Psilocybin: Von der Droge zum Antidepressivum | APOTHEKE ADHOC
Neue Hirnnetzwerke

Psilocybin: Von der Droge zum Antidepressivum

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Berlin -

Psilocybin gehört zu den Indolalkaloiden und löst im Körper eine halluzinogene Wirkung aus. Bereits seit einigen Jahren stehen die Magic Mushrooms aber auch im Fokus der Forschung. Nun können Forscher:innen erstmals Hypothesen zum Wirkmechanismus aufstellen.

Dass Psilocybin, eine Substanz aus den sogenannten Zauberpilzen, bei Depressionen helfen kann, ist seit längerem bekannt. Doch welcher Wirkmechanismus genau dahintersteckt, das konnten Forscher:innen bislang nicht sagen. Bekannt ist, dass die Substanz eine agonistische Wirkung am 5HT2A-Serotoninrezeptor auslöst. Da der Serotoninrezeptor durch Psilocybin nur vorübergehend aktiviert wird, der antidepressive Effekt aber von Dauer ist, musste die Substanz weitere Wirkungen im Körper haben.

Das Gehirn arbeitet anders

Forscher:innen der University of California in San Francisco haben in einer aktuellen Studie, welche bereits im Fachjournal „Nature Medicine“ erschienen ist, untersucht, ob Psilocybin zu Veränderungen im Gehirn führt. Hierfür wurden 59 Proband:innen auf strukturelle Gehirnveränderungen hin untersucht. Verglichen wurden Gehirne von Proband:innen, die Psilocybin oder Escitalopram einnahmen. Im Ergebnis zeigte sich, dass sich nur in Gehirnen der Psilocybin-Gruppe die funktionale Konnektivität der neuronalen Netzwerke erhöhte. Die Forscher:innen konnten zeigen, dass je höher die Konnektivität, desto stärker der Rückgang der depressiven Symptome.

Desweiteren wurden die Gehrinveränderungen bei einem zweistufigen Psilocybin-Einnahmeschema in einem gesonderten Studienarm untersucht. In diesem Teil der Forschungsarbeit nahmen die Proband:innen initial 10 mg Psilocybin ein. Sieben Tage später erfolgte eine zweite Einnahme. Diesmal wurde die Dosierung auf 25 mg gesteigert. Ins MRT ging es vor der ersten Einnahme und einen Tag nach der zweiten Dosis.

Die Hirnaktivität wurde mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) gemessen. Hierbei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der klassischen MRT. Die Neuerung: Die funktionelle MRT kann zusätzlich aktive Bereiche des menschlichen Gehirns von inaktiven unterscheiden.

Die Art und Weise, wie Gehirnareale miteinander arbeiten und kommunizieren, verändert sich bei einer vorliegenden Depression. Die Forscher:innen vermuteten deshalb bereits, dass die dauerhafte antidepressive Wirkung der Substanz auf einen Einfluss auf die funktionelle Konnektivität zurückzuführen sein müsste.

Doch wie die Wirkung im Detail aussieht, das können die Wissenschaflter:innen nach eigenen Aussagen immer noch nicht beschreiben. Bevor Psychedelika wie Magic Mushrooms oder zumindest isolierte Verbindungen aus den Pilzen zur Therapie von Depressionen zugelassen werden könnten, müssten weitere großangelegte Phase-III-Studien angeschlossen werden.

Drogen mit pharmazeutischer Wirkung

Dabei ist Psilocybin nicht die erste Droge, die es in die Forschung und vielleicht eines Tages auch in die Apotheke schafft. Das aktuell wohl bekannteste Beispiel ist Cannabis. In Deutschland ist medizinisches Cannabis sei 2017 zugelassen. Patient:innen mit schwerwiegenden Erkrankungen können die THC-haltige Pflanze unter bestimmten Voraussetzungen in Form von Blüten oder Extrakten auf einem BtM-Rezept verordnet bekommen.

Auch LSD wird von Wissenschaftler:innen zur Behandlung verschiedener Erkrankungen analysiert. In der Schweiz wird ein möglicher Einsatz bei Angstpatient:innen untersucht. Bereits in den 1950er-Jahren starteten erste Studien mit der psychoaktiven Droge. Damals ging es um einen möglichen Effekt beim Alkoholentzug. Die Wirkung der Droge ist komplex. Die Hirnaktivität wird verstärkt stimuliert, dies führt zu einer gesteigerten funktionellen Vernetzung verschiedener Hirnareale. Die vorübergehende verstärkte Wahrnehmung äußerer und innerer Reize wird von den Konsument:innen als insprierend empfunden.

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