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Zur Rose: Saudis wollen einsteigen

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Berlin -

Das saudische Königshaus interessiert sich für einen Einstieg bei Zur Rose. Der Verwaltungsrat des DocMorris-Mutterkonzerns teilt mit, dass die Al Faisaliah Group gerne als Großaktionär investieren würde und ein öffentliches Übernahmeangebot vorgelegt hat.

Die Al Faisaliah Group wurde 1970 von Abdullah Al Faisal gegründet, Enkel von Staatsgründer Abd al-Aziz ibn Saud und ältester Sohn von Faisal bin Abdulaziz Al Saud, saudischer König von 1964 bis 1975. Seit seinem Tod im Jahr 2007 steht Prinz Faisal Al Abdullah Al Faisal an der Spitze der Gruppe, die hauptsächlich in den Bereichen Elektronik, Landwirtschaft, Lebensmittel und Healthcare aktiv ist. Strategische Partnerschaften gibt es mit global bekannten Namen wie Philips, Danone, Sony und Accenture.

Laut Zur Rose wollen die Saudis eine Minderheitsbeteiligung von 2,4 bis maximal 10 Prozent erwerben und langfristiger Aktionär werden will. Der Verwaltungsrat hat sich entschieden, gegenüber seinen Aktionären keine Handlungsempfehlung abzugeben. Mit dem vorliegenden Angebot würden alle Aktionäre gleich behandelt; für ausstiegswillige Aktionäre schaffe das Angebot daher die entsprechende Liquidität. „Es sind dem Verwaltungsrat jedoch keine größeren Aktionäre bekannt, die ihre Anteile verkaufen wollen.“ Das seit einigen Monaten verstärkte Anlegerinteresse habe bereits in einer entsprechenden Kursentwicklung Niederschlag gefunden.

Die ehemalige Ärzte-Gruppe hat seit Sommer erstmals in ihrer Geschichte überhaupt einen Großaktionär: Im Juni hatte Zur Rose mit der schweizerischen Unternehmerfamilie Frey einen Investor gefunden, der per Kapitalerhöhung in zwei Tranchen für 40 Millionen Schweizer Franken 22 Prozent der Anteile übernommen hat. Bislang durfte kein Aktionär mehr als 3 Prozent der Stimmrechte auf sich vereinen. Zur Rose hatte zuletzt rund 2200 Aktionäre, längst nicht mehr nur Mediziner. Die Anteilsscheine werden nur in der Schweiz über drei Banken gehandelt.

Schon im September ging bei den Anteilseignern ein freiwilliges Übernahmeangebot ein. Taunus Capital Management aus Frankfurt bot 21,75 Euro je Aktie; das Angebot war auf 15.000 Aktien begrenzt, entsprechend weniger als 0,5 Prozent des Grundkapitals. An der Börse war die Aktie damals bereits rund 40 Euro wert.

Mit den zusätzlichen Millionen will Zur Rose die geplante Wachstumsstrategie finanzieren und ihre Position im europäischen Markt weiter ausbauen. In den kommenden Jahren werden die Anteilseigner keine Dividende erwarten können: Firmenchef Walter Oberhänsli hat erklärt, dass Zur Rose bis 2019 nicht auf die Ertragsseite schauen, sondern in Wachstum investieren werde. In Deutschland steht nach dem EuGH-Urteil der Rx-Versandhandel im Fokus. In der Schweiz hatte Anfang August der erste Flagshipstore eröffnet.

Schon im kommenden Jahr könnte bei Zur Rose die nächste Finanzierungsrunde folgen. Im Dezember 2017 wird eine Anleihe über 50 Millionen Franken zur Rückzahlung fällig, die Zur Rose 2012 begeben hatte, um DocMorris kaufen und integrieren zu können. Bei einem Zinssatz von 4 Prozent muss die Gruppe Jahr für Jahr knapp 1,7 Millionen Franken erwirtschaften, um die Gläubiger bedienen zu können. Beobachtern zufolge denkt man bei Zur Rose über einen Börsengang analog zum Konkurrenten Shop-Apotheke nach.

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