Schlaganfälle frühzeitig verhindern

Rhythmuspflaster soll Vorhofflimmern erkennen

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Berlin -

Das Erkennen von Herzrhythmusstörungen stellt einen wichtigen Baustein in der Prävention von Schlaganfällen dar. Ein mobiles Rhythmuspflaster soll dabei helfen können. In einer Studie lieferte es vielversprechende Ergebnisse.

Über 30 Millionen Menschen weltweit sind vom Vorhofflimmern betroffen. Dabei handelt es sich um eine Herzrhythmusstörung, die mit einem unregelmäßigen Herzschlag einhergeht. Dadurch kann es zu einer Verklumpung des Blutes in den Vorhöfen kommen. Gelangen diese Gerinnsel mit dem Blutstrom ins Gehirn können kleine Gefäße verschlossen werden – es kommt zu einem Schlaganfall. Bei älteren Menschen gilt Vorhofflimmern sogar als eine der wichtigsten Ursachen. Weltweit ist Schlaganfall die zweithäufigste Todesursache bei Erwachsenen und eine der Hauptursachen für Behinderungen und Demenz.

Stummes Vorhofflimmern als Risiko

Das Tückische: Vorhofflimmern an sich macht häufig keine Beschwerden und wird daher nicht rechtzeitig erkannt. „Wir hoffen, dass wenn wir stummes Vorhofflimmern besser erkennen, mehr Menschen frühzeitig behandelt und Schlaganfälle verhindert werden könnten", erklärt Dr. David Gladstone, kanadischer Studienleiter vom Sunnybrook Health Sciences Centre und der Universität Toronto. Die Studie wurde am Population Health Research Institute in Hamilton koordiniert, auch deutsche Forscher waren beteiligt.

Mithilfe eines mobilen Rhythmuspflasters soll das Vorhofflimmern bei Risikopatienten zehn Malhäufiger erkannt werden, als durch herkömmliche Diagnostik. Das Verfahren könnte damit ein wesentlicher Baustein zur Früherkennung von Vorhofflimmern und damit auch zur Vermeidung von Schlaganfällen sein.

Mobiles EKG in Pflasterform

Das Rhythmuspflaster zeichnet jeden Herzschlag auf und kann somit auch stummes Vorhofflimmern ermitteln. Mehr als 850 Patienten nahmen zwischen 2015 und 2019 an der Studie teil. Sie alle waren 75 Jahre oder älter und wiesen einen hohen Blutdruck auf. Ein Vorhofflimmern war nicht bekannt. Die Hälfte der Studienteilnehmer erhielt das Pflaster, welches zweimal für jeweils zwei Wochen auf die Brust geklebt wurde. Die andere Hälfte erhielt die medizinische Standardversorgung.

Das Besondere am Pflaster ist die dahintersteckende Technik: In das Rhythmuspflaster ist eine EKG-Aufzeichnungseinheit integriert, die den Herzschlag zwei Wochen lang kontinuierlich misst und aufzeichnet. Nach zwei Wochen wird das Pflaster abgenommen und ausgewertet. Alle Teilnehmer wurden sechs Monate lang beobachtet.

Die Studie zeigte, dass das Pflaster von allen gut vertragen wurde und es zudem der Kontrollgruppe überlegen war: In der Rhythmuspflastergruppe wurde bei 23 Teilnehmern Vorhofflimmern festgestellt, in der Kontrollgruppe nur bei zwei. Von den Vorhofflimmerpatienten erhielten 75 Prozent ein blutverdünnendes Medikament zum Schutz vor Schlaganfällen. „Die Vorhofflimmerepisoden, die wir gefunden haben, waren meist mehrere Stunden lang", erklärte Co-Studienleiter Professor Dr. Rolf Wachter vom Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen und vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK).

Blutverdünner seien bei Vorhofflimmerpatienten allgemein sehr effektive Medikamente, die das Schlaganfallrisiko um fast 70 Prozent senken können. Allerdings sei die für die in der Studie identifizierten Patienten die bestmögliche Therapie noch nicht ausreichend untersucht. „Eine Verbesserung der Diagnostik von Vorhofflimmern und die Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten ist einer der Forschungsschwerpunkte im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung. Dazu leisten die Ergebnisse der SCREEN-AF-DZHK15-Studie einen wichtigen Beitrag“, meint auch Professor Dr. Stefanie Dimmeler, Sprecherin des Vorstandes des DZHK.

 

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