Bakterien vs. Viren: Probiotika bei Covid-19?

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Berlin - Der Schutz vor Virusinfektionen hat seit der Corona-Pandemie einen besonderen Stellenwert erhalten. In Bezug auf die Immunabwehr rückt auch das Mikrobiom vermehrt in den Fokus: Können Probiotika & Co. einen positiven Effekt auf Covid-19 haben? Und welche Auswirkungen hat das Mikrobiom grundsätzlich auf die Abwehr von Krankheitserregern? Diesen Fragen ist Dr. Kade gemeinsam mit Professor Dr. Harald Renz von der Uniklinik Marburg nachgegangen.

Ein funktionierendes Immunsystem ist wichtig. Die Bedeutung des Mikrobioms auf die Abwehr von Krankheitserregern ist mittlerweile nachgewiesen und gut untersucht – dennoch weiß die breite Bevölkerung nicht um die Bedeutung der richtigen Bakterienflora. „Ein gut funktionierendes Immunsystem beruht auf lebenslangem Training“, erklärt Renz. Vor allem am Anfang des Lebens sei das Training besonders wichtig, um Toleranzmechanismen zu entwickeln. Der Mediziner und Wissenschaftler beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit dem Mikrobiom und seinen Auswirkungen auf chronische Entzündungskrankheiten und Infektionen.

Bakterien gegen Covid-19?

Aktuell steht vor allem die Frage nach den Auswirkungen auf eine Infektion mit Covid-19 im Raum. Können Probiotika einen Verlauf günstig beeinflussen? Dr. Kade hat mit Panabiotics immun ein Probiotikum mit vier verschiedenen Bakterienstämmen auf dem Markt: Enthalten sind die drei Lactobazillen Lactobacillus plantarum CECT 7484, Lactobacillus plantarum CECT 7485 und Lactobacillus plantarum CECT 30292 sowie das Bakterium Pediococcus acidilactici CECT 7483 mit zwei Milliarden koloniebildenden Einheiten pro Kapsel. Außerdem sind 10 µg Vitamin D3 enthalten.

Die Neueinführung wurde in einer randomisierten, vierfach verblindeten, placebokontrollierten Studie auf positive Effekte bei einer Covid-Erkrankung untersucht: Eingeschlossen wurden 300 symptomatische, ambulante Covid-Patient:innen, bei denen die Infektion mittels PCR-Test bestätigt wurde. Die Teilnehmer:innen erhielten entweder eine Kapsel des Probiotikums oder Placebo. Das Ergebnis: Die Probiotika-Gabe verkürzte die mediane Zeit bis zur Symptomfreiheit um 5 Tage, außerdem kam es zu einem stärkeren Anstieg von Sars-CoV-2 spezifischen Antikörpern. Auf den Röntgenbildern konnte zudem eine stärkere Reduktion der Lungenanomalien verzeichnet werden.

Die Entwicklung des Mikrobioms

Renz verwies auf die grundsätzliche Diversität des Mikrobioms. „Jedes Mikrobiom entwickelt sich individuell.“ Daher sei die Forschung in diesem Bereich schwierig. Mittlerweile kenne man jedoch einzelne Bakterien und wisse viel über ihre Funktionen und Auswirkungen auf das Immunsystem. Dabei unterscheide sich beispielsweise das Haut-Mikrobiom vom Mikrobiom des Stuhls entscheidend. Es sei so zusammengesetzt, dass es für die jeweilige anatomische Region optimal sei.

Schon die Art der Geburt mache einen großen Unterschied: Während Kinder bei einer natürlichen Geburt mit der vaginalen Flora bereits eine Erstexposition haben, kommen Kinder, die per Kaiserschnitt geboren werden, nicht mit diesen Bakterien in Kontakt. Die Folge sei ein erhöhtes Risiko für Allergien, Asthma, chronische Darmerkrankungen oder kardiovaskuläre Krankheiten. In den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Mikrobiom unter verschiedenen Einflüssen weiter. Nach dem dritten bis vierten Lebensjahr pendelt sich die Zusammensetzung des Mikrobioms dann langsam individuell ein.

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