Monopolkommission

Haucap: Apotheken geht es wirklich gut

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Der Chef der Monopolkommission, Professor Dr. Justus Haucap, bleibt beim Thema Apotheken dran. Zu den Sparplänen der Bundesregierung sagte er gegenüber der „Bild“-Zeitung: „Die Pharmaindustrie wird beschnitten, Ärzten und Kliniken winken Nullrunden - es ist ökonomisch nicht zu erklären, warum die Apotheken ungeschoren davon kommen, höchstens politisch, weil diese Lobby sehr stark ist!“

„Bild“ rechnet vor, dass jede Apotheke pro Filiale jährlich knapp 170.000 Euro Reingewinn erwirtschaftet. Haucap: „Der Branche geht es wirklich gut. Hier müssen wir im Sinne der Verbraucher ansetzen, da muss nachgebessert werden.“

Seine Vorschläge sind dieselben geblieben. Der Gesundheitsökonom ist für eine Lockerung der Apothekenpflicht und die Freigabe des Apothekenhonorars. So sollten nicht beratungsintensive Produkte auch außerhalb von Apotheken vertrieben werden dürfen, fordert Haucap. „Aspirin oder Nikotinpflaster können genau so gut in Drogeriemärkten angeboten werden.“

Haucap wiederholte gegenüber „Bild“ auch seine Forderung, das fixe Apothekenhonorar aufzuheben: „Gibt man diese 8,10 Euro frei, kann jeder Apotheker selber festlegen, wie viel er drauf schlägt und der Kunde kann entscheiden, wo er sein Rezept einlöst.“ Auch diesen Vorschlag hatte Haucap Mitte Juli bei der Präsentation des 18. Hauptgutachtens der Monopolkommission vorgestellt - und den Kassenabschlag vergessen.

„Bild“ wundert sich anschließend über die Preisunterschiede zu Internetapotheken und streut einen Hinweis auf eine Preisvergleichsplattform und niederländische Versandapotheken ein, die sogar Zuzahlung erlassen dürften. Haucap springt mit Blick auf Rezeptgebühr bei, die man aus seiner Sicht ganz abschaffen könnte: „Dafür könnten Apotheken weniger Pharma-Zeitschriften, Taschentücher oder Traubenzucker verschenken. Hätte der Kunde die Wahl, würde er lieber Geld sparen und auf die Givaways verzichten“, so Haucap.

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