Hubertus-Apotheke feiert Jubiläum

„Es braucht ein ehrliches Bekenntnis der Politik“

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Berlin -

Im August 2016 übernahmen Lucie und Jonas Wedler die Hubertus-Apotheke in Bad Lauterberg im Harz. Nun feierte das Apotheker-Ehepaar das zehnjährige Jubiläum. Mittlerweile führen die beiden drei Apotheken im Verbund und profitieren von den Synergien.

„Wir haben unseren ersten Schritt in die Selbstständigkeit zu einem besonderen Zeitpunkt gemacht“, erklärt Jonas Wedler: Zwei Monate nach der Übernahme, im Oktober 2016, stellte der Europäische Gerichtshof (EuGH) ausländische Versandapotheken von der Preisbindung frei. Seitdem seien die berufspolitischen Rahmenbedingungen eher schlechter als besser geworden.

Die beiden Apotheker blieben dennoch zuversichtlich. Zunächst hatten sie ihr Projekt auf fünf Jahre angelegt. „Wir wollten dann schauen, wo wir stehen“, erklärt Wedler. „Man kann sagen: Die grundsätzliche Entscheidung, über die wir nachgedacht haben, ob uns die Selbstständigkeit, das Unternehmertum und die Arbeit in der Offizin gefallen, konnten wir rundum bejahen.“

Mittlerweile ist die Hubertus-Apotheke eine von drei Apotheken, die das Ehepaar im Verbund führt. Anfangs habe seine Frau den Löwenanteil vor Ort geleistet, weil er noch an seiner Doktorarbeit gearbeitet habe. Im darauffolgenden Jahr übernahm er die elterliche St.-Nikolai-Apotheke in Bad Sachsa, mittlerweile die Hauptapotheke in dem Dreierverbund. „Das war schon ein bisschen sportlich, denn da war unser kleiner Sohn schon auf der Welt, der natürlich auch seine Aufmerksamkeit brauchte – aber irgendwie klappt es immer“, berichtet der Apotheker.

Offiziell ist seine Frau Inhaberin der Apotheke am Postplatz. „Aber wir sind ein Familienunternehmen – ein Familienverbund mit drei Apotheken“, betont Wedler. In dem Verbund sieht das Ehepaar viele Vorteile, weil sich Synergien ergeben, wie ein größerer Mitarbeiterpool – zum Beispiel im Krankheitsfall – oder auch die Möglichkeit eines Warenlageraustauschs.

„Wir haben ein ganz tolles und stabiles Team an unserer Seite“, lobt das Ehepaar. „Eine Apotheke ist kein Einmannbetrieb, sondern eine Teamleistung.“

Bild der Hubertus-Apotheke von außen
Schon seit 71 Jahren versorgt die Hubertus-Apotheke unter wechselnder Inhaberschaft die Patientinnen und Patienten in der Region.Foto: Jan Fiedler

Versandhandelsverbot

Seit das Ehepaar den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat, seien die Zeiten wenigstens politisch für die Branche nicht besser geworden. „Die Politik macht es uns sehr schwer“, meint die Apothekerin. Dabei lägen die Lösungen teils auf der Hand: „Ein Verbot für den Versandhandel würde schon reichen.“ Hinsichtlich der ständigen Vergleiche der Kundschaft zwischen der Vor-Ort-Versorgung und dem Versandhandel seien die Apotheken machtlos.

„Es braucht ein ehrliches Bekenntnis, in welcher Rolle die Apotheke vor Ort tatsächlich gewünscht und nicht – wie andere Leistungserbringer auch – als notwendiges Übel gesehen wird. Ich wünsche mir ein bisschen mehr Ehrlichkeit von der Politik, schließlich hat uns der Staat zur Arzneimittelversorgung berufen und nicht umgekehrt“, betont auch Jonas Wedler.

Dass nun endlich das Fixum angehoben werde, sei zwar positiv, man dürfe dabei aber nicht vergessen, wie lange es eben nicht angepasst wurde – obwohl doch die Kosten unbestreitbar gestiegen seien. Die Erhöhung sei damit längst überfällig und noch nicht einmal ausreichend, kritisiert das Paar. „Außerdem muss eine regelmäßige Dynamisierung her, sodass wir nicht wieder zehn Jahre kämpfen müssen.“

Kompetenzerweiterungen

Auch den Bereich der Kompetenzerweiterungen sehen Lucie und Jonas Wedler kritisch. „Ich bin nicht grundsätzlich gegen Kompetenzerweiterungen, solange sie keine Kompetenzen anderer Berufe berühren“, betont der Apotheker. Er könne nachvollziehen, dass die Ärzteschaft wenig begeistert sei, zum Beispiel beim Thema Impfungen. „Wir wurden dafür nicht originär ausgebildet“, gibt er zu bedenken. Statt die beiden Gesundheitsberufe gegeneinander auszuspielen, sollte die Politik seiner Ansicht nach bessere Rahmenbedingungen herbeiführen, damit Ärzte und Apotheker besser miteinander arbeiten können.

Jubiläumsfeier am 19. August

Die Hubertus-Apotheke sei eine „typische kleine Apotheke in einem Kleinstadtviertel“, erklärt Jonas Wedler. Die Bevölkerung sei sehr froh, dass es diese Apotheke gebe. „Die Apotheke hat für ihre Kundschaft immer ein offenes Ohr und ist damit eben auch ein wichtiger sozialer Anker für die Menschen – das alleine ist schon sehr wertvoll für eine Gesellschaft.“

Schon seit Juli 1955 – also seit stolzen 71 Jahren – versorgt die Hubertus-Apotheke unter wechselnder Inhaberschaft die örtliche Bevölkerung.

Feiern wollte das Paar deswegen auch mit den Kunden: „Am 19. August haben wir das zehnjährige Jubiläum in der Apotheke gefeiert – für unsere Patientinnen und Patienten mit Eis!“, so Lucie Wedler.

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