Infektionszahlen steigen rasant

Dengue-Fieber: Ausbreitung in Deutschland erwartet

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Berlin -

Zoonosen wecken spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Diese Infektionskrankheiten werden von Bakterien, Parasiten, Pilzen, Prionen oder Viren verursacht und wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen. Das Denguefieber ist ein weiteres Beispiel für das wachsende Risiko von gefährlichen Krankheiten, wenn der Lebensraum von Natur und Tier eingeengt wird. Virologen warnen derzeit vor einer Ausbreitung des Denguefiebers in Deutschland.

Dengue ist eine Virusinfektion, die durch Aedesmücken übertragen wird. Sie gilt weltweit als die häufigste, durch Mücken übertragene, virale Erkrankung. Experten schätzen, dass sich jährlich zwischen 284 bis 528 Millionen Menschen mit dem Erreger des Dengue-Fiebers infizieren. Die Zahl der Infizierten ist in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch angestiegen. Knapp die Hälfte der Weltbevölkerung, also etwa 3,9 Milliarden Menschen aus 128 Ländern sind der Gefahr einer Dengue-Infektion ausgesetzt, berichtet das Tropeninstitut. Noch ist Dengue vor allem in Ländern entlang des Äquators verbreitet. Expert:innen rechnen allerdings bedingt durch die Klimaerwärmung auch in Europa mit einer verstärkten Ansiedlung der asiatischen Tigermücke.

Wasseransammlungen als Brutstätte

Die Dengue-Mücken kommen vor allem in städtischer Umgebung vor. Kleine Wasseransammlungen wie bspw. in Eimern, alten Reifen, Blumentöpfen oder Regentonnen werden von den Weibchen genutzt, um Eier abzulegen. Infizierte Mücken-Weibchen können das Dengue-Virus direkt auf Ihre Brut übertragen und diese wiederum durch einen Stich an den Menschen. Eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch wurde noch nicht beobachtet.

Knochenbrecher-Fieber

Die Inkubationszeit vom Stich bis zum Auftreten erster Symptome beträgt in der Regel zwischen sieben und zehn Tagen. Die Infektion äußert sich oft als akute fiebrige Erkrankung, die manchmal auch mit fleckigem Hautausschlag und Augenschmerzen einhergeht. Wegen der starken Muskelschmerzen wird die Krankheit im Volksmund auch als „breakbone fever" bezeichnet. Hinzu können Übelkeit und Erbrechen kommen. Die meisten Patienten erholen sich nach ein paar Tagen. Es gibt allerdings auch Komplikationen:

Hämorrhagisches Denguefieber

  • akuter Fieberausbruch gefolgt von anderen Symptomen aufgrund von Thrombozytopenien
  • verstärkter Gefäßpermeabilität und Blutungen

Dengue-Schock-Syndrom

  • schwerer Blutdruckabfall bedingt durch Flüssigkeitsverlust
  • ohne umgehende medizinische Behandlung enden 40 bis 50 Prozent der Fälle tödlich
  • wird Behandlung rechtzeitig eingeleitet, liegt die Sterberate bei einem Prozent und darunter
  • geringe Anzahl der Fälle

Mögliche Therapien

Verläufe ohne Komplikationen werden im Wesentlichen wie eine normale Grippe behandelt. Fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente können helfen, die Symptome zu lindern. Besonders muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Das Virus selbst kann nicht bekämpft werden. Komplikationen wie Schock, schwerer Blutdruckabfall und Blutungen bedürfen der sofortigen ärztlichen Behandlung im Krankenhaus.

Impfung nur für Endemiegebiete

In Deutschland gibt es derzeit keine Impfmöglichkeit gegen Dengue. Der attenuierte Lebendimpfstoff Dengvaxia wird in der Reisemedizin nicht eingesetzt. Seit Oktober 2018 ist der Impfstoff von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) auch für den Europäischen Markt zugelassen. Die Zulassung ist jedoch beschränkt auf Personen im Alter von 9 bis 45 Jahren, die in einem Endemiegebiet leben und zuvor bereits eine laborbestätigte Dengue-Infektion durchgemacht haben

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