Gesundheitspolitisches Positionspapier

MVDA: Honorarsprung für Apothekenteams

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Berlin -

Mit dem Abflachen der Corona-Pandemie rücken irgendwann die klassischen gesundheitspolitischen Themen auf die Agenda der Ampel. Der Marketing Verein Deutscher Apotheken (MVDA) hat daher ein Positionspapier erstellt und an Gesundheitsausschuss, Gesundheits- und andere ausgewählte weiteren Ministerien sowie die Standesvertretungen verschickt – verbunden mit einem Gesprächsangebot direkt vor Ort in den Linda-Apotheken.

Die Pandemie habe die hohe Relevanz der stationären Vor-Ort-Apotheken im deutschen Gesundheitssystem verdeutlicht, so der MVDA: „Schnell, flexibel und flächendeckend wurden die Vorgaben der Politik an eine umfassende Versorgung der Bevölkerung mit höchster Qualität erfüllt. Um die Leistungsfähigkeit der Apotheken zukünftig sicherzustellen, sind strukturelle und finanzielle Veränderungen erforderlich.“

Der gesundheitspolitische Expertenkreis des MVDA hat im aktuellen Positionspapier fünf zentrale Positionen zur Zukunftsgestaltung der pharmazeutischen Versorgung formuliert. Dabei stehen die Themen Flächendeckung, Fremd-/Mehrbesitz, demografischer Wandel und Pharmaceutical Homecare, AMTS, Fachkräftemangel und die Neuausrichtung der pharmazeutischen Berufsbilder im Fokus.

„Ziel ist es, mit den Mitgliedern des Gesundheitsausschusses in den aktiven Dialog zu treten. Neben der Zusendung des Positionspapiers sind die Politiker:innen eingeladen, sich lokal und vor Ort mit den MVDA Vertreter:innen auszutauschen. Der MVDA sieht sich satzungsgemäß gegenüber seinen Mitgliedern verpflichtet, zu den relevanten politischen Themen Position zu beziehen und ist bereit, gemeinsam mit seiner Dachmarke Linda eine führende Rolle bei der Zukunftsgestaltung der Arzneimittelversorgung in Deutschland einzunehmen.“

Steigender finanzieller Druck auf die Sozialsysteme führe zu einem Reformzwang. Gleichzeitig sei die Überwindung von Versorgungsdefiziten in der Fläche bereits heute eine der größten Herausforderungen für den gesamten Gesundheitsmarkt. Der demografische Wandel führe nicht nur zu wachsender Morbidität in einer überalternden Gesellschaft, sondern auch zu Personalengpässen und Fachkräftemangel in den Apotheken. Und nicht zuletzt verändere die Digitalisierung mit der geplanten Einführung von elektronischer Patientenakte und E.Rezept sowie der Ausweitung telemedizinischer Angebote, Plattformen und Gesundheits-Apps die Anforderungen an die pharmazeutischen Berufsbilder.

„Damit der Apothekenmarkt in der Lage ist, sich mit der notwendigen Geschwindigkeit weiterzuentwickeln, muss für eine nachhaltige Implementierung eines Qualitätswettbewerbs gesorgt werden. Dabei sind die Kriterien der Versorgungsqualität und -effizienz maßgebend. Qualität darf nicht zulasten eines Preiswettbewerbs geopfert werden“, erklärt MVDA-Präsidentin Gabriela Hame-Fischer. Daniela Kolb, Vorsitzende des Arbeitskreises Gesundheitspolitik, betont, dass dabei strikt auf die Einordnung des Arzneimittels als besonderes Gut zu achten sei. „Eine vollständige Liberalisierung des Marktes sowie der zugehörigen Strukturen gefährdet eine flächendeckende, sichere und patientenzentrierte Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln, statt sie zu stärken.“

Das sind die fünf zentralen Positionen:

Botendienst statt Rx-Versand

Weil die Lieferung von Medikamenten an Bedeutung gewinne, muss laut MVDA der Botendienst der Vor-Ort-Apotheken gestärkt werden. „Vor einer Bevorzugung des deregulierten Rx-Versandhandels wird ausdrücklich gewarnt, da die Vereinsvertreter:innen hierin das Risiko einer Trockenlegung der mischkalkulierten Finanzierungsgrundlage jeder Apotheke sehen, was unweigerlich innerhalb kürzester Zeit zum Verschwinden versorgungsrelevanter Landapotheken führen würde.“

Fremd- und Mehrbesitzverbot

Die Zulassung von Apothekenketten würde mittelfristig zu monopol- oder oligopolartigen Strukturen führen, die laut MVDA weder zu Preis- noch Qualitätswettbewerb, sondern nach dem Prinzip „Angebot und Nachfrage“ zu einer reinen Gewinnmaximierung führen dürften. „Somit würden zahlreiche, nicht kostendeckende Leistungen durch Selektion verschwinden.“ Negativbeispiele seien bereits im europäischen Ausland erkennbar.

Apotheke als Lotse

Konzepte im Sinne einer pharmazeutischen Homecare (pHC), bei der der Bedarf an Arznei- und Hilfsmitteln rund um die Uhr und die persönliche Begleitung immobiler Menschen abgedeckt wird, sind laut MVDA ein relevanter Entwicklungsschritt, um die Versorgung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zu sichern. „Dies funktioniert nur in Kooperation mit anderen Heilberufen, bei der die stationäre Apotheke eine Lotsenfunktion einnehmen soll.“

Medikations-Monitoring

Eine Steigerung der Arzneimitteltherapiesicherheit ist laut MVDA alternativlos; insbesondere durch die Digitalisierung wachse die Bedeutung der Rolle der Apotheken. So schlägt der MVDA nicht nur einen gleichberechtigten Zugriff auf Medikationsplan und elektronische Patientenakte vor, sondern auch ein vierwöchentliches Monitoring der Medikation, das als Voraussetzung für die Ausstellung von Quartalsverordnungen gelten könnte.

Honorarsprung gegen Fachkräftemangel

Dreh- und Angelpunkt einer hochwertigen pharmazeutischen Vor-Ort-Versorgung sei ausreichend pharmazeutisches Personal. „Ohne eine entsprechende Personaldecke werden die Anforderungen neuer pharmazeutischer Dienstleistungen und der entstandene Mehraufwand in vielen Arbeitsfeldern laut MVDA nicht zu stemmen sein.“ Das Einkommen von Apothekenmitarbeiter:innen liege mittlerweile bis zu 40 Prozent unter den vergleichbaren Berufsgruppen. „Das führt zu einer zunehmenden Abwanderung aus dem eigentlichen Betätigungsfeld, dem schnell entgegengewirkt werden muss, z. B. durch einen deutlichen Honorarsprung und einer jährlichen Honorardynamisierung sowie der Weitergabe eines Teils der Honorarerhöhung an die Mitarbeitenden.“ Außerdem müssten Studien- und Ausbildungsplatzangebot schnell ausgebaut werden.

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