Ärzte fordern Dispensierrecht, trommeln für Versandhandel

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Berlin -

In Baden-Württemberg starten Grippeimpfungen in Apotheken, reflexartig verspritzt daher auch hier die Kassenärztliche Vereinigung (KV) eine ordentliche Portion Gift: Der Vorstand fordert die Politik auf, die Selbstdispensation durch Ärztinnen und Ärzte zu ermöglichen. Gleichzeitig werden die Praxen aufgefordert, ihren Sprechstundenbedarf online zu bestellen und bei ihren Patient:innen für den Versandhandel zu werben.

Vorstandschef Dr. Norbert Metke sagte dazu am Dienstag in Stuttgart: „Es ist heute niemandem mehr zu vermitteln, dass insbesondere im Notfalldienst die Ärztinnen und Ärzte an den Wochenenden, Feiertagen oder in der Nacht im Rahmen eines Hausbesuchs ein Rezept ausstellen, dann den Patientinnen und Patienten aber zumuten, noch irgendwo in eine Apotheke zu fahren, um sich das Medikament zu besorgen.“ Gerade für Alleinerziehende, ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder auch Behinderte sei es mehr als schwierig, damit umzugehen.

Metke: „Gleiches gilt, wenn zu den normalen Sprechstundenzeiten Hausbesuche vorgenommen werden. Auch hier sprechen wir über Patientinnen und Patienten, die das Haus nicht verlassen können. Wenn die Ärztinnen und Ärzte hier die zehn am häufigsten benötigten Arzneimittel direkt ausgeben könnten, könnte der Großteil des Bedarfs damit gedeckt werden. Kostengünstig, bequem und ohne zusätzliche Kosten.“

Der KV-Chef macht keinen Hehl daraus, dass die Grippeimpfungen in den Apotheken der eigentliche Auslöser für seine Forderung sind: „Wenn die Versorgung durch Aufhebung der Sektorengrenzen verbessert werden soll, kann dies keine Einbahnstraße sein.“

Gleichzeitig spricht er sich aber eigentlich dafür aus, dass jeder Heilberuf das tun sollte, „was er erlernt hat und kann“. Ganzheitliche Medizin und insbesondere der Impfschutz müssten im Ganzen gesehen werden. „Das können nur diejenigen, die das Ganze gelernt haben und das sind die Ärztinnen und Ärzte. Bisher haben wir bei den Grippeschutzimpfungen Versorgungsengpässe vor allem durch Impfskepsis und nicht ausreichend vorhandenem Impfstoff erkannt, ärztliche Termine standen hinreichend zur Verfügung.“

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