Neue Darreichungsform für Midazolam: Infectopharm will den Wirkstoff bis zum Jahresende als Nasenspray auf den Markt bringen. Das Präparat ist als Notfallmedikation zur Behandlung länger anhaltender, akuter Krampfanfälle bei diagnostizierter Epilepsie sowie zur Wachsedierung und Prämedikation vor Einleitung einer Allgemeinanästhesie indiziert.
Bei einem epileptischen Krampfanfall müssen Angehörige und Begleitpersonen rasch handeln können, denn mit der Dauer des Anfalls steigt auch das Risiko für dauerhafte Hirnschäden und die Mortalität. Bislang kommen vor allem Lösungen zur Anwendung in der Mundhöhle zum Einsatz. Infectopharm setzt mit Nasolam auf einen anderen etablierten Applikationsweg: Der Wirkstoff Midazolam wird mit einem Nasenspray verabreicht und über die Nasenschleimhaut aufgenommen.
Die Vorteile der nasalen Applikation liegen laut Hersteller auf der Hand: schneller Wirkeintritt, intuitive Anwendung und zuverlässige Verabreichung der gewünschten Dosis.
Anders als bei der Mundschleimhaut ist die Epithelschicht der Nasenschleimhaut nur eine Zellschicht dick. Die minimale Diffusionsstrecke sowie die exakte Wirkstoffdeposition durch den schnellen Sprühstoß mit einem kleinen Volumen führen laut Infectopharm zu einem signifikant schnelleren Anstieg des Serumspiegels und schnelleren Sistieren des Krampfanfalls nach der Verabreichung. Zudem genüge die halbe Dosis aus, um vergleichbare Wirkspiegel wie bei der bukkalen Anwendung zu erzielen.
Infectopharm bringt drei verschiedene Wirkstärken: 2,5 mg, 3,75 mg und 5,0 mg. Nasolam kann ab einem Alter von zwei Jahren eingesetzt werden.
Die maximale Dosis zur Behandlung eines anhaltenden akuten Krampfanfalls beträgt 10 mg. Allerdings darf eine zweite Dosis nicht ohne ärztliche Anweisung gegeben werden. Wenn der Krampfanfall nicht innerhalb von zehn Minuten nach der Anwendung aufgehört hat, ist notfallmedizinische Hilfe zwingend erforderlich.
Zum Vergleich: Bei den in der Mundhöhle anzuwendenden Lösungen liegt die empfohlene Dosierung bei 10 mg für Erwachsene. Bei Kindern sollen 2,5 mg (ab einem Jahr), 5 mg (ab fünf Jahren) oder 7,5 mg (ab zehn Jahren) gegeben werden.
Die Anwendung von Nasolam sei einfach und intuitiv: Einzeldosisbehältnis aus der Blisterpackung nehmen, mit dem Daumen auf dem Kolben und dem Zeige- und Mittelfinger auf beiden Seiten des Sprühkopfs halten. Sprühkopf in ein Nasenloch einführen, bis die Finger auf dem Finger-Griff die Nase berühren – bei kleinen Kindern sicherstellen, dass der Sprühkopf das Nasenloch fest verschließt. Kolben fest mit dem Daumen drücken. Sprühkopf von der Nase entfernen. Patient nach Möglichkeit in die stabile Seitenlage bringen, mit geöffnetem Mund und nach hinten geneigtem Kopf.
Durch den kurzen Sprühstoß in das Nasenloch sei die Verabreichung unabhängig von der Körperlage des Patienten. Gleichzeitig werde das Hantieren im Mund eines Krampfenden vermieden, wodurch das Verletzungsrisiko für den Anwender reduziert werde. Eine Studie belege die Komplexität der bukkalen Anwendung für medizinische Laien: 58 Prozent der Anwendungen einer Mundspritze zur bukkalen Anwendung seien demnach mit Fehlern behaftet.
Nasolam sei als Notfallmedikation im Hosentaschenformat konzipiert: Das kompakte Format erleichtere das Mitführen im Alltag. Die Anwendung ähnele der eines üblichen Nasensprays und lasse sich diskret durchführen. Damit adressiere das Präparat praktische Anforderungen von Menschen mit Epilepsie und ihren Begleitpersonen: Die Medikation solle griffbereit sein und sich im Bedarfsfall unkompliziert verabreichen lassen.
Die vier Einzeldosen sind außerdem separat verpackt und bieten damit laut Hersteller die Möglichkeit, sie an unterschiedlichen Orten vorzuhalten. Epileptiker sollten immer mindestens zwei Einzeldosisbehältnisse für die Anwendung zur Verfügung haben.
Die ein Jahr längere Laufzeit – 36 Monate für Nasolam statt maximal 24 Monate der bukkalen Alternativen – ist laut Hersteller ein weiterer Vorteil: Eine längere Haltbarkeit könne den Austausch ungenutzter Notfallmedikation und den damit verbundenen Verwurf und Verordnungsaufwand reduzieren.
Allerdings hat das neue Produkt seinen Preis: Mit einem Einführungspreis 518 Euro ist Nasolam deutlich teurer als Buccolam & Co.
Nicht eingesetzt werden sollte Nasolam bei Überempfindlichkeit gegen Benzodiazepine, schwerer respiratorischer Insuffizienz oder akuter Atemdepression, schweren Leberfunktionsstörungen, Myasthenia gravis oder Schlafapnoe-Syndrom sowie akutem Engwinkelglaukom oder angeborenen zyanotischen Herzfehlern und schwerer Sepsis. Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit eingeschränkter Atemfunktion geboten, da Midazolam die Atmung weiter dämpfen kann. Alkohol kann die sedierende Wirkung von Midazolam deutlich verstärken. Unter Midazolam-Therapie ist Alkoholkonsum unbedingt zu vermeiden.
Häufige Nebenwirkungen sind verminderte Aufmerksamkeit, reduzierter Bewusstseinszustand, Sedierung (verlängert und postoperativ), Somnolenz. - Niesen, Husten, juckende Nase, verstopfte Nase, Nasentrockenheit, laufende Nase, Gähnen, Atemdepression - Übelkeit, Erbrechen
Midazolam wirkt tranquillisierend, schlafanstoßend, antikonvulsiv und muskelrelaxierend. Die Substanz verstärkt die Wirkung des inhibitorischen Neurotransmitters GABA (γ-Aminobuttersäure) durch allosterischen Angriff an der α-Untereinheit des GABAA-Rezeptors. Dies führt durch einen verstärkten Chlorid-Einstrom zu einer Hyperpolarisation von Nervenzellen und zu einer Reduktion der neuronalen Erregbarkeit.
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