Zukunftsmodell „Versorgungsapotheke“

AVWL-Studie: „Community Pharmacies“ sollen die Versorgung retten Tobias Lau, 22.06.2020 15:21 Uhr

Berlin - Eine alternde Bevölkerung trifft auf eine bevorstehende Ausdünnung des Apothekennetzes: Diesen toxischen Mix bescheinigt eine neue Studie des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) der Arzneimittelversorgung in Westfalen-Lippe, die der dortige Apothekerverband (AVWL) in Auftrag gegeben hat. Demnach werden dort bis 2040 rund 500 Apotheker mehr gebraucht, um das jetzige Niveau zu halten – gleichzeitig droht aber ein demografischer Schock, der die jetzige Apothekenzahl in naher Zukunft sinken lassen wird. Das IAT hat neben der verstärkten Ausbildung an den Universitäten vor allem ein Konzept im Blick, um in Zukunft Versorgungsengpässe zu vermeiden: Apotheken neuen Typs, nämlich digitalisierte „Community Pharmacies“ wie es sie beispielsweise in den USA bereits gibt.

„Um es vorwegzunehmen: Es bestehen gute Gründe, sich um die Zukunft der Arzneimittelversorgung in Westfalen-Lippe Sorgen zu machen; und dies gilt insbesondere für viele ländlich geprägte Regionen“, wird die Studie gleich zu Beginn sehr deutlich. Denn das Schlimmste stehe erst noch bevor. Anders als in vielen städtischen Ballungsgebieten werde die Alterung der Bevölkerung und der Apothekerschaft erst in den kommenden Jahren ihren Höhepunkt erreichen „und anders als in vielen Städten kann das Angebot einer möglicherweise wegfallenden Apotheke in dünn besiedelten Regionen nicht wie in großen Städten von der Apotheke um die nächste Ecke aufgefangen werden“, so die Studienautoren Peter Enste, Sebastian Merkel und Josef Hilbert. „Wenn nichts geschieht, drohen in vielen ländlichen Regionen mithin gravierend spürbare Versorgungsengpässe.“

Noch gebe es solche Versorgungsengpässe nicht. Doch die demographische Struktur der Apothekeninhaber lässt die Studienautoren befürchten, dass sie bald Realität werden. Wohlbemerkt: Der Inhaber, nicht der Apotheker an sich. Denn die Zahl der Pharmazeuten ist in Westfalen-Lippe laut Studie gestiegen: Gab es dort 2004 noch 2405 angestellte Apotheker, waren es 2017 bereits 3337, ein Plus von 932. Die Zahl der Apothekeninhaber hingegen sank im selben Zeitraum 1953 auf 1457, ein Minus von 496. Die Zahl der Apotheker steigt, die der Apotheken sinkt. Auch insgesamt wächst die Zahl der in Apotheken Beschäftigten laut Studie kontinuierlich und erheblich: von 11.534 im Jahr 2004 auf 16.469 im Jahr 2017.

Es gibt also fast 50 Prozent mehr Apothekenpersonal in Westfalen-Lippe als noch vor 20 Jahren. Allein in den letzten zehn Jahren sei die Zahl um 36 Prozent gestiegen. Wo ist also das Problem? Es ist die sinkende Zahl der Betriebe und vor allem deren Verteilung. Während sich nämlich wachsende Städte wie Münster oder Dortmund keine Sorgen machen müssen, droht die Versorgung auf dem Land auszudünnen. Denn derzeit ist in Westfalen Lippe fast jeder dritte Apothekeninhaber 60 Jahre oder älter. Gleichzeitig werde in Nordrhein-Westfalen die Zahl der Bürger über 65 Jahren bis 2040 voraussichtlich um 1,25 Millionen zunehmen – das entspricht einem Anstieg von 33 Prozent. Demnach wird eine Apotheke in Westfalen-Lippe bis dahin im Durchschnitt 257 ältere Patienten mehr versorgen müssen.

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