Sprachbarrieren: Ich möchte gute Laune kaufen | APOTHEKE ADHOC
Notdienstgedanken

Sprachbarrieren: Ich möchte gute Laune kaufen

, Uhr
Berlin -

Die Globalisierung macht sich auch im Apothekenalltag bemerkbar und der Umgang mit Kunden, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, ist oftmals eine Herausforderung. Doch manchmal gibt es Momente, bei denen man selber schmunzeln muss.

Warm eingepackt stehe ich vor der Apothekentür, in meiner linken Hand halte ich meine Sporttasche, mit der rechten Hand suche ich den Schlüssel in den Tiefen meiner Handtasche. Es ist zwar kalt, aber wärmer als die vorherigen Wochen.

Dingdong!

Max: „Hey Sarah! Bist du es?“
Ich: „Lange nicht mehr gesehen. Alles gut bei dir?“
Max: „Ja, aber was ist denn mit dir? Geht es dir wieder besser? Du siehst noch angeschlagen aus.“
Ich: „Ich fühle mich bereit für den Notdienst.“
Max: „Das war nicht die Antwort auf meine Frage...“

Die ersten Stunden vergehen schnell, die erste Ratsuchende steht vor der Tür. Die Frau spricht nicht gut Deutsch, ich versuche mich in weiteren Sprachen mit ihr zu verständigen. Leider habe ich ihr Anliegen nicht verstanden. Welche Tabletten will sie? Sie hält ein DIN A4-Blatt in der Hand mit Farbe und Form hervorgehobene Stellen. In mein Auge springen sofort gelistete Dinge wie Pflaster, Schmerztabletten, Krankenversicherungskarte. „Einen Moment, hole ich Ihnen“ sage ich, ohne ihr die Möglichkeit zu geben, sich dazu zu äußern.

Zurück an der Notdienstklappe sagt sie, dass sie das schon hat. Ihr war es unangenehm, dass ich umsonst nach hinten gelaufen bin. Ich habe es an ihrem Antlitz gemerkt. Sie zeigt mit ihrem Finger auf „gute Laune“; die beiden Wörter waren umkreist. Hää, was soll das denn heißen? In der Apotheke kann man doch keine gute Laune kaufen… Bei genauerer Begutachtung des Blatts sehe ich, dass es sich um eine Packliste für eine Klassenfahrt handelt.

Sie: „Tochter, Schule.“ Jetzt macht es auch endlich Klick bei mir: Die Tochter verreist und die Eltern haben nicht verstanden, warum sie „gute Laune“ besorgen sollen. Den Rest hätten sie wohl schon erledigt. Ist doch auch komisch, wenn in einem langen Katalog mit materiellen Dingen plötzlich Wörter zur Gemütsverfassung aufgenommen sind. Ich versuche ihr zu erklären, was damit gemeint ist: Sie lächelt. Irgendwie tut sie mir auch Leid, sie hat den langen Weg auf sich genommen, weil der Koffer ihrer Tochter noch nicht fertig gepackt ist. Laut Packliste soll morgen die Reise beginnen. Zurück im Nachtdienstzimmer erwartet mich Max: „Schon anstrengend, wenn man die Sprache des Landes nicht kann.“ Ja, nicht nur für uns, sondern sicherlich auch für sie. Aber mit Kreativität und Improvisation lassen sich viele Fragen klären.

Diesmal ging es zwar nicht um Arzneimittel, doch dass die Menschen die Apotheke als Anlaufstelle nutzen, zeigt doch auch, das sie uns vertrauen.

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