Früher Apotheke, jetzt Keramik-Showroom

Vorsicht, zerbrechlich! Die verdrehte, vergoldete Welt der Kühns Silvia Meixner, 16.06.2018 08:53 Uhr

Berlin - Berlin-Kreuzberg ist nicht gerade als Mekka der Eleganz bekannt. Da liegen gebrauchte Sofas en masse auf den Gehwegen und fliegt schon mal ein gebrauchter Fernseher aus dem Fenster. Umso erstaunlicher ist dieser Ort: In der alten Anhalter-Apotheker wird feinste Keramikware her- und ausgestellt. Tassen mit vergoldeten Henkeln! Hasen mit goldenen Ohren! Besuch in einer anderen Welt.

Normalerweise tut es ein bisschen weh, wenn man eine schöne, alte Apotheke erblickt, in die eine andere Branche eingezogen ist. Hier nicht. Wer die ehemalige Anhalter-Apotheke in der Yorckstraße betritt, verliert plötzlich das Berlin-Gefühl. Hundehaufen, Lärm, Unfreundlichkeit, mit einem Mal ist alles Negative ganz weit weg. Es ist die schöne, zerbrechliche Welt von Claudia und Bernhard Kühn. Sie teilen sie gern mit dem Rest der Welt.

Für einen schnellen Besuch ist ihr Showroom nicht geeignet. Denn kaum hat man eine schöne Tasse, vielleicht die mit dem Konterfei von Albert Einstein, Elvis Presley, Richard Wagner oder Karl Marx entdeckt, wartet im nächsten Regal schon die nächste Überraschung. Kleine, pastellfarbene Espressotässchen! Wie aus der Puppenstube. Die meisten haben einen vergoldeten Henkel, es ist eines der Markenzeichen von Kühn Keramik.

Kühn wie sein Name sind Bernhards Entwürfe. Aber liebenswert kühn, verspielt und über allem schwebt die Frage, wo eigentlich Alice im Wunderland ist, denn sie müsste hier eigentlich Stammkundin sein. Kühn produziert keine Massenware, sondern verspielte Stücke, die natürlich ihren Zweck erfüllen sollen. Die kleinen Pretiosen entstehen unter der Apotheke, im Souterrain. Dort hat Bernhard Kühn seine Werkstatt, darüber befindet sich der Showroom.

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