„Der Ehrgeiz hat mich gepackt“

Nach sieben Jahren Vollzeit: PTA wird Apothekerin

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Berlin -

Laura (33) aus Karlsruhe hat sich im Anschluss an den Schulabschluss nach der 10. Klasse für die PTA-Ausbildung entschieden. Nach sieben Jahren Vollzeit in einer öffentlichen Apotheke traute sie sich zu studieren: Pharmazie. Und das ohne Abitur.

Im Januar 2010 hat Laura ihre Ausbildung zur PTA abgeschlossen. Die öffentliche Apotheke, in der sie ihr sechsmonatiges Praktikum bestritt, hatte sie damals so ins Herz geschlossen, dass sie nach bestandener Prüfung direkt dort angefangen hat. Und sie blieb – ganze sieben Jahre in Vollzeit.

Das berufliche Wohlbefinden schien allerdings nicht ganz vollständig. „Ich hatte schon immer im Hinterkopf, doch nochmal zu studieren.“ Sie wollte all das wissen, was ihre approbierten Kolleg:innen wissen, dieselbe Verantwortung tragen, die gleichen Aufgaben erledigen, eigenständig Entscheidungen treffen, ohne sich rückversichern zu müssen. „Mich hat auch die Pharmazie insgesamt wissenschaftlich so interessiert, ich wollte daher tiefer in die Thematik einsteigen. Und der Ehrgeiz hat mich gepackt.“

Studium ohne Hochschulreife

Die junge Frau hat kein Abitur, was im Regelfall Voraussetzung für ein Hochschulstudium ist. Dies erst einmal nachholen, darüber habe sie im Grunde schon kurz nach Beendigung der Ausbildung nachgedacht. „Aber ich wollte dann doch erstmal etwas Geld verdienen und außerdem konnte ich mich nicht losreißen von ‚meiner‘ Apotheke.“

Als ihr Freund, inzwischen Ehemann, berufsbedingt nach Berlin zog, machte sie sich schlau, welche Möglichkeiten sie hat, auch ohne Abitur Pharmazie studieren zu dürfen. „Dann habe ich einen Bericht über eine PTA gelesen, die aktuell genau diesen Weg geht. Das fand ich richtig toll und hat mich sehr motiviert. Daraufhin habe ich mir gesagt: jetzt oder nie!“

Von ihrer damaligen Chefin bekam sie einen Berufsnachweis, der für die Bewerbung an der Freien Universität (FU) notwendig war. Damit und mit ihren Abschlusszeugnissen wendete sie sich an die Studienverwaltung in Berlin. Aus ihren Unterlagen wurden vor Ort eine Note ermittelt und eine Hochschulzugangsberechtigung ausgestellt. Mit diesem Schreiben konnte sich Laura schließlich online, wie alle anderen Studienanwärter:innen, bewerben.

Und es hat geklappt: Sie zog kurzerhand von Karlsruhe nach Berlin zu ihrem Mann. Ab April 2017 ging sie täglich zur Universität und studierte Pharmazie. Die meisten ihrer Kommiliton:innen kamen frisch von der Schule und waren etwa zehn Jahre jünger. „Gestört hat das nicht.“

Nach dem achten Semster wurden die Kittel der Studierenden in der Uni aufgehängt. Auch der von Laura ist dabei.Foto : Apothekerin Laura

Wissensdrang, Ehrgeiz und Rückhalt

„Das Studium war hart“, berichtet Laura. „Gerade das Grundstudium war sehr anspruchsvoll, vor allem Mathematik und Physik – da habe ich meine Defizite gemerkt.“ Aber mit enorm viel Fleiß, Disziplin und freiwilligen Seminaren an der Universität sei es ihr gelungen, diese Differenzen aufzuholen. Sie konnte sich zudem stets auf die Unterstützung ihres Vaters verlassen, der sich als Elektroingenieur in der Physik gut auskennt und viel Zeit in die Nachhilfe seiner Tochter investiert hat.

Er war es auch, der Laura in ihrer Entscheidung bestärkt habe, das Studium zu wagen. „Mach‘s! Wenn du es nicht probierst, wirst du nie wissen, ob es geklappt hätte. Und du schaffst es, das weiß ich doch!“ Heute ist sich Laura sicher: „Das war ausschlaggebend für meinen Weg.“ Außerdem habe sie sich auf die volle Unterstützung ihres Ehemannes verlassen können, der ihr stets den Rücken freigehalten habe und sie immer wieder motiviert habe, vor allem in stressigen Phasen, weiter am Ball zu bleiben. „Ohne diesen Rückhalt, hätte ich es nicht geschafft.“

Insgesamt sei es allerdings eine herausfordernde Umstellung gewesen, wieder die Schulbank zu drücken. „Aber es hat sich echt gelohnt. Gerade im Hauptstudium habe ich gemerkt, dass es absolut die richtige Entscheidung war. Die Kenntnisse aus der Ausbildung zu intensivieren und tiefer in die einzelnen Themen einzusteigen, beispielsweise in die Materie der Arzneistoffwirkungen im Körper. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.“

Zurück nach Hause, zurück in die Apotheke

Im Praxisjahr (PJ) hat sie sechs Monate in die pharmazeutische Industrie reingeschnuppert. „Das fand ich auch interessant und hat Spaß gemacht, aber am Ende ist mein Platz in der öffentlichen Apotheke, bei den Patientinnen und Patienten in der Beratung.“

Laura zog mit ihrem Ehemann zurück in die Heimat nach Karlsruhe und verbrachte die verbleibende Zeit des PJ dort in der Offizin. Und auch diesmal gefiel es ihr in der ausbildenden Apotheke so gut, dass sie direkt nach der Approbation im August geblieben ist.

„Ehrlicherweise war es sogar immer mein Traum, eine eigene Apotheke zu haben, aber aufgrund der aktuellen Bedingungen bleibe ich sehr gerne erstmal angestellt. Ich will die Selbstständigkeit nicht ganz ausschließen, aber momentan scheint mir das unmöglich. Vielleicht hänge ich noch eine Weiterbildung zur Fach-Apothekerin dran, aber da habe ich mich noch nicht für eine bestimmte Richtung entschieden. Mit meinem Weg möchte ich andere PTA’s, die den gleichen Traum haben, bestärken, diesen in die Tat umzusetzen!“

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