Covid-19 und Ruhr-60: Ein Oberpharmazierat erinnert sich

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Nächstes Problem die Signatur. Da nassklebende Etiketten nicht hafteten, kauften wir vom gegenüber liegenden Papierwarengeschäft Umschlagpapier – eigentlich zum Schutz von Schulbüchern gedacht – und umklebten damit die Tuben. Zuvor wurden Anwendungsvorschrift und „WZ “ (Warenzeichen) aufgebracht. Dazu war uns quasi von einem Tag zum anderen ein spezieller Stempel gefertigt worden. Unkonventionelle Hilfsbereitschaft allerorten.

Unser Gelee wurde nun in den Zylinder der Tubenfüllmaschine gegeben und per Kolbendruck in die aufgestülpten Tuben geschoben. Mir hat das Drehen am „Steuerrad“ zur Steuerung des Pressstrangs Riesenspaß gemacht. Die Steuerung musste sensibel sein, sonst schoss die Tube ins Labor und das Gelee noch hinterher. Ich habe dann aber meinen Kolleginnen vertraut und ihnen die Freude gegönnt.

(Wen es interessiert, der kann sich auf acht Seiten des Arzneimittelverzeichnisses der DDR 1988 über das damalige Sortiment zur Hände-, Haut-, Flächen-, Raum-, Instrumenten-, Wäschedesinfektion sowie von Ausscheidungen informieren. Als Achtes der Liste findet sich ein Kapitel „Virusinfektionen“. Ausführliche Übersichten über Wirk-, Anwendungszeiten, auch welche Desinfizientia kompatibel und welches nicht.)

Warum Desinfektionsgelee Grün? Wozu auch immer, in der Apotheke war ein Fläschchen Chlorophyll-Extrakt. So konnte unser Produkt attraktiviert werden. Grün ist die Farbe der Hoffnung und der Extrakt gewiss Bio.

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