Beratungsbedarf wird weiter wachsen

Apobank-Chef warnt vor Apothekenreform

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Berlin -

Mitunter muss eine Botschaft von außen kommen, um deutlich zu werden. Als Vorstandschef der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) hat Matthias Schellenberg eine ebenso pragmatische wie überzeugende Sicht auf die geplante Apothekenreform von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Auch bei der Apobank beobachtet man mit Sorge, dass die Zahl der Apotheken seit Jahren sinkt. Laut Schellenberg müsste es genau andersherum sein: „In einer alternden Gesellschaft wird der Beratungsbedarf weiter steigen. Das wird bei einer weiter sinkenden Zahl der Apotheken aber immer schwieriger aufrechterhalten zu sein“, sagte Schellenberg im Rahmen der Präsentation der Jahreszahlen.

Wichtig sei es daher, dass bei der geplanten Strukturreform darauf geachtet werde, dass eine qualitativ hochwertige Beratung weiter möglich sei. Nachdem 2023 für die Apotheken wegen des höheren Kassenabschlags besonders herausfordernd gewesen sei, habe die Bundesregierung die Forderungen nach einer Anpassung der Apothekenvergütung bislang nicht berücksichtigt. „Die
bekannt gewordenen Liberalisierungspläne sorgten und sorgen zusätzlich für erhebliche Unruhe in der Branche.“

Der Blick auf das Gesundheitswesen sei gegenwärtig insgesamt wenig erfreulich. Durch das hohe Maß an Regulation könnten aktuelle Kostensteigerungen durch Inflation und hohe Energiepreise und insbesondere die Personalkosten nicht weitergegeben werden, wie es sonst in anderen Branchen geschehe. „Hinzukommen Honorarkürzungen, sei es durch die gestrichene Neupatientenregelung, die Erhöhung des Apothekenabschlags oder die Budgetierung zahnärztlicher Leistungen. Fachkräftemangel, Lieferengpässe und eine überbordende Bürokratie erschweren die Arbeit zusätzlich.“

Notruf an die Politik

Dass alle drei Standesvertretungen erneut einen gemeinsamen Notruf an die Gesundheitspolitik abgesetzt haben, sei ein Signal dafür, dass „die hochqualitative Patientenversorgung, für die wir in Deutschland weltweit bekannt sind, unter starken Druck geraten ist.“ Schellenberg fordert, dass dieser Hilferuf in der Politik auch gehört wird.

„Die ambulante Versorgung wirtschaftlich nachhaltig aufzustellen und die Heilberufsprofession für die nachfolgende Generation attraktiv zu gestalten, ist längst kein Selbstläufer mehr. Entsprechend ist nachvollziehbar, dass die Heilberufler für bessere Rahmenbedingungen kämpfen. Die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft immer weiter auseinander. Kurzum: Strukturreformen sind dringender denn je.“

Auf das Geschäft der Apobank selbst hat die Entwicklung derzeit noch keine Auswirkungen. Allerdings muss man zunehmend den Spagat zwischen freiberuflich geführten Praxen und neuen Modellen hinbekommen. Man begleite die Veränderungen im Markt sehr eng und pflege einen engen Austausch mit den Standesvertetungen.

Einzelpraxis und Gemeinschaftsformen

Nach wie vor sei die Einzelpraxis dominant, obwohl sie vielfach totgeredet werde. Aber es gebe auch vielfach den Wunsch nach Angestelltenverhältnissen, Teilzeit oder Gemeinschaftsformen. Das mache den Bereich der Niederlassung zunehmend komplex. Oft gebe es Angst vor Bürokratie und ein Interesse an möglichst guter Work-Life-Balance. Da man ungefähr die Hälfte aller Existenzgründungen begleite, könne man vielfach in Beratungsgesprächen solche Ängste nehmen und die Attraktivität der Selbstständigkeit aufzeigen.

Auch wenn viele Heilberufler in den nächsten Jahren in den Ruhestand gingen, bleibe die Zahl der Praxisgründungen mindestens bis 2028 auf hohem Niveau. Hinzu kämen neue Versorgungsmodelle, etwa ausgelagerte Praxen oder vorgelagerte Videosprechstunden.

Grundsätzliche finanziere man auch Praxisketten und MVZ, solange sie von den Heilberufen initiiert oder mitgetragen würden. Was man nicht wolle, sei der Einstieg von Investoren. „Diese Dinge wollen wir nicht unterstützen“, so Schellenberg. Natürlich gebe es auch Grauzonen, etwa wenn Ärztinnen und Ärzte sich gemeinsam in einer GmbH zusammenschlössen.

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