ACAlert zur Europawahl

Apotheker wollen keine Gesundheits-EU

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Berlin -

Wenn am 26. Mai ein neues Europaparlament gewählt wird, geht es für die Apotheker um entscheidende Themen. Denn auch für den Gesundheitsbereich werden heute viele zentralen Fragen in Brüssel und Luxemburg beantwortet – nicht umsonst hat ABDA die Spitzenkandidaten aufgefordert, sich in Fernsehdebatten zur Subsidiarität in der Gesundheitsversorgung zu bekennen. Die Apotheker und ihre Teams sehen das differenziert: Während in puncto Arzneimittelzulassung und Preisbildung auf die Stärke der EU vertraut wird, wünschen sie sich laut einer aktuellen APOSCOPE-Umfrage ein Verbot des grenzüberschreitenden Versandhandels sowie ein EU-weites Rx-Versandverbot. Die Befragung wurde vom Importeur ACA Müller ADAG Pharma in Auftrag gegeben.

Der europäische Binnenmarkt wird in der Umfrage von einer klaren Mehrheit als großer Vorteil eingestuft und fast die Hälfte der Befragten wünscht sich sogar langfristig die Entwicklung eines europäischen Bundesstaates. Die Gesundheitsversorgung sollte heute allerdings ganz Sache der Mitgliedstaaten sein, findet eine deutliche Mehrheit von 81 Prozent.

Eine ebenfalls deutliche Mehrheit von 77 Prozent befürwortet eine ausschließlich EU-weite Zulassung von Arzneimitteln. Und 69 Prozent wünschen sich sogar europaweit gleiche Erstattungspreise für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Wenigstens länderübergreifende Preisverhandlungen sollte es demnach geben. Massive Zustimmung von 93 Prozent gibt es zu der Forderung, die EU solle Maßnahmen treffen, um die Wirkstoff- und/oder Arzneimittelherstellung wieder in Europa anzusiedeln. Dem Handel innerhalb der EU, um Engpässe zu vermeiden und den Preisdruck auf Originalhersteller zu erhöhen, stehen die meisten positiv gegenüber.

An der Befragung nahmen am 10. Mai insgesamt 305 Apotheker und PTA teil, darunter 71 Inhaber, 32 Filialleiter und 100 angestellte Apotheker sowie 102 PTA. Das Panel von APOSCOPE besteht aus mehr als 2000 verifizierten Apothekerinnen, Apothekern und PTA. Hier wurden folgende Thesen zu Europa mit einer gestaffelten Zustimmung abgefragt. Die ausführlichen Ergebnisse finden Sie in den Charts oben in der Bildergalerie.

Thesen zu Europa:

  • Von einem freien Binnenmarkt profitieren wir alle.
  • Die EU soll sich langfristig zu einem europäischen Bundesstaat entwickeln.
  • Die wichtigsten Themen werden heute Brüssel und Luxemburg entschieden.
  • Die Gesundheitsversorgung sollte ganz Sache der Mitgliedstaaten sein.
  • Die Apotheker sollten sich verstärkt über die Landesgrenzen hinaus organisieren, um in Europa ihre Interessen besser vertreten zu können.
  • Die Leistungen der Krankenversicherung sollten allen EU-Bürgern in jedem Mitgliedstaat gewährt werden.
  • Approbationen, die im EU-Ausland erworben wurden, sollten nicht automatisch anerkannt werden. Eine Fachsprachenprüfung reicht nicht aus.
  • Das Fremd- und Mehrbesitzverbot für Apotheken sollte europaweit aufgehoben werden.
  • Europäische Projekte wie Securpharm tragen zu einer größeren Arzneimittelsicherheit auch in Deutschland bei.
  • Arzneimittel sollten immer EU-weit zugelassen werden.
  • Erstattungspreise für verschreibungspflichtige Arzneimittel sollten europaweit gleich sein.
  • Erstattungspreise für verschreibungspflichtige Arzneimittel sollten wenigstens europaweit einheitlich verhandelt werden.
  • Die EU sollte Maßnahmen treffen, um die Wirkstoff- und/oder Arzneimittelherstellung wieder in Europa anzusiedeln.
  • Der Handel mit Arzneimitteln zwischen EU-Staaten sollte erleichtert und gefördert werden, um Engpässe zu vermeiden und den Preisdruck auf die Originalhersteller zu erhöhen.
  • Der grenzüberschreitende Versandhandel mit Arzneimitteln sollte verboten werden.
  • Der Versandhandel mit Rx-Arzneimitteln sollte europaweit verboten werden.
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