Studentenproteste

Mediziner gehen auf die Barrikaden

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Berlin -

Die Medizinstudierenden im Hartmannbund und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (BVMD) haben die Studenten aller medizinischen Fakultäten am 18. Mai zu einem bundesweiten Aktionstag aufgerufen. Die Aktion steht unter dem Motto #RichtigGuteÄrzteWerden. Hintergrund der Proteste ist der „Masterplan Medizinstudium 2020“, dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Reformvorhaben der Bundesregierung.

An mehr als 20 medizinischen Fakultäten in ganz Deutschland finden morgen Protestmärsche, Informationsveranstaltungen und Podiumsdiskussionen statt. Sie werden von Hartmannbund und BVMD koordiniert und unterstützt. Aus Sicht der Verbände müssen die Studenten mehr Möglichkeiten haben, im Studium eigene Schwerpunkte zu setzen. Sie fordern zudem eine bessere wissenschaftliche Ausbildung.

Die wichtigsten Themen sind die zielgerichtete Auswahl der Studienplatzbewerber, ein früher Praxis- und Patientenkontakt im Studium sowie die schnelle Einbindung der Allgemeinmedizin. Die Einführung einer Landarztquote wird abgelehnt: Damit sollen sich Studienplatzbewerber dazu verpflichten, nach dem Abschluss in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Das greife unangemessen in die persönliche Entscheidungsfreiheit der Studenten ein, heißt es aus den Verbänden. Auch einen verpflichtenden PJ-Abschnitt in der Allgemeinmedizin lehnen die Studenten ab. Am Aktionstag sollen darüber hinaus lokale Probleme und Forderungen aufgegriffen werden.

Moritz Völker, Vorsitzender des Ausschusses der Medizinstudierenden im Hartmannbund, und Sukhdeep Arora, Präsident der BVMD, erklären den Hintergrund der Veranstaltungen: „Mit diesem Aktionstag wollen wir alle Medizinstudierenden in Deutschland darüber informieren, welche Veränderungsvorschläge diskutiert werden und bei welchen vorgeschlagenen Maßnahmen wir große Bedenken haben.“

In den vergangenen Monaten sei zwar viel über den „Masterplan Medizinstudium 2020“ geredet worden. Doch bisher sei noch immer nicht klar, ob die Landarztquote und ein Pflichtabschnitt Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr (PJ) vom Tisch seien.

„Wir knüpfen große Hoffnungen und Erwartungen an das aktuelle Reformvorhaben von Bund und Ländern“, so die beiden Studentenvertreter. Aber allein die Allgemeinmedizin in den Fokus der aktuellen Debatten zu stellen, werde der notwendigen Reform des Medizinstudiums nicht gerecht. Das Medizinstudium solle insgesamt sinnvoll weiterentwickelt werden. „Nur so können wir richtig gute Ärzte werden“, sind sich Völker und Arora einig.

Die Medizinstudenten wollen auch das PJ reformieren. Sie fühlen sich ausgebeutet: Die ärztliche Approbationsordnung erlaubt für die Praktikanten höchstens eine Aufwandsentschädigung bis zum BAföG-Höchstsatz von derzeit 597 Euro monatlich. Einen Mindestsatz gibt es dagegen nicht. Zudem stehen den angehenden Ärzten im PJ nur 30 Fehltage zu; dabei ist nicht eindeutig geregelt, ob es sich dabei nur um Urlaubs- oder auch um Krankheitstage handelt.

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