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Engpass bei Blutkonserven

Blutspende: Typisierungsprogramm soll Suche erleichtern

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Berlin -

Bereits im März forderten einige Bundesländer dazu auf, weiterhin Blut zu spenden. Obwohl eine Spende auch während der Pandemie weiterhin möglich war, konnte nach dem Ausbruch von Corona ein massiver Einbruch der Spenderzahlen verzeichnet werden. Die Suche nach einer passenden Spende ist oftmals mit erhöhtem Aufwand verbunden. Ein Typisierungsprogramm der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) soll Spender und Empfänger zukünftig schneller und einfacher zusammenbringen.

Prinzipiell gilt bei einer Blutspende: Wer sich gesund fühlt und alle anderen Voraussetzungen erfüllt, kann auch während Pandemiezeiten spenden. Dennoch sind die Spenderzahlen in den vergangenen vier Monaten beim Deutschen Roten Kreuz rückläufig gewesen. In der Folge kommt es zu Engpässen bei der Versorgung mit Blutprodukten. Der steigende Bedarf an Blutpräparaten ließe sich aktuell kaum decken, da so viele Termine ausgefallen sind. Mitte Mai teilte DRK-Sprecher Stephan David Küpper mit: „Hinter diesen 650 Terminen stehen über 26.000 Blutkonserven.“ Nicht nur die schwindenden Vorräte seien ein Problem – es sei ebenfalls schwierig, eine exakt passende Blutkonserve für den jeweiligen Spender zu finden, so die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI). Denn neben den bekannten Blutgruppen seien noch weitere Punkte zu berücksichtigen.

Mehr als A, B, AB und 0

Die vier Blutgruppen A, B, AB und 0 kennen die meisten Menschen. Ob eine Spende auch für einen Empfänger geeignet ist, entscheidet neben der Blutgruppe auch der Rhesusfaktor. Hier unterscheidet man zwischen „negativ“ und „positiv“. „Insgesamt gibt es mehr als 360 bekannte Blutgruppenmerkmale, die derzeit 38 Blutgruppensystemen zugeordnet werden“, berichtet Dr. Christof Weinstock, Leiter der Abteilung Immunhämatologie und Blutgruppenserologie am Universitätsklinikum Ulm. Dazu zählt beispielsweise das Kidd-System, abgekürzt mit Jk. Hierbei handelt es sich um ein erythrozytäres Blutgruppensystem, das auf dem Polymorphismus eines Transmembranproteins beruht. Es wird zwischen zwei Phänotypen unterschieden: Jka und Jkb. Sie werde kodominant vererbt.

Typisierungsprogramm soll schnellere Suche ermöglichen

Die Häufigkeit der Blutgruppen ist sehr unterschiedlich – einige kommen sehr selten vor. Um bei einem Notfall schnell handeln zu können, möchte die DGTI ein Typisierungsprogramm ausbauen. Seit acht Jahren führt die Gesellschaft ein Register für seltene Blutspender in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei erfassen die Blutspendedienste die Spender pseudonymisiert unter der Angabe der Blutgruppe und mit einer Identifikationsnummer. Im Bedarfsfall kann die Spendeeinrichtung Kontakt mit dem Spender aufnehmen. Diese Sammlung an Spenderdaten soll nun erweitert werden. „Je mehr Spender dort registriert sind, desto leichter wird es, auch für Menschen mit seltenen Blutgruppen einen passenden Spender zu finden“, so Professor Dr. Hermann Eichler, Vorsitzender der DGTI.

Serologische Verträglichkeitsprobe mitunter zeitaufwendig

Unter einer serologischen Verträglichkeitsprobe versteht man die Kreuzprobe, die vor jeder Transfusion von Blut (Erythrozytenkonzentraten) durchgeführt wird. Diese Probe ist vorgeschrieben. Hierbei wird untersucht, ob sich im Blut des Patienten irreguläre Antikörper gegen die Blutspende und die darin enthaltenen Spender-Erythrozyten befinden. Bei einer Unverträglichkeit kommt es zu einer sichtbaren Verklumpung der roten Blutzellen. Folglich kann das Präparat nicht verwendet werden. Bei Personen mit sehr seltenen Blutgruppen können die Tests umfangreicher ausfallen und somit länger dauern. „Hat ein Patient beispielsweise Antikörper gegen das Blutgruppenmerkmal Jk(a), müssen rein statistisch gesehen zehn Präparate untersucht werden, um zwei geeignete zu finden“, berichtet Weinstock. „Weist dieser Patient zusätzlich noch Antikörper gegen das Merkmal M auf, müssen Experten im Schnitt 50 Blutspenden testen, um das passende Präparat zu finden.“ Es gibt aber noch wesentlich kompliziertere Fälle. Weinstock: „So kann es vorkommen, dass Personen Antikörper gegen Merkmale bilden, die aber 99,5 Prozent der Spender besitzen.“ Typisierungsprogramme könnten zahlreiche Tests überflüssig machen und schneller zu einer passenden Spende führen.

Infektionsrisiko während einer Blutspende

Das Risiko einer Infektion mit Sars-CoV-2 während eines Blutspendetermins stuft das DRK derzeit als gering ein. Es werden seit Wochen zusätzliche Schutzmaßnahmen in den Zentren getroffen, sodass beispielsweise eventuell Infizierte schon vor dem Betreten der Einrichtung identifiziert werden können. Menschen mit Erkältungssymptomen werden grundsätzlich nicht zur Blutspende zugelassen. Ob der Virus über Blutkonserven übertragen werden kann, ist laut Blutspendedienst bislang unklar – aktuell liegen keine Fälle vor, in denen eine Bluttransfusion der Auslöser einer Sars-CoV-2-Infektion war.

Wer, wo, wann und wieviel?

In Deutschland können Menschen im Alter von 18 bis 68 Jahren Blut spenden. Eine Blutspende auch älterer Spenderinnen und Spender ist nach individueller ärztlicher Entscheidung ebenfalls möglich. Das Mindestgewicht beträgt 50 kg. Generell sollten nur gesunde Personen zur Blutspende erscheinen. Bei einer vorliegenden Erkältung oder Grippe ist von einer Spende abzusehen. Sollten bei der anschließenden Untersuchung des Blutes Auffälligkeiten festgestellt werden, wird der Spender darüber schriftlich informiert. Bei einigen Krankschreibungen kann dennoch gespendet werden (Verstauchung, Tennisellenbogen). Bei der dauerhaften Einnahme von Medikamenten muss im Vorfeld besprochen werden, ob eine Spende zulässig ist. Teilweise wird eine Spende auch abgelehnt, da sie für den Spender selbst risikoreich sein kann. So sollten Frauen, die die Minipille nehmen, beispielsweise einen zeitlichen Abstand von mindestens drei Stunden zwischen Einnahme und Spende einhalten, um keinen Wirkverlust zu riskieren. Normalerweise wird ein Volumen von 500 ml abgenommen. Zwischen zwei Blutspenden muss ein Mindestabstand von 56 Tagen liegen. Innerhalb von 12 Monaten dürfen Frauen viermal, Männer sechsmal Blut spenden.

 

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