Fulda

Apotheke wird Fielmann-Filiale

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Berlin -

Wenn Ärzte gehen, wird es oft auch für die Apotheke eng. So erging es Askan Fahr-Becker mit seiner Hof-Apotheke zum Schwan in Fulda. Nachdem fast alle Ärzte in die Peripherie zogen, musste er die Apotheke in der Innenstadt Ende September schließen. 357 Jahre gab es die ehemals fürstlich privilegierte Apotheke in der Marktstraße.

Schon 1658 öffnete die Hof-Apotheke in bester Innenstadtlage. Der Keller ist aus dieser Zeit erhalten geblieben. Wechselnde Inhaber versorgten die Stadt mit Medikamenten. 1904 ging die Apotheke in den Familienbesitz von Fahr-Becker über; sein Großvater hatte sie gekauft. Das heutige Gebäude entstand Ende der 1950er, es ist denkmalgeschützt und umfasst eine Grundfläche von 350 Quadratmetern. „Die Hof-Apotheke zum Schwan war eine Institution und eine der ältesten Apotheken in Fulda“, sagt Fahr-Becker. Seine Kunden bedauerten die Schließung sehr.

Doch die Bekanntheit der Apotheke allein reichte nicht aus: „In den vergangenen Jahren zogen die Ärzte scharenweise an den Stadtrand in Ärztehäuser“, berichtet Fahr-Becker. 40 bis 50 Ärzte seien weggezogen, schätzt er. Hinzu komme, dass auch andere Geschäfte um die Apotheke herum leer stünden, da es Kunden in die Einkaufszentren am Stadtrand zöge. „Dadurch haben wir einen Frequenzeinbruch von 25 Prozent“, berichtet Fahr-Becker. Er befürchtet, dass andere Apotheken in der Innenstadt dem gleichen Schicksal erliegen könnten. „Ich habe mit Kollegen gesprochen; sie kennen die Probleme“, sagt er.

Seine Lage habe sich aber noch etwas anders dargestellt, weil ihm das Gebäude der nun geschlossenen Apotheke gehöre. Nachdem Mitte vergangenen Jahres feststand, dass die Hof-Apotheke schließen würde, fand sich schnell ein Nachmieter: „Der Optiker Fielmann hatte uns angesprochen. Im kommenden April oder Mai wird eine Filiale einziehen“, sagt Fahr-Becker. Bis dahin werde das Haus noch renoviert.

Ursprünglich sollte die Apotheke erst zum Jahresende schließen. „Mir war vor allem wichtig, dass alle meine neun Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz finden“, sagt Fahr-Becker. Vier habe er in seiner Hauptapotheke am Bahnhof unterbringen können. Die weiteren fünf hätten sehr schnell eine Anstellung in anderen Fuldaer Apotheken gefunden. „Es hätte sich nicht mehr gelohnt, die Apotheke bis zum Jahreswechsel zu betreiben“, sagt er. Er hat die Hof-Apotheke daher am 30. September geschlossen.

Die Einrichtung und auch einige historische Gefäße habe er am vergangenen Samstag verkauft. „Eine junge Frau hat das für uns übernommen“, erzählt er. Sie habe einen kleinen Flohmarkt organisiert. Teile der Apothekeneinrichtung aus den 1960er Jahren hätten Bastler erworben. Die Reste der Ausstattung habe er wegwerfen müssen. „Die war bereits 20 Jahre alt, hatte ihre Lebensdauer also schon überschritten“, so Fahr-Becker.

Fahr-Becker und seine Frau, die ebenfalls Apothekerin ist, wollen sich nun langsam aus dem Betrieb zurückziehen. „Ich bin 71, sie ist 66. Wir finden, wir haben genug gearbeitet“, so Fahr-Becker. Seine Tochter soll dann die Bahnhof-Apotheke allein führen; derzeit stehen ihr die Eltern noch zur Seite. „Wir würden dann noch gelegentlich die Vertretung für sie übernehmen. Aber wir freuen uns auf den Ruhestand“, sagt er.

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