Unterfranken

„Rezeptsammelstelle ist nur die B-Lösung“

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Berlin -

Der Gedanke an die fehlende Apotheke im Ort löst bei Bürgermeister Volker Schmitt aus dem fränkischen Schwarzach ein Stirnrunzeln aus. Der Politiker bemüht sich seit Monaten um einen neuen Pharmazeuten für die rund 3500 Einwohner zählende Gemeinde. Zwei Hausärzte sind vorhanden, allerdings fehlen geeignete Räume für die Offizin.

Apothekerin Ursula Steinbrenner hatte mit der Nachfolgersuche keinen Erfolg. Die 72-Jährige hatte ihre Benediktiner-Apotheke Mitte September geschlossen. Seitdem führt Schmitt Gespräche mit Pharmazeuten und Vermietern. Denn die Besitzerin des alten Standorts hatte mit den Räumen andere Pläne.

Schmitt will die aktuelle Versorgungssituation der Gemeinde verbessern. „Es ist aber unglaublich schwierig, einen Apotheker zu finden.“ Aktuell sei er mit einem Kandidaten im Gespräch. Eventuell gebe es auch einen geeigneten Standort. Dort wird allerdings noch ein anderes Gewerbe betrieben.

Konkretes will Schmitt nicht verraten. „Ich bin vorsichtig geworden, weil ich schon einmal sehr euphorisch war.“ Die größte Hürde für Interessenten sei die Finanzierung der Räume. Die Investitionen in einen komplett neuen Standort seien hoch. Schmitt kennt die Thematik. Als ehemaliger Bankkaufmann hat er auch Apotheker beraten.

Jetzt wurde eine Rezeptsammelstelle installiert. „Sie ist aber nur eine B-Lösung“, sagt Schmitt. Die Abholbox wird von Martin Müller aus der rund zehn Kilometer entfernten Stadt Kitzingen betreut. Der Inhaber der Apotheke im Ärztehaus beliefert die Rezepte, die bis 9.15 Uhr eingeworfen werden, noch am selben Tag. Später eingegangene Verordnungen kommen am Folgetag bei den Patienten an. Der Briefkasten wird montags bis freitags angefahren. Der Service ist kostenlos.

Die ärztliche Versorgung sei gesichert, freut sich Schmitt. Für einen Arzt, der 65 Jahre alt ist, sei ein Nachfolger gefunden worden. Der Mediziner werde im Herbst nach Schwarzach wechseln. Er wird sich mit einem 50-jährigen Kollegen eine Praxis teilen.

Gefährdet sei die Arzneimittelversorgung in den sechs Ortsteilen derzeit nicht, so Schmitt. Neben der Apotheke in Kitzingen liefert auch eine Apotheke aus dem rund 20 Kilometer entfernten Ort Dettelbach an Patienten in Schwarzach. Trotzdem hofft Schmitt, doch noch einen Pharmazeuten für die Gemeinde finden zu können.

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