Lieferengpässe

Januvia: Apothekenauftrag ausnahmsweise

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Berlin -

MSD Sharpe & Dohme schafft für die Apotheken bei Januvia (Sitagliptin) eine zusätzliche Bezugsoption. Sind die Präparate nicht über den Großhandel lieferbar, kann nun doch ausnahmsweise beim Hersteller direkt bestellt werden. Die Schuld für die Lieferengpässe weist der Hersteller aber von sich: In diesem Jahr sei eine deutlich höhere Menge an den Großhandel geliefert worden, sagt eine Sprecherin.

Januvia gehört eigentlich nicht zu den Präparaten, die von MSD direkt geliefert werden. Um Engpässe zu vermeiden, nimmt der Konzern künftig jedoch Bestellungen entgegen: „Damit eine Nichtverfügbarkeit im Großhandel nicht zu Lasten der Patienten geht, führt MSD direkte Belieferungen der Apotheken durch“, so die Sprecherin. Der Hersteller hatte Apotheken bei diesem Präparat bislang an den Großhandel verwiesen.

In dem Fall eines thüringischen Apothekers sei die Ware bereits zum Großhändler unterwegs gewesen, so die Sprecherin. „Eine direkte Belieferung der Apotheke wäre in diesem Fall nicht schneller gewesen, da eine Lieferung für den folgenden Tag nicht immer gewährleistet werden kann.“

Das Präparat gehört heute zu den häufig verschriebenen Antidiabetika. 2007 eingeführt, wurde es im vergangenen Jahr laut Arzneiverordnungsreport rund 700.000 Mal verordnet. In den ersten zehn Monaten diesen Jahres sei die doppelte Menge an den Großhandel geliefert worden, sagt eine Sprecherin. „Die Ursache der vereinzelten Nichtverfügbarkeit einer der sechs verschiedenen im Markt befindlichen Packungen muss daher in den nachgelagerten, nicht vom Hersteller verantworteten Stufen liegen.“

Januvia gehört dem Vernehmen nach zu den Produkten, bei denen MSD in der Vergangenheit gekürzt und massiv kontingentiert hat. Hintergrund soll der Export der Ware sein, da neuartige Antidiabetika wegen ihres vergleichsweise niedrigen Preises für den ausländischen Markt interessant sind.

Umsatzstarke Apotheken werden dem Vernehmen nach beim Großhandel bevorzugt mit kontingentierter Ware beliefert. Die Kunden werden auf Niederlassungsebene klassifiziert. Sogenannte A-Apotheken erhalten die Präparate auch in schwierigen Zeiten, C-Apotheken gehen leer aus. Das Nachsehen haben beispielsweise Apotheker, die nicht in einem Verbund sind und über die Kooperation Druck aufbauen können.

MSD hat mit Janumet (Sitagliptin/Metformin) ein weiteres Antidiabetikum auf dem Markt, das 2014 ähnlich oft wie Januvia verordnet wurde. Mit 228,5 Millionen Tagestherapiedosen (DDD) kommt Sitagliptin in seiner Wirkstoffgruppe auf einen Anteil von mehr als zwei Dritteln. Auch im Vergleich mit anderen oralen Antidiabetika kann das Gliptin mithalten: Metformin kommt auf 595 Millionen DDD, die Sulfonylharnstoffe Glimepirid auf 248 Millionen DDD und Glibenclamid auf 37 Millionen DDD.

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