Karneval

Die Narren sind los – oder eben nicht

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Berlin -

Heute ist er wieder gefallen, der Startschuss für alle Jecken. Der 11. November bedeutet traditionell den Beginn der Karnevalssaison. Gerade in den Hochburgen beginnt damit auch wieder die Zeit des Feierns. In den Apotheken geht es heute allerdings noch ruhig zu – richtig wild wird es erst Anfang Februar.

Wer annimmt, dass um 11.11 Uhr die Sektkorken bei den jecken Apothekern knallten, der täuscht. In der Kölner Paradies-Apotheke von Dirk Vongehr gibt es beispielsweise keine Einschränkungen durch den Beginn der fünften Jahreszeit. Zwar hätten sich einige Angestellte extra zum Feiern frei genommen, der Großteil der Belegschaft arbeitet allerdings ganz normal – und ohne Verkleidung.

In den meisten rheinländischen Apotheken und im Rest der Republik sieht es heute nicht anders aus. Auch in der Kapuziner Apotheke oder der Steinern Apotheke sind die Angestellten noch nicht im Karneval-Fieber. Dass sich hier jemand für den Tag frei nimmt, ist eher die Ausnahme. Abseits der Apotheken sind die Feierwütigen hingegen schon seit den Morgenstunden unterwegs.

Anders verhält es sich wiederum bei den Kollegen aus der Birken-Apotheke unter der Leitung von Erik Tenberken. Zwar kämen er und sein Team an diesem besonderen Tag „natürlich unserer Pflicht nach“. Geschlossen werde die Apotheke nicht. Spurlos geht der Tag aber nicht vorüber: „Wir sind hier in Kölle, da gibt es keine Regeln“, stellt Tenberken klar. Und so dürften seine Angestellten selbstverständlich auch in Verkleidung zur Arbeit erscheinen. Auch auf die kostümierten Kunden freut er sich schon. In Köln sei eben alles lockerer.

Die normalen Urlaubsregelungen werden dafür jedoch nicht außer Kraft gesetzt. Somit konnten sich heute auch nur so viele Angestellte zum Feiern abmelden, wie das an jedem anderen Tag der Fall gewesen wäre. Als „echter kölscher Jung“ ist Tenberken im Karnevalsverein. Ein Besuch einer der vielen Sitzungen zusammen mit dem gesamten Team ist inzwischen zur Tradition geworden.

Dem Treiben, das viele bereits am 11. November veranstalten, kann Apotheker Gunther Franke (Ubier Apotheke) hingegen überhaupt nichts abgewinnen. Mit der ursprünglichen Tradition hätten die Partys zu Beginn der Karnevalszeit nämlich überhaupt nichts zu tun. Kurz vor dem Mittag schon trinkend durch die Straßen zu ziehen, sei seiner Meinung nach „ein Verkommen“.

Früher hätten sich die Karnevalisten nach der Arbeit schick gemacht und wären dann in eine der Kneipen am Alter Markt gezogen. Alles sei gesitteter abgelaufen. „Was jetzt passiert, ist nur pervers.“ Ihm graute es schon etwas vor heute, für einen Ur-Kölner sei es unverständlich, wie vermeintliche Karnevalisten die Saison begehen.

Noch nie sei der Tag so exzessiv gefeiert worden wie heutzutage. Ganz den Bräuchen entsprechend geht es bei Franke erst zum Ende der Karnevalssession bunter zu. Besonders die Weiberfastnacht und natürlich der Rosenmontag seien für ihn und sein Team wichtige Termine. Sich dann zu verkleiden, sei bei ihm sogar „ein Einstellungskriterium“ und Pflicht. „Da gehört sich das so.“

Diese Termine seien inoffizielle Feiertagen, gearbeitet wird da nicht. Wer kein Karnevalist ist, bekäme natürlich trotzdem seinen freien Tag. Der Rosenmontag kommt in dieser Saison um einiges früher als sonst. Bereits Anfang Februar ist im kommenden Jahr wieder alles vorbei. Für die Jecken ergibt sich dadurch ein straffer Zeitplan, da es vielerorts durch die weihnachtliche Pause erst im nächsten Jahr so richtig los geht.

Bleibt die Apotheke zu Weiberfastnacht und/oder Rosenmontag geschlossen, müssen sich die Inhaber an die gesetzlichen Vorgaben halten. Demnach handelt es sich weder um gesetzliche Feiertage noch um Tage, an denen wegen der Ladenschlussgesetze der Länder ein Zeitpunkt festgelegt ist, zu dem Geschäfte geschlossen sein müssten. „Im Klartext: Es dürfen keine Minusstunden oder gar Urlaubszeiten angerechnet werden“, heißt es dazu von der Adexa.

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