Abwurf aus zehn Metern Höhe

Lieferung per Drohne: Testlauf mit Apotheke in Dessau

, Uhr aktualisiert am 11.02.2026 12:11 Uhr
Dessau-Roßlau -

Auch spät am Abend, am Wochenende oder Feiertag müssen schnell Medikamente her – etwa, um Schmerzen zu lindern. Vor allem in ländlichen Regionen kann das schwer bis unmöglich sein. Ein Forschungsprojekt aus Halle (Saale) will nun Abhilfe schaffen. Mit Medikamentenlieferungen per App, die wenig später vom Himmel fallen.

Schon seit 2019 beschäftigt sich das Berliner Unternehmen Labfly damit, wie Drohnen eingesetzt werden können, um Medikamente im Flug zu Patienten zu bringen. In Dessau konnten bislang 20 Patientinnen und Patienten aus der Luft heraus beliefert werden.

Die Vision von Labfly-Geschäftsführer Fischer ist, dass die Drohnen irgendwann auch zu Menschen nach Hause fliegen. Das ist bislang nicht möglich, denn wenn die Drohne kommt, muss sowohl an der Apotheke als auch beim Patienten geschultes Personal vor Ort sein. Momentan ist es also nur möglich, Medikamente zum Patienten zu fliegen, wenn die Kranken in Einrichtungen wie Pflegeheimen oder Hospizen leben.

Der Körper der Palli-Drohne wird von einem 3D-Drucker hergestellt. Die Drohne wiegt rund acht Kilogramm und trägt die maximal ein Kilo schwere Medikamentenlieferung im Bauch. Über dem Abwurfort schwebend öffnet sich ihr Korpus und das Päckchen fällt zu Boden.

Steuerung von Berlin aus

Grundlage dafür, dass Medikamente durch die Luft schweben und abgeworfen werden können, sind Genehmigungen. Das Luftfahrt-Bundesamt hat Fischer zufolge vor Kurzem eine Abwurfgenehmigung für Medikamente über besiedeltem Gebiet erteilt. Ihm nach ist es damit zum ersten Mal in Deutschland möglich, dass eine Drohne im Dienst von Apotheken fliegt.

Andere Drohnen seines Unternehmens fliegen in der Schwäbischen Alb schon mehrfach täglich Laborproben von Krankenhäusern umher. Die Piloten der Drohnen sitzen in Berlin. Nun soll der Einsatz im Regelbetrieb von Heimen und Hospizen folgen. Die häusliche Pflege ist dann das nächste Ziel. Bis dahin müssen laut Fischer jedoch noch einige Hürden genommen werden – unter anderem sind weitere Genehmigungen nötig.

Engpässe ausgleichen

Im Rahmen des Projektes soll auch wissenschaftlich untersucht werden, ob eine Drohne gegenüber dem Medikamenten-Transport mit dem Auto wirklich Vorteile hat. Neben der Schnelligkeit und Einfachheit der Bestellung könnte ein entscheidender Vorteil sein, dass die Drohnen vor allem Menschen im ländlichen Raum ermöglichen könnten, länger zu Hause leben und gepflegt werden zu können.

Eine Erkenntnis des Forschungsteams ist bislang, dass es in der Versorgung vor allem am Nachmittag, Wochenende und in der Nacht zu Engpässen kommt. Hier soll die Drohne also die entscheidende Abhilfe schaffen.

Ein ähnliches Projekt wurde bereits 2020 von den gleichen Akteuren an den Start gebracht, damals aufgrund der Gegebenheiten während der Corona-Pandemie. Nun läuft das Projekt, das sich „PalliDrohne“ nennt, ebenfalls wieder mit der Apotheke am Bauhaus in Dessau-Roßlau. Angesiedelt ist es bei der Universitätsmedizin Halle (Salle) innerhalb der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten „Versorgungswissenschaftlichen Evaluation der Effektivität und des Mehrwerts einer drohnenbasierten Medikamentenlieferung in der Palliativversorgung“. Das Fördervolumen beträgt fast 624.000 Euro.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte