Weniger Infizierte unter Androgenentzug

Corona: Schutz durch Prostatakrebs-Therapie? APOTHEKE ADHOC, 29.05.2020 11:36 Uhr

Berlin - Eigentlich zählen Krebspatienten zur Risikogruppe für eine Infektion mit Sars-CoV-2. Eine Untersuchung aus der Schweiz zeigt jedoch, dass es bei einigen Patienten mit Prostatakarzinom in Venedig zu weniger Covid-19-Fällen kam – Grund dafür könnte die medikamentöse Therapie sein.

Die Forscher der Universität Bellinzona analysierten eine Kohorte aus Venezien von knapp 9300 Patienten, die bis zum 1. April positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. Darunter waren mehr als 4500 Männer – diese hatten häufiger einen schweren Verlauf von Covid-19, mussten häufiger stationär beziehungsweise intensivmedizinisch behandelt werden und verstarben ebenfalls häufiger als Frauen. Diese Beobachtung deckt sich mit anderen Untersuchungen: Männer erkranken häufiger an Covid-19 als Frauen, der Grund dafür könnte eine höhere Konzentration des löslichen ACE2-Rezeptors sein, wie Ergebnisse im „European Heart Journal“ kürzlich zeigten.

Krebskranke haben höheres Risiko

Die Forscher betrachteten schließlich den Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Covid-19: 786 der 9280 Patienten hatten eine Krebsdiagnose – das entspricht einem Anteil von 8,5 Prozent. Von den 4532 positiv getesteten Männern waren 9,5 Prozent an Krebs erkrankt, 2,6 Prozent davon an einem Prostatakarzinom. Insgesamt waren die Krebspatienten etwas älter als die übrigen infizierten Männer. Außerdem wiesen sie ein 1,8-faches Risiko für Infektionen mit Sars-CoV-2 auf, welches häufig mit schweren Verläufen und Komplikationen einherging.

Prostatakrebs-Therapie als Prävention?

Bei den Auswertungen zeigte sich jedoch eine Auffälligkeit. Während beim Prostatakarzinom das Risiko insgesamt ebenfalls erhöht war, konnte eine bestimmte Therapie zur Behandlung der Krebsart vermutlich das Risiko senken. Die Wissenschaftler nahmen sich Krebsregisterdaten aus Venezien zur Hilfe und fanden heraus, dass eine Gruppe der krebskranken Männer besonders selten an Covid-19 erkrankte: Patienten, die eine sogenannte „Androgenentzugstherapie“ im Rahmen der Behandlung erhielten, zeigten ein geringeres Risiko für eine Infektion mit Sars-CoV-2.

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