Versandhandel

Gefunden: Medikamente auf Otto.de

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Berlin -

Die Apothekenwelt redet über Amazon, doch auch andere Plattformen haben Arzneimittel als Geschäftszweig für sich entdeckt. Seit Kurzem können Kunden über Otto.de verschiedene OTC-Medikamente und apothekenexklusive Marken beziehen. Das Hamburger Versandhaus arbeitet mit Mycare zusammen.

Seit April werden auf Otto.de ausgewählte OTC- und Freiwahlmarken angeboten. Für Verkauf und Versand ist Mycare verantwortlich; die Bestellung läuft zwar über die Website von Otto, Ware und Rechnung kommen aber direkt aus Wittenberg. Es gelten auf die AGB der Versandapotheke.

Nur ein ausgewähltes Portfolio ist bei Otto zu finden. Wer etwa nach Ibuprofen sucht, bekommt nur Generika von AbZ, Aliud und Heumann, die Eigenmarke Docpharm sowie Nurofen und Eudorlin angezeigt. Dazu kommen die topischen Formen von Proff und Doc. Diclofenac gibt es als Tablette exklusiv von Zentiva, das Gel von Heumann und die Pflaster von Ratiopharm.

Die meisten Präparate werden mit Rabatt beworben. So kommt es, dass die 20er Packung Ibuprofen 400 von Aliud einen Cent preiswerter ist als die Packung mit zehn Tabletten. Priorin wird in der Packung mit 120 Kapsel zu 32,99 statt 47,12 Euro angeboten, das entspricht ungefähr dem Preis, zu dem auch die Drogeriekette dm die Haarpflege anbietet. Allerdings gibt es keine Angabe, wie sich die Listenpreise errechnen. Die üblichen Sternchenhinweise fehlen; in der Vergangenheit wurden bereits mehrfach Versandapotheken wegen solcher Verstöße abgemahnt.

Insgesamt sind in der Rubrik Medikamente derzeit rund 4400 Artikel zu finden, dazu gehören allerdings auch beispielsweise Blutzuckermessgeräte. Die Versandkosten liegen bei 2,95 Euro, ab 20 Euro Einkaufswert wird frei Haus geliefert. Gutscheine können über diesen Kanal nicht eingelöst werden, weder solche von Otto noch von Mycare.

Für das Angebot, also vor allem Produktauswahl und Preise, ist laut einem Konzernsprecher alleine Mycare verantwortlich. Das Projekt sei gut angelaufen, Erfahrungswerte könne man aber frühestens nach einem halben Jahr mitteilen, so der Sprecher.

Bei der Suche werden auch Artikel angezeigt, für die sich andere Kunden ebenfalls interessiert haben. Das Konzept läuft ebenfalls noch nicht ganz rund: Wer etwa Voltaren kaufen will, bekommt als Vorschlag unter anderem einen Backofenreiniger, einen Heizgürtel, und ein Glücksschwein aus Schokolade vorgeschlagen.

Otto hat neben Mycare weitere Partner, die ihre Artikel im eigenen Namen und auf eigene Rechnung über den Webshop anbieten. Dazu gehören beispielsweise Baby-Walz, Butlers, Bücher.de, Esprit, Friesland Porzellan, Mövenpick Wein, Schuhplus, Villeroy & Boch sowie mehrere Möbelhäuser.

Otto und Mycare kooperieren bereits seit 2009. Kunden des Versandhauses erhielten zunächst mit ihrem Katalog oder ihrer Bestellung den Prospekt der Versandapotheke. Außerdem gab es für Otto-Kunden einen Einkaufsgutschein über 5 Euro. Zuvor hatte Otto für DocMorris geworben; im vergangenen Jahr wies das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) eine Beschwerde des Versandhändlers gegen ein entsprechendes Urteil des Bundesgerichtshof (BGH) zurück. Die Logistiksparte Hermes liefert für zahlreiche Versandapotheken aus und kooperierte eine Zeitlang intensiver mit der Europa Apotheek.

Anfang 2012 war Otto in Hamburg mit Vitabote an den Start gegangen. Kunden sollten online Arzneimittel bestellen und in einer der teilnehmenden Apotheken abholen oder sich bringen lassen; die Partner sollten Lizenzgebühren und Umsatzprovisionen bezahlen. Ziel war eine bundesweite Abdeckung, doch in Hamburg hatte der Konzern nur zwei Dutzend Apotheken für das Konzept gewinnen können. Das Modell wurde 2014 eingestellt.

Der Versandhandel ist nur ein kleiner Teil der Otto-Group mit 12,5 Milliarden Euro Umsatz und weltweit knapp 50.000 Mitarbeitern. Zum Konzern gehören mehr als 123 Gesellschaften, darunter in Deutschland bekannte Unternehmen wie Bonprix, Mytoys und SportScheck. Mit einem Onlineumsatz von 7 Milliarden Euro gehört Otto nach eigenen Angaben zu den weltweit größten Onlinehändlern.

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