Thüringen

Aktionstag gegen Apothekermangel

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Berlin -

Mit dem „Tag der Pharmazie“ wollen die Thüringer Apotheker mehr Schüler als Nachwuchs gewinnen: Gestern fand der Aktionstag an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena zum zweiten Mal statt. Mit Bussen hat die Apothekerkammer Thüringen rund 1400 Schüler aus allen Landesteilen nach Jena gefahren, um ihnen dort das Pharmaziestudium und die Berufschancen vorzustellen. Bei der Kammer erhofft man sich mehr Bewerber und einen Ausbau des Institutes.

Im April begannen die Vorbereitungen für den „Tag der Pharmazie“: Die Apothekerkammer schrieb Schulen an und bat um Anmeldungen, organisierte die Hin- und Rückfahrten für die Schüler und entwickelte in Abstimmung mit dem Apothekerverband, der Universität und den Studenten das Programm.

Das Programm orientierte sich in wesentlichen Teilen am ersten „Tag der Pharmazie“ 2011: Die Schüler erfuhren, wie ein Pharmaziestudium aufgebaut ist und welche Berufschancen sich bieten. Anschließend konnten sich die Teilnehmer über künftige Arbeitsplätze informieren und sich zum Beispiel an nasschemischen Nachweisen versuchen.

Eine entscheidende Veränderung war aus Sicht von Thoralf Kühne, dem stellvertretenden Kammergeschäftsführer, das Diskussionsforum zu den unterschiedlichen Berufsfeldern: Eine selbstständige Apothekerin, eine Bayer-Mitarbeiterin, eine Dozentin der Universität und ein Krankenhausapotheker erzählten den Schülern von ihrer Arbeit.

Das Interesse war groß: 2011 waren der Kammer zufolge rund 550 Schüler in Jena – gestern waren es mehr als doppelt so viele. Die Kosten für den Transport, das Mensaessen und das notwendige Material für den „Tag der Pharmazie“ tragen Apothekerkammer und -verband. Die Summe konnte Kühne am Tag nach der Veranstaltung noch nicht beziffern. Durch die Kooperation mit der Universität spare man aber die Raummiete, und die rund 100 Helfer seien allesamt ehrenamtlich tätig gewesen, betonte Kühne.

An der Universität Jena gibt es derzeit 80 Studienplätze im Fach Pharmazie. Der Numerus Clausus lag für dieses Wintersemester bei 1,1. Trotzdem erhofft sich die Apothekerkammer von dem Aktionstag mehr Bewerber: „Wir wollen die besten Köpfe“, erklärte Kühne. Da sei es ein Unterschied, ob sich 200 oder 600 Schüler bewerben.

Außerdem gebe es auf Dauer zu wenig Absolventen. In knapp der Hälfte der Thüringer Apotheken arbeitet der Kammer zufolge nur ein Apotheker. Falle dieser aus, drohe die Schließung der Apotheke. Da ein Drittel der Ein-Mann-Apotheken jeweils die einzige im Ort sei, habe jede Schließung erhebliche Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung.

„Wir brauchen wenigstens 50 Absolventen, die in Thüringen bleiben und in eine öffentliche Apotheke gehen“, sagte Kühne. Das Ziel sei daher, das Pharmazieinstitut zu erweitern und 50 neue Studienplätze zu schaffen. „Das lässt sich besser fordern, wenn ein hohes Interesse da ist.“

Um das Interesse der Schüler auch über den „Tag der Pharmazie“ hinaus zu fördern, hat die Kammer Starterpakete an alle Apotheken des Landes verteilt. Darin befindet sich unter anderem ein Quiz, mit dem im Rahmen eines Kurzpraktikums die Apotheke kennengelernt wird.

Aktionen wie den „Tag der Pharmazie“ könnte es künftig auch in anderen Bundesländern geben: Beim Deutschen Apothekertag (DAT) in Düsseldorf haben die Delegierten entschieden, eine bundesweite Kampagne zur Nachwuchsgewinnung zu initiieren. Der Antrag kam von der Thüringer Apothekerkammer, als Vorbild diente der Aktionstag.

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