Tabakkonsum

Kinderärzte warnen vor E-Zigaretten

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Berlin -

E-Zigaretten und Tabakvaporizer drängen auf den Markt, in Großbritannien werden bestimmte Produkte sogar zur Raucherentwöhnung in Betracht gezogen. Die Datenlage zu den Risiken ist spärlich und auch Erkenntnisse zur Entwicklung von Erkrankungen fehlen. Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) warnt vor Anwendung dieser Produkte. Die Experten sehen eine Gefahr für Kinder und Jugendliche und befürchten, dass sie später auf normale Zigaretten umsteigen.

E-Zigaretten enthalten keinen Tabak, sondern ein flüssiges Gemisch (Liquid) aus Propylenglycol, Glycerin, Wasser, Lebensmittelaromen und optional Nikotin, das verdampft und eingeatmet wird. Im Unterschied zur Zigarette findet kein Verbrennungsprozess statt. Tabakvaporizer dagegen bestehen aus echtem Tabak, der erhitzt und nicht verbrannt wird. Von Herstellern finanzierten Studien zufolge sind im Dampf deutlich weniger schädliche Stoffe als im Zigarettenrauch. Das Suchtpotenzial bleibt jedoch das gleiche.

Tabakrauch ist insbesondere für Kinder und Jugendliche mit gesundheitsschädlichen Folgen verbunden, da sie im Vergleich zu Erwachsenen empfindliche und noch im Wachstum befindliche Atemwege und Lungen haben. Die Zahlen für jugendliche Raucher sind aktuell rückläufig. „Um dem dadurch bedingten Umsatzverlust entgegenzuwirken, bringt die Tabakindustrie jedoch seit längerem elektronische Zigaretten (E-Zigaretten) auf den Markt und in letzter Zeit wird zudem viel Werbung für sogenannte ‚rauchfreie Zigaretten‘ gemacht“, so die GPA.

Zur Rauchentwöhnung sei die E-Zigarette ungeeignet, wie die Ärzte mitteilen. Denn Benutzer waren im Rahmen eines strukturierten verhaltenstherapeutischen Gruppenprogramms nach Studienende signifikant seltener abstinent als Teilnehmer, die Nikotinpräparate beziehungsweise keine weiteren Hilfsmaßnahmen genutzt haben, wie aus einer Studie aus 2018 zu entnehmen ist.

Kinder- und Jugendärzte sowie Umweltmediziner stufen die auf dem Markt befindlichen relativ neuen Produkte aufgrund der Gefahr eines „harmlosen“ Einstiegs in den Konsum konventioneller Tabakprodukte als gefährlich ein. Sie begründen dies mit dem Mangel an belastbaren (Langzeit-)Studien zu Krebsrisiken und zu einer möglichen Entwicklung beziehungsweise Verschlimmerung von Asthma und anderer Lungenerkrankungen.

Den Ärzten zufolge wurde zudem in einigen der aromatisierten Produkte Stoffe wie Diacetyl in erhöhter Konzentration nachgewiesen. Diese Substanz könne bei Aufnahme über die Atemwege dort schwere, teils irreversible Schädigungen verursachen und stehe im Verdacht, krebserregend zu sein. Ebenso ungeklärt sei die Rolle der eingesetzten Verneblersubstanzen, für die Daten zu Wirkung und Risiken bei Kindern und Jugendlichen weitestgehend fehlten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigte zwar den niedriger Schadstoffausstoß im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten. Allerdings wurden im Körper von Probanden weiterhin ein erhöhter Anteil von mutagenen und kancerogenen Substanzen wie Kohlenmonoxid, Acrolein, 1,3-Butandien, Nitrosamine und Benzol nachgewiesen. Die Ärzte fordern daher von den Aufsichtsbehörden eine entsprechende Aufklärung der Zielgruppen und eine Sicherstellung der Alterskontrollen für die Abgabe von Tabakprodukten beziehungsweise deren Gebrauch in der Öffentlichkeit.

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