlich, dass wir hin und wieder minimale Negativzinsen hinnehmen müssen, aber nicht zu ändern“, so Rainer Gurski, Geschäftsführer des NNF. Es stehe eben im Gesetz, wo der NNF das Geld der Apotheker anlegen müsse.

Laut ANSG muss der Fonds „zur Sicherstellung seiner Zahlungsfähigkeit im jeweils laufenden Quartal Betriebsmittel in angemessener Höhe“ vorhalten. Diese sind aus Einnahmen des Fonds zu bilden sind. Im vergangenen Jahr wurden schätzungsweise 350.000 Euro zurückgelegt, im Startjahr 2013 flossen laut Geschäftsbericht zum Aufbau 553.000 Euro in die Risikorücklage und 327.000 Euro in die Betriebsmittelrücklage.

Dazu kommen die laufenden Beträge aus der Notdienstvergütung. Insgesamt flossen im vergangenen Jahr 114 Millionen Euro in den NNF. Abzüglich der Verwaltungskosten von knapp zwei Millionen Euro wurde die Summe quartalsweise an die Apotheken ausgeschüttet. Die Höhe der Notdienstpauschale hängt dabei von der Packungszahl und den insgesamt geleisteten Notdiensten ab. Sie lag im vergangenen Jahr durchschnittlich bei 266 Euro pro Volldienst.

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