Bandenkriminalität

Apotheker erpresst, Rocker im Knast

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Berlin -

Weil er einen Apotheker und Medizinprofessor aus Münster bedroht, eingeschüchtert und erpresst hat, wurde ein Rocker der Gruppe „United Tribunes“ vom Landgericht Duisburg verurteilt. Der Angeklagte muss wegen versuchter räuberischer Erpressung, Nötigung und Anstiftung zur Körperverletzung für drei Jahre ins Gefängnis. Der Prozess um den fimreifen Fall, in dem es um lukrative Pharmageschäfte im Ausland, eine gewaltbereite Rockergruppe und sehr viel Geld ging, wurde nach 13 Verhandlungstagen beendet.

Zum Auftakt des Prozesses im Juni waren insgesamt fünf Männer angeklagt, die zuvor irgendwann Mitglied der United Tribunes waren. Der Hauptangeklagte, ein 27-jähriger Duisburger, machte vor zwei Jahren die Bekanntschaft mit einem Medizinprofessor am Universitätsklinikum in Münster. Der Arzt war im Streit mit einer Gruppe von Albanern, die eine Baufirma betrieben und ein Projekt für ihn durchführten. Laut LG wendete sich der Mediziner deshalb mit 12.000 Euro und einer „nicht näher bestimmten Hilfe“ an den Hauptangeklagten, um das Problem zu lösen.

Der 27-Jährige erfuhr mit der Zeit vom Unternehmen des Professors, an dem auch der Apotheker einst beteiligt war. Medienberichten zufolge handelte es sich bei der Firma um einen Pharmahändler. Der Hauptangeklagte witterte das große Geschäft mit Medikamenten. Der Apotheker schuldete seinem Geschäftspartner offenbar Geld. Der Professor schickte erneut seine Schläger vor, um das Problem zu lösen.

Im Oktober 2014 kamen der Hauptangeklagte und zwei Begleiter in die Offizin des 45-jährigen Apothekers. Er sollte seinen ehemaligen Geschäftspartner auszahlen. Sie sollen den Pharmazeuten und seine Familie bedroht und Geld im sechsstelligen Bereich erpresst haben.

Einen Monat später soll der Apotheker seinem Geschäftspartner das Geld schließlich übergeben haben. Der Hauptangeklagte habe vom Professor aber nur ungefähr die Hälfte der für den „Gefallen“ vereinbarten Summe erhalten. Zudem hatte er für Geschäfte mit Arzneimitteln im Libanon Schmiergeld gezahlt – die kamen aber nicht zustande. Das brachte den Anführer der Gang auf die Palme.

Um das Geld einzutreiben, lockte er den Gelehrten in ein leer stehendes Gebäude. Umgeben von fünf Männern, teils mit Kettensäge und Revolver, wurde der Medizinprofessor bedroht und erpresst. Nachdem er sein Hab und Gut aus den Hosentaschen entleert und eingewilligt hatte, 250.000 Euro an die Rocker zu zahlen, ließ die Bande ihn gehen. Erst dann ging der Professor zur Polizei.

Der Mediziner hat während seiner Aussage vor Gericht plötzlich von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, um sich nicht selbst zu belasten. Diese vier Komplizen kamen mit einem blauen Auge davon: Das Gericht verurteilte sie zu Freiheitsstrafen auf Bewährung zwischen zehn und 21 Monaten.

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