Venentherapeutika

Öko-Test: Venencremes fallen durch

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Berlin -

Sommerliche Wärme macht den Beinen zu schaffen. Öko-Test hat 31 Mittel gegen Venenleiden getestet; davon 18 Tabletten und 13 Cremes. Die Mittel zum Einreiben sind allesamt durchgefallen. Ihre Wirksamkeit ist laut Öko-Test nicht erwiesen. Einige Kapseln erzielten dagegen Bestnoten.

Ob Apotheken- oder Drogerieprodukte, Arzneimittel oder Kosmetika: Für die Wirksamkeit von Venencremes gebe es keine wissenschaftlichen Nachweise, urteilten die Tester. Der Frankfurter Pharmazieprofessor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz hatte die Präparate für Öko-Test untersucht: „Für alle lokal-oberflächlich anzuwendenden Zubereitungen liegen bis heute keine Daten aus zeitgemäßen Studien vor, die die Wirksamkeit für die beanspruchten Indikationen belegen“, sagte er dem Magazin. Damit sei keines der getesteten Produkte empfehlenswert. Ökotest bestätigte damit sein Urteil aus dem Jahr 2010.

Das Hirudoid Gel von Stada und das Venostasin-Gel von Klinge Pharma erhielten daher ein „mangelhaft“. Noch schlechtere Noten vergaben die Tester für die Antistax Venencreme von Boehringer-Ingelheim, das Fagorutin Venen Balsam von Omega Pharma sowie Klosterfrau Venengold Bein-Gel. Die drei Produkte bekamen ein „ungenügend“, da sie PEG sowie PEG-Derivate enthielten – bedenkliche Inhaltsstoffe aus Sicht der Tester.

In einer Stellungnahme von Boehringer-Ingelheim heißt es: „Wir können die Kritik an der Zusammensetzung der Antistax Venencreme nicht nachvollziehen.“ Das Präparat wurde zugelassen; das beinhalte, dass das Mittel inklusive verwendeter Hilfsstoffe „sicher und unbedenklich” sein müsse. Öko-Test führt außerdem Deklarationsmängel als Grund für die Abwertung an. Doch die Gebrauchsinformation zum Produkt sei behördlich vorgegeben und entsprechend der HMPC-Monographie für Vitis Vinifera Folium korrekt umgesetzt worden, erklärt der Hersteller.

Bedeutend besser schnitt zumindest ein Teil der Venenmittel zum Einnehmen ab. Acht Präparate bewertete Öko-Test mit „sehr gut“. Alle Testsieger sind Apothekenprodukte; ihre Wirksamkeit ist laut Öko-Test belegt. Sieben enthalten als Wirkstoff Rosskastanienextrakt: Aescorin Forte (Steigerwald), Aescusan Retard 50 (Mibe), Plissamur (Ardeypharm), Venen-Tabletten retard (Stada), Venentabs (Ratiopharm), Veno-Biomo Retard (Biomo) und Venoplant retard S (Dr. Willmar Schwabe). Das Präparat Antistax Extra von Boehringer-Ingelheim setzt auf einen Extrakt aus roten Weinrebenblättern.

Die Kapseln der Eigenmarken von dm und Rossmann schnitten mit „mangelhaft“ beziehungsweise „ungenügend“ ab. Doch auch die Veno SL 300 Hartkapseln von Ursapharm wurden mit der schlechtesten Note bewertet. Für die Tester war die Wirksamkeit des Produkts nicht nachgewiesen und der Beipackzettel unvollständig.

Die Tester betonen, dass auch die „sehr gut“ bewerteten Kapseln gegen Venenleiden nur eine Therapieergänzung darstellten. Sie bildeten zwar einen Baustein der Behandlung. Kompressionsstrümpfe oder Wickel, die die Venenfunktion unterstützen, können mit Tabletten jedoch nicht ersetzt werden. Öko-Test rät darüber hinaus bei geschwollenen Beinen zu kalten Wassergüssen. Zur Vorbeugung werden zudem Bewegung und Kneippkuren empfohlen. Sollte der Patient bereits unter Krampfadern oder gar offenen Beinen leiden, reiche Selbstmedikation nicht aus – ein Arztbesuch sei notwendig.

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