Viren als Arzneimittel

Medizin aus dem Klärwasser: „Phagen sind Globetrotter“ Deniz Cicek-Görkem, 10.12.2018 14:27 Uhr

Berlin - Bakteriophagen werden aktuell vermehrt wissenschaftliche Beachtung geschenkt, da sie als Alternative zu Antibiotika betrachtet werden. Im Zeitalter der Antibiotikaresistenzen sterben europaweit 33.000 Menschen jährlich infolge einer bakteriellen Infektion, weil geeignete Therapien fehlen. Dr. Christine Rohde vom Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Phagen und ist einer der wenigen Experten auf diesem Gebiet. Gegenüber APOTHEKE ADHOC erzählt sie, was diese Viren so besonders macht und warum sie – im Gegensatz zu Antibiotika – vorteilhaft für das Darmmikrobiom sind.

Der Anteil an multiresistenten Bakterien nimmt zu. Zu den gefürchteten Krankenhauskeimen gehören beispielsweise Staphylococcus aureus, Klebsiella pneumoniae und auch Pseudomonas aeruginosa, der die weltweit häufigste bakterielle Ursache von Lungenentzündungen, aber auch Harnwegsinfekten ist. Im schlimmsten Fall kann die Infektion mit diesem Erreger zu einer Sepsis führen und für den Patienten tödlich enden, wenn die gängigen Antibiotika nicht mehr helfen. Die Resistenzen haben aber auch gesundheitsökonomische Folgen. So verursachen nosokomiale Infektionen längere Liegezeiten sowie hohe Zusatzkosten. Deshalb suchen Wissenschaftler nach neuen Möglichkeiten, die negative Folgen der Antibiotikatherapie zu umgehen.

Eine Alternative könnten Bakteriophagen sein, die auf Bakterien als Wirtszellen spezialisiert sind. Sie nutzen die Bakterienzellen für ihre eigene Vermehrung; in der Folge werden die Bakterien abgetötet. Hier setzen die Forschungen des Leibniz-Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen und damit die der Arbeitsgruppe um Rohde an. „Wir haben einen Fundus von etwa 800 Phagen und jeden Monat isolieren wir neue”, sagt die Wissenschaftlerin. Die DSMZ ist Partner im Forschungsverbund Phage4Cure. Dessen langfristiges Ziel ist es, Bakteriophagen gegen den typischen Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa therapeutisch nutzbar zu machen und sie zur arzneimittelrechtlichen Zulassung zu bringen. Geplant ist dabei eine inhalative Darreichungsform.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützte Projekt ist ein gemeinsames Vorhaben von vier Einrichtungen, die im Wirkmechanismus der Phagen ein Potenzial sehen. Dazu gehören das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen, das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM), die Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Berliner Charité sowie die Charité Research Organisation (CRO). Das Projekt wird voraussichtlich 2020 abgeschlossen sein und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eng begleitet.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Coronavirus

Großbritannien

Boots bietet Corona-Schnelltests an»

Risikogruppen schützen

Hausärzte empfehlen keine Tests in Apotheken»

Dank und Mahnung nach Corona-Infektion

Spahn meldet sich aus der Quarantäne zu Wort»
Markt

Aklepios Biopharmaceutical

Milliarden-Übernahme: Bayer kauft Spezialisten für Zelltherapie»

Wer eRezepte nicht akzeptiert, fliegt raus

Teleclinic setzt Apotheken auf schwarze Liste»

Online-Sprechstunden

Medgate kooperiert mit Apotheken.de»
Politik

Gesundheitsmonitor

BAH: Corona stärkt Gesundheitsbewusstsein»

Wahl des Vorsitzenden

Corona: CDU verschiebt Parteitag zum 2. Mal»

Freie Apothekerschaft

TSE: 626 Fußballfelder voll Kassenbons – zusätzlich»
Internationales

Wegen drohender Opioid-Strafen

Walmart verklagt US-Regierung»

Opioid-Epidemie in den USA

Oxycontin: Purdue schließt Milliarden-Vergleich»

Pharmakonzerne

Takeda baut in Österreich»
Pharmazie

Mucoadhäsives Nasengel

Wick Erste Abwehr gegen Sars-CoV-2»

Erprobung in den USA

Corona-Impfstoff: AstraZeneca nimmt klinische Studie wieder auf»

Schutzeffekt in Phase-III

Grippeimpfstoff: Tabakpflanze statt Hühnerei»
Panorama

Zwei Münchner Tatverdächtige

Ermittler heben Netzwerk für illegalen Arzneimittelhandel aus»

Brandsätze gegen Fassade geworfen

Anschlag auf RKI – Staatsschutz ermittelt»

Kunstautomat an der Apotheke

Mini-Gemälde statt Zigarette»
Apothekenpraxis

adhoc24

Schwarze Listen bei Teleclinic / Abgabe ohne HBA? / Spahns Quarantäne-Botschaft»

Abgabe ohne Heilberufsausweis

Was passiert eigentlich, wenn der HBA verloren geht?»

Wann schützt welche Maske?

FFP2, CE-Zertifizierung, Ventil, Visier & Co.»
PTA Live

Lokalanästhetika mit Klümpchenbildung

Rezepturtipp: Polidocanol»

Schutzmaßnahmen und Zukunftssorgen

Apothekenteams fürchten langen Corona-Winter»

Mikronährstoff-Stiefkinder

Wofür ist eigentlich Mangan?»
Erkältungs-Tipps

Erkältung, Allergie, Medikamente

Schnupfen ist nicht gleich Schnupfen»

Wenn die Temperatur steigt

Hausmittel bei Fieber: Wann und wie?»

Erkältung in Corona-Zeiten

No Go: Husten als Stigma»
Magen-Darm & Co.

Fremdkörpergefühl im Hals

Globussyndrom: Auch an den Magen denken»

Trendprodukt Selbsttests

Was können Darmflora-Analysen & Co.?»

Vitamin-B12-Mangel

Fehlender Intrinsic Factor»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Supplemente in der Schwangerschaft

Folsäure & Jod: Nur die Hälfte ist versorgt»

Geschlechtsbestimmung

Mädchen oder Junge? Der Genetik auf der Spur»

Kaiserschnitt ist kein Muss

HIV und Schwangerschaft»
Medizinisches Cannabis

Sonder-PZN, Lieferengpässe & Co.

Retaxgefahr Cannabis»

Blüte, Extrakt, Kapsel

Cannabis: Schritt für Schritt zur Rezeptur»

Wie setzt sich der Abgabepreis zusammen?

Cannabis-Rezept: Taxierung»
HAUTsache gesund und schön

Verwöhnprogramm für die Haut

Pflege hoch zwei: Gesichtsmaske und Peeling»

Viel hilft nicht immer viel

Überpflegung der Haut»

Aufbau, Alterung und Pflege

Unterschiede von Frauen- und Männerhaut»