Apotheken- vs. Industriemanagement

, Uhr
Frankfurt -

Eigentlich kann die Industrie mit dem deutschen Apothekenmarkt zufrieden sein. Weil es keine Apothekenketten gibt und OTC-Produkte apothekenpflichtig sind, haben es Hersteller in den Verhandlungen deutlich entspannter als in den Jahresgesprächen mit großen Handelskonzernen. Andererseits fehlt aus demselben Grund der Durchgriff auf den Point-of-sale (POS). Dass die Branche dieses Dilemma lösen muss, war Konsens bei der Inspirato-Konferenz „Zukunft Apotheke“ in Frankfurt. Die Frage war nur, wer seine Hausaufgaben zu machen hat.

„Der deutsche Markt verzeiht relativ viel“, sagte Thomas Golly, Partner bei der Unternehmensberatung Sempora. „Sie können als Hersteller mit Produkten und Konzepten experimentieren. In anderen Märkten sind viel größere Investments notwendig, um in die Regale zu kommen.“ Während hierzulande vor allem dem Abverkauf durch den Außendienst eine Schlüsselrolle zukommen, brauche man in anderen Ländern deutliche größere Teams, die professionelle Marketingaktivitäten stringent umsetzten.

Aus diesem Grund ist laut Golly der Markt nicht nur insgesamt ethischer, sondern es gibt auch viel mehr kleinere Produkte und Nischen. Mit anderen Worten: „Wenn die Liberalisierung irgendwann käme, müssten sich gerade viele Mittelständler anstrengen, damit sie nicht aus dem Markt gespült werden.“ Man könne das ganze aber auch positiv sehen: „Jetzt gibt es noch die Chance, mit überschaubaren Mitteln Marken aufzubauen.“

Doch gerade die großen Hersteller sehen die Situation nicht so positiv. Laut Frank Hauerken, OTC-Chef bei Novartis, hat der deutsche Markt Nachholbedarf: Viele Chancen würden vertan, weil Konzepte der Hersteller in den Apotheken nicht nachhaltig umgesetzt würden. „Hier ist viel Sand im Getriebe“, so Hauerken.

Nach wie vor sei der Versandhandel der „absolute Angstgegner“, so Hauerken. „Ich rate den Apothekern und ihren Kooperationen, die Augen aufzumachen und genau hinzusehen, was das Erfolgsrezept des Versandhandels ist. Versandapotheken funktionieren nicht nur über den Preis und nicht nur über Convenience. Hier wird viel investiert in Beratungs- und Betreuungskonzepte.“

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema
Homöopathika-Hersteller zeigt Flagge
DHU wirbt für Covid-19-Impfung »
Natürlich gegen Muskelschmerzen
Voltanatura: GSK bringt Pflanzen-Gel »
Mehr aus Ressort
Aktienrückkauf abgeschlossen
Roche und Novartis trennen sich »
Weiteres
Kriedel: „Er tritt die Motivationsbremse noch weiter durch“
Ärzte rechnen mit Spahn ab: „Grenze des Machbaren weit überschritten“»
„Versuchskaninchen im Gesundheitswesen“
E-Rezept: Ärzte wollen Einführung mit Petition stoppen»
Einführung trotz winziger Testzahlen
E-Rezept: BMG hält am 1. Januar fest»
Aktienrückkauf abgeschlossen
Roche und Novartis trennen sich»
Homöopathika-Hersteller zeigt Flagge
DHU wirbt für Covid-19-Impfung»