Notfallkontrazeptiva

BMG: Eilverordnung zur Pille danach

, Uhr aktualisiert am 13.01.2015 16:18 Uhr
Berlin -

Nach der Entscheidung der EU-Kommission zu EllaOne (Ulipristal) soll es nun in Deutschland ganz schnell gehen: In einem beschleunigten Verfahren sollen die Wirkstoffe Ulipristal und Levonorgestrel zur Notfallkontrazeption rezeptfrei werden. Einen entsprechenden Verordnungsentwurf hatte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) für 15 Uhr angekündigt; bislang ist aber noch nichts verschickt worden. Die Hersteller haben nach Zustellung nur 24 Stunden Zeit zur Stellungnahme.

Der Bundesrat soll bei seiner Sitzung am 6. März über den Entwurf entscheiden. Beobachter werten das Vorgehen als Bestätigung dafür, dass EllaOne ab sofort ohne Rezept abgegeben werden kann, da die Bundesregierung offensichtlich nicht von ihrem Recht auf eine nationale Sonderregelung Gebrauch macht.

Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche entschieden, EllaOne aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Das BMG hatte daraufhin deutlich gemacht, der Entscheidung zu folgen und das deutsche Recht für beide Präparate schnellstmöglich anzupassen. Ziel sei es, auch weiterhin eine gute Beratung für beide Präparate aus einer Hand sicherzustellen.

Wie diese Beratung aussehen kann und sichergestellt werden soll, darüber sollen auf Einladung des BMG noch in dieser Woche Vertreter von Apothekern, Frauenärzten und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) diskutieren. Gemeinsam sollen Kriterien für eine qualitativ hochwertige Beratung entwickelt werden.

Während gynäkologische Fachverbände Zweifel an der Beratung in der Apotheke äußerten, gab sich Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), zuversichtlich: „Die Apotheker werden zur rezeptfreien ‚Pille danach‘ kompetent beraten, um die größtmögliche Arzneimittelsicherheit zu gewährleisten und Missbrauch zu verhindern“, sagte er kurz nach der Freigabe der EllaOne durch die EU-Kommission.

Der Bundestag wird sich am Donnerstag mit der Verschreibungspflicht für die „Pille danach“ beschäftigen. Die Bundestagsfraktionen der Parteien Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen haben insgesamt vier Anträge gestellt, mit denen sie die Entlassung der PiDaNa mit Levonorgestrel aus der Verschreibungspflicht fordern.

Am Mittwoch befasst sich bereits der Gesundheitsausschuss des Bundestags mit den Anträgen. Die SPD, die zwischen dem Koalitionspartner und ihrer eigenen Forderung nach einem OTC-Switch stand, hatte zuletzt immer wieder Beratungsbedarf angemeldet und die Abstimmung verweigert. Weil ihr neuster Antrag seit zehn Wochen nicht bearbeitet wurde, fordern die Linken nun einen Bericht über den Stand der Beratungen. Dafür verzichtet die Fraktion auf die Diskussion um die Elektronische Gesundheitskarte (eGK).

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