Mecklenburg-Vorpommern

Kammer lädt zum Wahlkampf-Casting

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Berlin -

Die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September werden die politische Landschaft ähnlich durcheinander wirbeln wie im Frühjahr Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz: Der regierenden SPD droht im ostdeutschen Flächenland ein Desaster. In aktuellen Umfragen stürzt Ministerpräsident Erwin Sellering von 35 Prozent auf 22 Prozent ab und liegt damit nur noch knapp vor der AfD mit 19 Prozent. Die Regierungsbildung wird schwierig. Für morgen hat die Apothekerkammer die Spitzenkandidaten fast aller Parteien zum Wahlkampf-Casting in die Kammerversammlung geladen. Nur die NPD war nicht geladen.

Die aktuellste Umfrage von Infratest Dimap sieht angesichts des tiefen Falls der SPD keine Chance für die Fortsetzung der Großen Koalition. Mit 25 Prozent könnte die CDU in Angela Merkels Heimat wieder stärkste Kraft werden. Doch zum Regieren fehlt der Koalitionspartner. Die AfD kommt laut Umfrage auf 19 Prozent, Die Linke kann 17 Prozent erreichen, Grüne und FDP liegen abgeschlagen bei 7 beziehungsweise 3 Prozent. In Frage käme also ein Dreier-Bündnis aus CDU, SPD und Grünen.

Morgen befasst sich auch die Delegiertenversammlung der Apothekerkammer mit der Landtagswahl. Von den eingeladenen Spitzenkandidaten haben nur Cécile Bonnet-Weidhofer von der FDP und Helmut Holter von der Linkspartei zugesagt. Sellering und CDU-Spitzenmann Lorenz Caffier ließen sich entschuldigen. Die Grünen haben sich gar nicht zurückgemeldet.

Zur Vorbereitung hat die Kammer an die Parteien fünf „Wahlprüfsteine“ geschickt. Sie sollen darlegen, wie die von der Bundesregierung zugewiesene „nachgeordnete Rolle“ der Apotheker beim Medikationsplan im E-Health-Gesetz sehen. Selbstverständlich will die Kammer erfahren, wie die Landespolitik über die Honorarfrage denkt und ob es angebracht wäre, die wirtschaftliche Lage der Apotheken zu verbessern.

Außerdem fragt Kammerpräsident Georg Engel nach den Maßnahmen zur Sicherung der Arzneimittelversorgung in Mecklenburg-Vorpommern. Und gibt es Pläne für „alternative Versorgungsformen“? Es ist noch nicht so lange her, dass der Apothekenbus auch im Nordosten für Aufregung sorgte.

Bei der PTA-Ausbildung läuft auch in Mecklenburg-Vorpommern nicht alles rund. Daher will Engel erfahren, wie die Parteien gegen den Personalmangel an der staatlichen PTA-Schule in Schwerin unternehmen wollen. Probleme gibt es auch beim Institut für Pharmazie an der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald. Hier studierte von 1984 bis 1989 einst ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. „Welche Möglichkeiten sehen Sie, die sächliche und personelle Ausstattung zu verbessern“, lautet die Frage.

Eingeladen sind die Wahlkämpfer zudem, in der Fritz-Reuter-Apotheke in Schwerin oder der Bären-Apotheke in Hagenow die Abläufe kennenzulernen.

„Die Apothekerinnen und Apotheker sind ein unverzichtbarer Bestandteil bei der Versorgung kranker Menschen mit Arzneimitteln. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens kann deshalb nur mit allen Beteiligten erfolgen“, antwortete FDP-Kandidatin Bonnet-Weidhofer. Nicht erhöhen will die FDP das Apothekenhonorar: Man halte „die Vergütung von rezeptpflichtigen Medikamenten für angemessen, denn diese sichern die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln durch Apotheken“. Damit werde mittelständischen Unternehmen eine „stabile Grundlage und Zukunft gewährleistet“.

Die FDP bekennt sich zur inhabergeführten öffentlichen Apotheke. Sie sei gerade in unserem Flächenland „der Garant für die sichere und fachkundige Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln“. Um ihrem Sicherstellungsauftrag gerecht zu werden, bräuchten insbesondere die Apotheken im ländlichen Raum eine „auskömmliche Finanzierung ihrer Notdienste“.

Einsetzen will sich die FDP für eine kostenfreie PTA–Ausbildung unabhängig von der Trägerschaft. Nachzudenken sei über eine Unterstützung der Auszubildenden bei den Fahrt- und Unterbringungskosten. Um die Attraktivität des Berufes zu erhöhen als auch den bestehenden Fachkräftemangel zu begegnen, müssten überdies die derzeitigen Hürden für Seiten- und Quereinsteiger beseitigt werden. Den Hochschulen will die FDP die „nötige Handlungsfreiheit einräumen, um selbst darüber zu entscheiden, um für das Land so wichtige Studiengänge, wie etwa Pharmazie, auskömmlich mit Personal- und Sachkosten auszustatten“.

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