Geflügelhaltung als gefährliche Schnittstelle

Vogelgrippe: Sorge vor Überspringen auf Menschen

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Berlin -

Die weltweite Vogelgrippe-Welle hat auch unter Säugetieren viele Opfer gefordert. Die WHO will nun über das Risiko für den Menschen informieren. Nicht nur der Umweg über andere Säugetiere birgt Gefahr. Angesichts der Sorge vor einem möglichen Überspringen des weltweit grassierenden Vogelgrippe-Virus auf den Menschen hat ein Experte die Bedeutung von Geflügelhaltungen betont.

Zwar verdiene auch die mögliche Anpassung an Säugetiere wie etwa Seelöwen sehr große Aufmerksamkeit, sagte Timm Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bei Greifswald der Deutschen Presse-Agentur. Geflügelhaltungen böten allerdings die größten Schnittstellen mit dem Menschen. Hier gebe es immer ein Risiko, dass das Virus direkt auf den Menschen überspringe.

Am Mittwoch wollte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer Online-Veranstaltung über die Entwicklung des H5N1-Virus und das Risiko für den Menschen informieren.

„Wir dürfen nicht nachlassen in unseren Aktivitäten, dem Virus auf der Spur zu bleiben und vor allen Dingen die Infektionen aus Haltungen – klein oder groß – herauszuhalten“, sagte Harder, der das Nationale Referenzlabor für Aviäre Influenza am FLI leitet. Je größer die Verbreitung des Virus sei, desto wahrscheinlicher sei ein tatsächliches Überspringen. Deshalb müsse es um die Reduzierung der Infektionen gehen. „Das ist das Ziel der Tierseuchenbekämpfung.“

Bei Wildvögeln, die sehr mobil und unterschiedlich seien, sei eine Prävention ungleich schwieriger. „Es ist schon eine besondere Situation, die wir eigentlich weltweit haben, und die so noch nicht aufgetreten ist.“ Die Vogelgrippe grassiert derzeit in bislang nicht bekanntem Ausmaß: Außer in Australien und der Antarktis gibt es auf allen Kontinenten Nachweise. Zig Millionen Tiere starben bereits, insbesondere Seevögel.

Bekannt ist, dass die kursierende H5N1-Entwicklungslinie 2.3.4.4b auch Säugetiere wie Nerze, Füchse, Waschbären, Marder und Bären infiziert und tötet. Sorge bereitet Experten vor allem das massenhafte Sterben von Nerzen einer spanischen Farm und von Robben in verschiedenen Teilen der Welt.

Für beide Phänomene gebe es Hinweise oder zumindest die Vermutung, dass sich das Virus direkt zwischen den Säugetieren verbreitet hat, sagte Harder. In diesem Fall wäre von einem höheren Risiko auch für den Menschen auszugehen. Bisher ist weltweit erst ein auf 2.3.4.4b zurückgehender Todesfall erfasst: Die im Oktober gestorbene 38-jährige Chinesin hatte Kontakt zu infiziertem Hausgeflügel.

Die Auswirkung des Virus auf die Artenvielfalt ist laut Harder noch nicht abzuschätzen. Im Herbst war erstmals auch Südamerika betroffen, wo etwa viele Pelikane starben. Hier seien inzwischen auch Pinguine infiziert worden. Gefahr bestehe auch für die antarktischen Pinguin-Kolonien. „Es können sogar Wale betroffen sein“, sagte Harder. Das zeige der Nachweis bei einem Schweinswal in der Ostsee im vergangenen Sommer.

Das derzeitige Infektionsgeschehen in Deutschland beschrieb Harder als stetig, aber geringer im Vergleich zu früheren Infektionswellen während der kalten Jahreszeit. Das könne ein Hinweis auf eine Teilimmunität sein, die sich inzwischen bei einigen Vögeln herausgebildet habe.

Jahrelang grassierte die Vogelgrippe hierzulande im Zusammenhang mit dem Vogelzug nur saisonal. Zuletzt gab es ganzjährig Infektionen. Das FLI registriere derzeit etwa 20 bis 40 Fälle bei Wildvögeln in Deutschland pro Woche. „Erstmal deutet sich da kein Nachlassen an“, sagte Harder.

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